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Wenn der Vater mit dem Kinde kocht

Kochkursus der VHS Backnang kann in Zeiten der Coronakrise als Anregung für eine schmackhafte Beschäftigung dienen

In Zeiten der Coronakrise finden auch an der Backnanger Volkshochschule keine Kurse wie sonst statt. Unsere Autorin hatte sich vor der Verhängung der Beschränkungen einen VHS-Kursus angeschaut, der so zurzeit zwar nicht stattfindet, der aber viele Anregungen bietet, wie insbesondere Väter die Zeit zu Hause buchstäblich geschmackvoll mit den Kindern gestalten können.

Während die Papas spülen, verziert Melanie Geiger mit den anderen Kindern die Amerikaner für zu Hause mit buntem Süßkram. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Während die Papas spülen, verziert Melanie Geiger mit den anderen Kindern die Amerikaner für zu Hause mit buntem Süßkram. Fotos: A. Becher

Von Simone Schneider-Seebeck

BACKNANG. Düfte ziehen durch die freundliche Küche im Backnanger Bildungshaus. Konzentriert sind große und kleine Köche dabei, ein zwar unkompliziertes, aber sehr wohlschmeckendes Drei-Gänge-Menü zu zaubern. Die Papa-Kind-Teams arbeiten dabei perfekt Hand in Hand.

Ein Vater-Tochter-Gespann kümmert sich gerade um den Nachtisch. Die Pfirsiche sind bereits in kleine Stücke geschnitten und zusammen mit Joghurt-Vanille-Creme in bauchige Gläser gefüllt worden. Nun wird die frisch geschlagene Sahne ganz genau darauf verteilt. Hobbykoch Harald Geiger lacht: „Ich darf nur Hilfsdienste machen“, während Tochter Melanie das gerechte Aufteilen der Sahne kritisch beäugt. Das i-Tüpfelchen wird dann die leuchtend orangefarbene Maracujasoße. Eigentlich hatte Geiger auf der Suche nach einem anderen Kurs das Volkshochschulprogramm durchgeblättert und war dann beim Papa-Kind-Kurs hängengeblieben. Melanie war begeistert und wollte unbedingt dabei sein. Erfahrung bringt sie schon mit, sie backt viel mit ihrer Mama. Der Papa schlägt sich hier aber auch nicht schlecht, findet sie. Gerold Remlinger und sein Sohn Sebastian sind mit der Vorspeise beschäftigt, einer fruchtigen Tomaten-Birnen-Soße mit Parmesantalern. Davor haben sie die Amerikaner vorbereitet, die nun im Ofen langsam ihre typische goldene Farbe annehmen. Auch bei den beiden war der Kochkursus eigentlich ein Zufallstreffer, ursprünglich hatte sich Remlinger für die Sportangebote interessiert. Zu Hause kocht er ganz gern, wenn er einmal die Zeit dazu findet, auch der Junior bringt schon Küchenerfahrung mit.

Das Gleiche gilt für die Familie Wahl. Vater Jochen ist gleich mit zweifacher Verstärkung dabei, mit den Söhnen Alexander und Konstantin. Sie haben den gemeinsamen Kochkursus zu Weihnachten bekommen und braten nun die perfekt geformten Fleischbällchen an, während eine verführerisch duftende Tomatensoße vor sich hin köchelt. Es ist beeindruckend, wie gut die Zusammenarbeit bei den Teams funktioniert und wie ruhig und konzentriert gearbeitet wird. Kursleiterin Manuela Bemmerle ist ganz entspannt. Sie blickt den Köchen immer wieder über die Schulter, gibt Tipps und behält den Überblick. Der Papa-Kind-Kochkurs trifft den Nerv der Zeit: „Dieser Kurs ist ein Zusatzangebot, weil es für den regulären Kurs so viele Anmeldungen gab“, erklärt die zweifache Mutter. „Ich finde es als Mama schön, wenn Papa und Kind auf so eine Weise Zeit zusammen verbringen“ – sie führt das Stichwort „Quality Time“ an, also Zeit, in der man den Kindern ganz besondere Aufmerksamkeit widmet.

