Wichtige Helfer, wenn es um Minuten geht

Fünf öffentlich zugängliche Defibrillatoren gibt es inzwischen in der Gemeinde Althütte, ermöglicht durch Spenden der Bevölkerung und die Unterstützung von Unternehmen. Das DRK Althütte organisiert die Finanzierung, Beschaffung und Installation der lebensrettenden Geräte und kümmert sich um die Wartung.

Andreas Wieland vom DRK Althütte zeigt an der Rösslesscheuer in Waldenweiler, wie ein Defibrillator aussieht. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Andreas Wieland vom DRK Althütte zeigt an der Rösslesscheuer in Waldenweiler, wie ein Defibrillator aussieht. Foto: A. Becher

Von Annette Hohnerlein

ALTHÜTTE. „Die Bedienung ist kinderleicht“, sagt Sven Semet, Vorsitzender des Ortsvereins Althütte des Deutschen Roten Kreuzes. Und das muss sie auch sein, wenn es darum geht, das Leben eines Herzinfarktpatienten zu retten. Denn ein Helfer befindet sich in diesem Moment in einem Zustand höchster Anspannung. Wenn er den Kasten mit dem Defibrillator öffnet, ertönt ein Alarmsignal. Dieses dient aber nur dazu, Diebe abzuschrecken, und kann ignoriert werden. Wenn der Defi aktiviert wird, ertönt eine Stimme, die in ruhigem Tonfall Anweisungen gibt und den Helfer durch die Reanimation leitet.

Wann aber ist überhaupt der Einsatz eines Defis angezeigt? DRK-Bereitschaftsleiter Fabian Becker gibt Auskunft: wenn eine Person nicht ansprechbar ist und gleichzeitig keine oder eine abnormale Atmung wie zum Beispiel röchelnde oder Schnappatmung feststellbar ist. Allerdings darf man solch einen Notfallpatienten nicht alleine lassen, sondern muss zunächst den Notruf 112 wählen. Dann wird man von einem Mitarbeiter der Rettungsleitstelle angewiesen, was zu tun ist, zum Beispiel mit der Herzdruckmassage zu beginnen.

„Das Gerät weiß, was es tun muss.“

Nur wenn ein zweiter Helfer vor Ort ist, sollte dieser sich auf den Weg zum nächsten Defibrillator machen. Damit wird dann die Reanimation fortgesetzt, bis der Rettungsdienst da ist. „Die Leute haben Angst vor dem Stromstoß, mit dem der Defi das Herz wieder in Gang bringen soll“, erklärt Becker, „aber das Gerät weiß, was es tun muss. Es misst ständig die Herztätigkeit und entscheidet, ob ein Stromstoß nötig ist oder nicht.“ Wo sich das nächste Gerät befindet und zu welchen Zeiten es zugänglich ist, wissen die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle. Außerdem gibt es im Internet unter www.kardioverein.de/defikarte-aktuell.html eine Karte mit den Standorten aller Defibrillatoren im Kreis.

Althütte ist in der glücklichen Lage, über fünf solcher Geräte auf dem Gemeindegebiet zu verfügen, und zwar dank der engagierten Mitarbeiter der DRK-Ortsgruppe und der Spendenbereitschaft der Bevölkerung. „Wir vom DRK Althütte sind uns sicher, dass Defibrillatoren der Schlüssel zu weniger Herzinfarkttoten sind“, lässt Andreas Wieland wissen, der beim DRK Althütte so etwas wie der Defi-Beauftragte ist. Er wird regelrecht euphorisch, wenn er von den bei den Kampagnen seit vergangenem Herbst erzählt, die die zuletzt angeschafften Geräte ermöglicht haben.

Den Anstoß für Sechselberg gab eine Bürgerin, die gemeinsam mit dem DRK eine Spendenaktion organisierte. Der benötigte Betrag von rund 2000 Euro kam in nur vier Wochen zusammen. „In Sechselberg haben etwa 50 Haushalte gespendet, Beträge zwischen fünf und 500 Euro. Das ist beeindruckend“, freut sich Wieland. Durch eine zweite Kampagne wurde dann noch ein weiterer Defibrillator finanziert, der inzwischen in Althütte-Süd bei der Firma Holzbau Schaile hängt. Außerdem erklärte sich die Bauunternehmung Pfeil bereit, die Defi-Lücke in Waldenweiler zu schließen, und spendete ein Gerät, das kürzlich an der Rösslesscheuer installiert wurde.

Die Besitzer der jeweiligen Gebäude unterstützen die Initiative, indem sie ihre Immobilie zur Verfügung stellen und die laufenden Stromkosten übernehmen. Das sind die Firma Holzbau Schaile, beim Bürgerhaus Sechselberg die Gemeinde Althütte und bei der Rösslesscheuer die Familie Heller. Außerdem haben die Firma Elektro Heinle aus Fautspach und das Elektrofachgeschäft Bernhard Heinle aus Althütte kostenlos die Installation der drei Defibrillatorenkästen übernommen. Denn diejenigen Geräte, die im Außenbereich installiert sind, müssen in beheizbaren Kästen untergebracht sein, der Akkus wegen.

In Zukunft soll das Netz von Defibrillatoren in der Gemeinde noch enger geknüpft werden. Auf der Wunschliste der DRK-Mitarbeiter stehen neue Standorte in Lutzenberg, Kallenberg und Fautspach. Wenn die coronabedingten Vorschriften es erlauben, sollen auch die Infoveranstaltungen fortgesetzt werden, die das DRK Althütte in den vergangenen Jahren zusammen mit dem Verein „Gemeinsam gegen den Herzinfarkt“ veranstaltet hat. Dabei werden nach einem Vortrag durch einen Kardiologen praktische Übungen zur Reanimation gemacht, teilt Fabian Becker mit. Und beendet das Pressegespräch abrupt, um nach einem Alarm zusammen mit Andreas Wieland zu einem Einsatz zu eilen.

Defi-Standorte in Althütte

An folgenden Standorten sind Defibrillatoren in der Gemeinde Althütte zu finden:

Volksbank, Rathausplatz 6, Althütte (24 Stunden zugänglich)

Autohaus Blatt, Ebniseestraße 34, Althütte (zugänglich während der Öffnungszeiten)

Holzbau Rudi Schaile, Im Strohhof 18, Althütte (24 Stunden zugänglich)

Rösslesscheuer Waldenweiler, Wiesenstraße 4, Waldenweiler (24 Stunden zugänglich)

Bürgerhaus Sechselberg, Martin-Luther-Straße 30 (24 Stunden zugänglich)

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Erstellt:
25. März 2021, 16:00 Uhr

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