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Wenn nichts mehr klappt

Vorschau - Meuffels kämpft sich mit letzter Kraft durch sein Finale – hin zu einem dicken Ende. Ariane Holzhausen

München Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) ist am Ende. Von Anfang an. In seiner Münchner Wohnung sind ihm von seiner Liebe nur noch die verschlossenen Kartons geblieben. Verzweifelt sucht er in einem letzten Anlauf wieder Zugang zu Constanzes (Barbara Auer) Herz. Getrieben von Sehnsucht, getragen von „drei Jahrhunderten trauriger Musik“ aus dem Autoradio, düst er zu ihr nach Nürnberg. Zwecklos. Nichts klappt. Nicht mal, mit dem Rauchen aufzuhören.

Und jetzt noch dieser Fall. Genauso schmerzhaft. Eine Frau wurde vor den Augen ihrer siebenjährigen Tochter mit Kopfschüssen getötet. Auch auf das flüchtende Mädchen wurde gezielt. War es wirklich der Vater, der im Sorgerechtsstreit durchgedreht ist?

Wie selbst angeschossen, schleppt sich Meuffels nicht mehr von dieserWelt durch „Tatorte“, seinen letzten Fall. Da hilft es kaum, dass seine neue Assistentin Nadja Micoud (Maryam Zaree) vor Bewunderung am liebsten vor ihm auf die Knie gehen würde. Im Gegenteil. Der muffelige Meuffels mag weder, dass Micoud alle Kollegen duzt, das sei „ein bisschen wie Ikea“, noch, dass er ihr immer alles aus der Nase ziehen muss. Sie zwingt ihm Dialoge auf: „Das ist doch scheiße. Das ist wie im Fernsehen, wo haben Sie denn das gelernt?“

Stichelige kleine Späße übers Krimigenre hat Christian Petzold wie Salz in Meuffels Seelensuppe gestreut, die trüb bleibt bis zum Schluss. Zu den Schallplatten der Four Tops will der Kommissar dampfbügeln, als könne er seine brüchig gewordene Oberfläche gleich mit glätten: „It’s the same old Song“. Aber das gelingt ihm so gut wie das mit dem Rauchen.

Dann stürzt alles vollends bergab, bei der Arbeit, in der Liebe, im Leben. Petzold lässt die klare Rollenverteilung von Täter und Opfer bersten, die Splitter durchbohren nicht nur die in Elend versunkene Hauptfigur. Zwei Brocken müssen Kommissar und Zuschauer noch schlucken, bevor das grandiose dicke Ende kommt.https://www.stuttgarter-zeitung.de/thema/Matthias_Brandt

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Erstellt:
15. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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