Baden-Württemberg

Wie das Land das Firmensterben stoppen will

Immer mehr Unternehmer haben Probleme damit, Nachfolger für ihren Betrieb zu finden. Welche Hilfsangebote das Wirtschaftsministerium dafür parat hat.

Kleineren  Unternehmen fällt es besonders schwer, Nachfolger für ihren Betrieb zu finden. (Symbolbild)

© dpa/Felix Kästle

Kleineren Unternehmen fällt es besonders schwer, Nachfolger für ihren Betrieb zu finden. (Symbolbild)

Von Janina Rossignol

In vielen Orten Baden-Württembergs bekommt man es bereits zu spüren: Der örtliche Bäcker, der Möbelhersteller, Malerbetrieb oder Metallverarbeiter schließt und einen Nachfolger gibt es nicht. Wirtschaftsverbände gehen davon aus, dass sich das Nachfolgeproblem in kleineren Unternehmen in Zukunft wegen des demografischen Wandels noch verstärken wird und schlagen Alarm (wir berichteten). Dabei hat das Wirtschaftsministerium eine breite Palette an Hilfestellungen entwickelt. Zusammengefasst werden sie unter der Dachmarke „Nachfolge BW“.

Das wichtigste Unterstützungsangebot des Landes sind, wie aus der Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion ans Wirtschaftsministerium hervorgeht, die Nachfolge-Moderatoren. Erfunden wurden sie schon 2002, zu finden sind sie bei Industrie- und Handelskammern (IHK), Handwerkskammern (HWK) und beim Deutschen Hotel und Gaststättenverband (Dehoga). Seither begleiten sie Unternehmen auf Nachfolgersuche.

Zwei Millionen Euro stehen bereit

Immerhin stehen im Land von 2022 bis 2025 zwei Millionen Euro dafür zur Verfügung. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist es wichtig, die Aktivitäten im Bereich der Unternehmensnachfolge weiter zu stärken“, erklärt Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut auf Anfrage.

Auch der Landtagsabgeordnete der Grünen Tayfun Tok hält solche Angebote für zukunftsweisend: „Nicht nur gründungsfreundlich, auch übergabefreundlich muss unsere Wirtschaft werden. Daher sollte die Vorbereitung auf eine Unternehmensnachfolge in Zukunft eine noch stärkere Rolle in der Unternehmenskultur spielen. Dazu gehören der Aufbau und die Pflege eines Netzwerks aus erfahrenen Beratern, die die Firmen in diesem Prozess begleiten können.“

Unternehmensnachfolger haben laut Wirtschaftsministerium auch die Chance von Existenzgründungsprogrammen wie „Startfinanzierung 80“ zu profitieren und bei einer Übernahme ein zinsverbilligtes Darlehen von bis zu 150 000 Euro zu erhalten. Außerdem übernehme die Bürgschaftsbank Baden-Württemberg für diese Darlehen eine achtzigprozentige Bürgschaft. So seien 2023 Darlehen mit einem Gesamtvolumen von 20,49 Millionen Euro vergeben worden. Es gibt darüber hinaus auch spezifische Förderangebote für Frauen und junge Menschen, um sie von den Chancen der Selbstständigkeit und Unternehmensübernahmen zu überzeugen.

Von 2022 bis 2026 stehen in Baden-Württemberg 27 300 Betriebe zur Übergabe an, so schätzt das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM). Gezählt wurden dabei lediglich Betriebe, die als wirtschaftlich gesund gelten. Laut Wirtschaftsministerium waren die Zahlen in den vergangenen Jahren konstant, künftig werden sie aber steigen.

Zahl der Neugründungen geht zurück

Laut der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gab es 2022 bundesweit 550 000 Existenzgründungen – neun Prozent weniger als im Vorjahr. Darunter waren lediglich 44 000 Gründungen, die auf bestehende Betriebsstrukturen zurückgreifen; das sind zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut ist die Unternehmensnachfolge wichtig, weil es dabei auch um den Erhalt der Arbeitsplätze und der mittelständischen Wirtschaftsstruktur im Land geht. „Dies ist auch mit Blick auf eine flächendeckende Versorgung im ländlichen Raum von Bedeutung, um dort einem Rückgang des Dienstleistungs- und Einzelhandelsangebots entgegenzuwirken.“

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Erstellt:
7. April 2024, 15:16 Uhr
Aktualisiert:
8. April 2024, 17:17 Uhr

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