Wetter und Klima

Wie der Klimawandel die Dauer von Wetterlagen beeinflusst

Eiseskälte, immer noch: Was ist los im Norden und warum bleibt es weiter südlich mild? So überraschend der zweigeteilte Winter wirkt: Im Zuge der Klimakrise dauern auch solche Wetterlagen häufiger an.

Menschen laufen am 4. Februar auf der eingefrorenen Seebrücke in Prerow. Die längste Seebrücke an der Ostseeküste ist komplett vom Eis umschlossen.

© Philip Dulian/dpa

Menschen laufen am 4. Februar auf der eingefrorenen Seebrücke in Prerow. Die längste Seebrücke an der Ostseeküste ist komplett vom Eis umschlossen.

Von Markus Brauer/dpa

Anhaltend eisig im Nordosten und vergleichsweise mild im Südwesten: Im Zuge des Klimawandels gebe es auch solche Dauer-Wetterlagen häufiger, sagt DWD-Meteorologe Andreas Walter. Bekannt sei das Phänomen unter anderem von den sogenannten Omega-Lagen im Sommer.

Diese langanhaltenden Phasen sind von einem starken Hochdruckgebiet über Mitteleuropa geprägt, das von zwei Tiefdruckgebieten flankiert wird. Folge ist anhaltend sonniges, trockenes und warmes Wetter, oft verbunden mit Hitzewellen und Dürren.

Wetterlage ist nicht ungewöhnlich

Prinzipiell sei eine Zweiteilung der Wetterlage in Deutschland nicht ungewöhnlich, erklärt Walter. „Das kommt häufiger vor.“ Fast 20 Grad Unterschied seien allerdings viel. Und auch die lange Dauer sei besonders. Eine direkt verfügbare Statistik zur Häufigkeit solcher Wetterlagen gebe es aktuell nicht.

In den vergangenen Tagen hatte das stationäre Hochdruckgebiet „Daniel“ für Dauerfrost im Nordosten gesorgt. Der Südwesten wurde von atlantischen Tiefdruck-Ausläufern geprägt, die milde und feuchte Luft aus Südwesten heranführen, wie Walter erläutert.

Klimawandel – ein globales und regionales Problem

Der Klimawandel ist zwar ein globales Phänomen, wirkt sich aber nicht überall gleich und ähnlich intensiv aus. So erwärmen sich beispielsweise einige Regionen wie die Arktis schneller als der globale Durchschnitt. Zugleich differiert das Risiko für Wetterextreme wie Starkregen oder Hitze-Hotspots sogar innerhalb einzelner Regionen oft erheblich.

Immer wärmer? Klimawandel in der Theorie

Der Klimawandel heizt die Atmosphäre immer weiter auf und macht dadurch auch die Winter milder. So die gängige Theorie. Tatsächlich zeigen Messdaten, dass Kältetage und Schnee bei uns in den letzten Jahrzehnten seltener geworden sind.

Umso erstaunlicher scheint es, dass Nordamerika und Europa trotzdem immer wieder extreme Wintereinbrüche und Kälteperioden erleben, zuletzt im Winter 2019, im Frühjahr 2021 und auch wieder in diesem Jahr.

Welche Rolle der Polarwirbel spielt

Ein Grund für extreme Winterkälte ist der Polarwirbel, eine starke Ringströmung rund um den Nordpol. Sie entsteht durch ein weitgehend stationäres Tiefdrucksystem über der Arktis und die Luftmassengrenze zu wärmeren, gemäßigten Regionen.

Dadurch bilden sich schnelle Windbänder in der oberen und unteren Atmosphäre aus. Dieser polare Vortex ist im Winter besonders ausgeprägt und schließt die arktischen Luftmassen ein.

Wenn der Polarwirbel schwächelt

Doch manchmal schwächt sich der Polarwirbel ab und gerät aus den Fugen. Die sonst nahe am Pol liegende Ringströmung bildet dann Bögen aus, die bis weit in die gemäßigten Breiten reichen können.

„Diese Störung des polaren Vortex entsteht typischerweise durch einen Anstieg der Temperaturen und des Luftdrucks in der arktischen Stratosphäre – ein sogenanntes stratosphärisches Wärmeereignis“, erklärt Matthew Barlow von der University of Massachusetts.

Ein solches Wärmeereignis ist auch zurzeit über dem Nordpol messbar, wie Barlow berichtet. Durch diese Anomalie verringert sich der Kontrast zwischen den arktischen Luftmassen und den umgebenden Regionen.

Dies nimmt dem Polarwirbel seine Energie und erlaubt es der Ringströmung gleichzeitig, sich in einem weiten Bogen nach Süden auszubreiten – über fast die gesamte USA. Diese „Beule“ transportiert arktische Kaltluft weit nach Süden und erklärt die extremen Tieftemperaturen selbst in den südlichen US-Bundessstaaten.

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Erstellt:
5. Februar 2026, 11:32 Uhr
Aktualisiert:
5. Februar 2026, 12:02 Uhr

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