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Wie barrierefrei ist eine Rampe?

Backnanger Gemeinderat stimmt für abgespeckte Brücke am Bahnhof – Diskussion um vierten Aufzug

Statt einer überdachten Holzbrücke soll eine einfache Stahlkonstruktion genügen. Einstimmig hat der Backnanger Gemeinderat beschlossen, die neue Brücke am Bahnhof in einer abgespeckten Version zu bauen. Umstritten ist allerdings noch die Frage, ob auch einer von zunächst vier geplanten Aufzügen dem Rotstift zum Opfer fallen soll.

Die Visualisierung zeigt, wie der Steg am Bahnhof mit drei Aufzügen aussehen könnte. Der Höhenunterschied am Ende wird mit einer Treppe und einer Rampe überwunden. Visualisierung: Büro SBP

Die Visualisierung zeigt, wie der Steg am Bahnhof mit drei Aufzügen aussehen könnte. Der Höhenunterschied am Ende wird mit einer Treppe und einer Rampe überwunden. Visualisierung: Büro SBP

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Schön wäre sie gewesen, die hölzerne Brücke – da sind sich die Backnanger Stadträte einig. 5,8 Millionen Euro war ihnen der Hingucker dann aber doch nicht wert. „Die Kosten hauen einen um“, stellte selbst Grünen-Stadtrat Willy Härtner fest, der eigentlich ein Befürworter der hölzernen Variante war.

Trotz eines einstimmigen Baubeschlusses vom vergangenen Mai wurde die Planung deshalb noch einmal über den Haufen geworfen. Anstelle einer überdachten Holzbrücke soll nun ein einfacher Steg aus Stahl den Bahnhof barrierefrei machen (wir berichteten). Rund 1,4 Millionen Euro will die Stadt auf diese Weise sparen. Auch im Unterhalt soll die Stahlbrücke deutlich günstiger sein, denn die verglaste Holzkonstruktion hätte von außen nur durch Industriekletterer gereinigt werden können, was aufwendig und entsprechend teuer gewesen wäre.

Die neue Variante, für die das Stuttgarter Büro Schlaich, Bergermann und Partner einen ersten Gestaltungsvorschlag vorgelegt hat, ist in den Augen von Baudezernent Stefan Setzer eine gelungene Alternative: „Wirtschaftlich und trotzdem städtebaulich ansprechend.“ Auch aus den Reihen der Gemeinderatsfraktionen gab es viel Lob für den Entwurf, auch wenn noch gar nicht klar ist, ob der so überhaupt umgesetzt wird. Der Auftrag muss nämlich zunächst noch europaweit ausgeschrieben werden.

Dabei ist Eile geboten, denn für die Bauarbeiten über den Bahngleisen hatte die Stadt bereits im vergangenen Jahr bei der Bahn Sperrpausen für die Jahre 2021 und 2022 angemeldet, in denen der Bahnverkehr zeitweise ruhen muss. Diese Pausen seien in der Betriebsplanung der Bahn bereits berücksichtigt und nicht so einfach zu verschieben, machte Setzer deutlich. Um den Zeitplan trotzdem noch einhalten zu können, müsse deshalb spätestens bis Juli ein neuer Baubeschluss her. Bis dahin muss dann auch geklärt sein, wie viele Aufzüge die neue Brücke bekommen wird. Vier sollten es ursprünglich sein: drei zu den Bahnsteigen und einer am Ende, wo es zur Maubacher Höhe hinaufgeht. Im Zuge der Spardiskussion wurde dieser vierte Aufzug allerdings infrage gestellt. Der Höhenunterschied ließe sich dort aus Sicht der Planer auch mit einer lang gezogenen Rampe überwinden.

Stadträte wollen keine „Murkslösung“

Im Gemeinderat stößt dieser Vorschlag allerdings auf Skepsis. Eine 120 Meter lange Rampe mit sechs Prozent Steigung sei für Rollstuhlfahrer nur mit großer Anstrengung zu überwinden, erklärte Willy Härtner und warnte vor einer „Murkslösung, die gerade so den Vorschriften entspricht“. Auch Heinz Franke will keinen faulen Kompromiss: „Entscheidend ist, dass auch Menschen mit Handicap die Brücke ohne Einschränkungen nutzen können“, erklärte der SPD-Fraktionschef.

Neben praktischen Gründen spricht aus Sicht von Sabine Kutteroff auch die Optik gegen eine Rampe. Weil diese in einer Serpentine den Hang hinaufgeführt werden müsste, entstünde „ein komischer Zacken in der Landschaft“, monierte die CDU-Stadträtin. Jörg Bauer vom Bürgerforum hat zudem Zweifel, ob der Spareffekt wirklich so groß wäre wie erhofft. Die Rampe würde nach seiner Einschätzung fast 200000 Euro kosten. „Dann können wir auch gleich den letzten Aufzug bauen“, so Bauer.

„Wir wollen Ihnen den vierten Aufzug nicht vorenthalten“, entgegnete Baudezernent Setzer. Die Verwaltung habe lediglich, wie vom Gemeinderat gefordert, mögliche Einsparpotenziale aufgezeigt. Mit vier Aufzügen würde die Brücke nach Setzers Schätzung um etwa 450000 Euro teurer. Am Ende einigte man sich darauf, in der Ausschreibung Angebote für beide Varianten einzuholen. Erst wenn konkrete Pläne und Kostenschätzungen auf dem Tisch liegen, will sich der Gemeinderat endgültig entscheiden.

Stadtrat Lutz-Dietrich Schweizer (Christliche Initiative Backnang) brachte schließlich noch eine dritte Variante ins Spiel, die er im hessischen Marburg gesehen hat. Schweizer regte an, den Aufzug an Gleis 5 nach oben zu verlängern und vom Ausstieg einen zweiten ebenerdigen Steg zum Büttenenfeld zu bauen. „Auch das lassen wir prüfen“, versprach der Baudezernent.

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Erstellt:
3. März 2020, 06:00 Uhr

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