Es geht nicht um Haute Cuisine, sondern um einfache, leckere Kost

In diesem besonderen Kochkursus geht es nicht darum, raffinierte Haute Cuisine vorzustellen. Einfache und leckere Rezepte, die leicht nachzukochen und nicht zu aufwendig sind, stehen auf dem Speiseplan. Denn sie weiß aus Erfahrung: „Kinder verlieren schnell die Lust, wenn es zu lange dauert.“ Ein bisschen gemein ist es ja schon. Während sich gegen Ende der Vorbereitungen die Papas um das Spülen und Aufräumen der Küchenutensilien kümmern– Mamas aufgepasst, das klappt ganz ohne Murren! – dürfen die zwei Mädchen und drei Jungen ihre Amerikaner verzieren. Und schließlich geht es an die Teller. Nach gut eineinhalb Stunden steht das Menü. Abgesehen davon, dass es sich um alltagstaugliche Rezepte handelt, sind die Komponenten der Gerichte ganz nebenbei ziemlich gesund. Beispielsweise die Birne, die der Tomatensuppe einen unaufdringlich fruchtigen Geschmack verleiht. Sie enthält Vitamin C, Folsäure, verschiedene Mineral- und Ballaststoffe. Dazu noch die knusprigen Parmesantaler – raffiniert. Die Kartoffelspalten, die zu den Fleischbällchen mit Tomatensoße gereicht werden, gewinnen durch den Schwarzen Kümmel eine leicht orientalische Note. Und der Karotten-Apfel-Salat mit Walnüssen, Fetakäse und Heidelbeeren setzt farbliche und geschmackliche Akzente.

Sommerliche Lebensfreude im Glas: das Solero-Dessert.

© Alexander Becher

Sommerliche Lebensfreude im Glas: das Solero-Dessert.

Die Köche sind mit ihrer Leistung sehr zufrieden, es wird über Essen im Allgemeinen und Besonderen gesprochen, zudem fehlt es nicht an der ein oder anderen kreativen Ergänzung zum aktuellen Menü. „Es wird immer für zwei gekocht. Für die, die es essen, und für die, die es nicht essen,“ weiß Vater Remlingen. Erfreulicherweise ist bei diesem Kochkursus eher die erste Gruppe vertreten. Die Kinder, zwischen sechs und elf Jahre alt, greifen beherzt zu.

Fast alles wird probiert und für gut befunden. Die kleine Emma lobt explizit den Salat. Ihr Vater Hartmut belegt öfter Kurse an der Volkshochschule und er unternimmt häufig etwas mit seiner großen Tochter. Mit ihren sechs Jahren ist sie ein quirliges Mädchen, das mit der Oma ebenfalls gern backt und kocht.

Ob denn ein Fortgeschrittenenkurs denkbar wäre? Bemmerle zumindest ist nicht abgeneigt. Die Beraterin für ganzheitliche Ernährung bietet seit drei Jahren Kochkurse aller Art an, nicht nur in Backnang, auch im Kreis Ludwigsburg. Die Rezepte hat sie zuvor zu Hause getestet. „Mir ist es wichtig, die Leute zu inspirieren. In der Küche passiert so viel, da ist so viel Dynamik drin“, schwärmt sie über ihren Beruf. Bisher hat sie mir ihren Kursen nur gute Erfahrungen gemacht. Auch dieses Mal sieht man nur zufriedene Gesichter. Die wenigen Überreste werden aufgeteilt und dann geht es mit den köstlich duftenden und bunt verzierten Amerikanern nach Hause. Vielleicht darf Mama ja auch einmal beißen.

Info
Solero-Rezept

Die Zutaten (reicht für 10 Gläser):
1 Dose Pfirsiche
500 Gramm Joghurt natur
1 Vanilleschote
50 Gramm Zucker
500 Milliliter Sahne
2 Päckchen Vanillezucker
2 Päckchen Sahnesteif
700 Milliliter Maracujasaft
3 Päckchen Vanillesoßenpulver
(ohne Kochen)

Zubereitung:
Pfirsiche würfeln und eine flache Form oder Gläser mit den Würfeln auslegen. Vanilleschote auskratzen. Joghurt mit Vanille und Zucker verrühren und darüber verteilen. Die Sahne mit Vanillezucker und Sahnesteif aufschlagen und über den Joghurt geben. Den Maracujasaft mit dem Vanillesoßenpulver anrühren und deckend auf der Sahne verteilen. Bis zum Genuss im Kühlschrank kühlen.

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Erstellt:
15. April 2020, 11:30 Uhr

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