Rechtsextremist

Wer ist Martin Sellner?

Im Zusammenhang mit dem Treffen von Rechtsextremen in Potsdam, bei dem auch Vertreter von AfD und CDU dabei waren, ist der Name Martin Sellner erstmals in der breiten Öffentlichkeit aufgetaucht. Wer ist der Mann?

Ein Bild von Sellner aus dem Jahr 2019 bei einem Treffen der „Identitären Bewegung“, deren Chef in Österreich er damals noch war.

© dpa/Georg Hochmuth

Ein Bild von Sellner aus dem Jahr 2019 bei einem Treffen der „Identitären Bewegung“, deren Chef in Österreich er damals noch war.

Von Michael Bosch/dpa

Nach dem Treffen radikaler Rechter im November, an dem auch Mitglieder von AfD und CDU teilnahmen, haben sich die Sicherheitsbehörden eingeschaltet. Die Stadt Potsdam – Schauplatz der Gespräche – will in Abstimmung mit Bund und Land gegen einen „rechtsextremistischen Taktgeber“ vorgehen, heißt es. Sein Name: Martin Sellner.

Die Ausländerbehörde prüft demnach die Möglichkeit einer Einreisesperre gegen den Österreicher. Wie die Stadt mitteilte, gehe es dabei um die Frage, „ob von denen in Potsdam als Ort der Zusammenkunft getroffenen Aussageneine Gefahr für die Sicherheit und öffentliche Ordnung ausgeht und wie Wiederholungen im Rahmen einer örtlichen Zuständigkeit mit rechtsstaatlichen Mitteln zu verhindern sind“. Alle relevanten Sicherheitsbehörden auf Bundes- und Landesebene seien zum Abwägungsprozess hinzugezogen.

Einreise nach Deutschland Ende Januar

Sellner schrieb am vergangenen Samstag auf seinem Telegram-Kanal, dass er gegen ein Einreiseverbot nach Deutschland juristisch vorgehen wolle. Das Recherchezentrum Correctiv hatte ein Treffen radikaler Rechter am 25. November in Potsdam öffentlich gemacht, an dem einige AfD-Politiker sowie einzelne Mitglieder der CDU und der sehr konservativen Werteunion teilgenommen hatten. Sellner hatte bei dem Treffen nach eigenen Angaben über „Remigration“ gesprochen.

An diesem Montag (29. Januar 2024) ist Sellner offenbar wieder nach Deutschland gereist. Das berichten mehrere Medien. Er sei dabei zwar von der Bundespolizei aufgegriffen worden, durfte dann aber doch ins Land.

Kopf der Identitären Bewegung

Wer aber ist der 35-Jährige. Geboren ist Sellner in Wien. Inzwischen ist er aber weit über die Grenzen Österreichs bekannt. Sellner hat Rechtswissenschaften und Philosophie studiert – Ersteres brach er ab – und wurde als Kopf der Identitären Bewegung Österreichs, die er mitbegründet hat, bekannt. Inzwischen gilt er als Strippenzieher der rechtsextremen Szene in Europa und „zentraler Stratege“.

Eine Zeit lang verbreitete Sellner seine (teils kruden) Thesen über die Videoplattform Youtube mit etwa 100.000 Followern und Social Media. So propagiert er beispielsweise die Verschwörungstheorie des „Großen Austauschs“. Aus seiner Sicht herrscht im 21. Jahrhundert eine „kranke Ideologie der Gleichheit“. In seinen Büchern finden sich rechtsextreme, ausländerfeindliche, rassistische und nationalistische Positionen. Weil er im Netz vielerorts gesperrt wurde ist er inzwischen auf die Plattform Telegram ausgewichen. Dort erreicht er mehr als 60.000 Nutzer.

Arbeit im rechtsextremen „Institut für Staatspolitik“

Seit 2015 ist Sellner im rechtsextremen „Institut für Staatspolitik“ tätig, das vom Verleger Götz Kubitschek – einem der Mentoren Sellners – initiiert wurde. Im Verlag Antaios, der dazu gehört, sind mehrere Bücher von Sellner erschienen, in denen er seine Ideen darlegt. Zuletzt legte Sellner in einem Video dar, worum es ihm geht: „Eine pro-deutsche Migrationspolitik, eine Minus-Migration, eine Umkehrung der Migrationsströme, damit die Deutschen bestimmende Mehrheit im eigenen Lande bleiben.“

Sellner lehnt eine Betätigung laut Rechtsextremismus-Forscher Bernhard Weidinger ab. „Parteipolitik, Straßenaktivismus und dann sozusagen die mediale Ebene, die Meinungsebene“, wird der Experte in der ARD zitiert. Jeder solle da „auf seiner eigenen Ebene das eigene Ding machen“ – aber sehr wohl im Bewusstsein dafür, „dass man sowas hat wie eine gemeinsame Mission, die man arbeitsteilig verfolgt, und die man solidarisch verfolgt.“

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Erstellt:
30. Januar 2024, 14:30 Uhr

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