Kleeblattmechanismus

Wie ein Pandemie-Netzwerk jetzt in Crans-Montana Leben rettet

Ursprünglich zur Vermeidung von Triage in der Pandemie entwickelt, bewährt sich der Kleeblattmechanismus nun international. Elf Brandopfer werden in Deutschland versorgt.

Ein Hubschrauber der Schweizer Luftrettung hebt am Flugplatz in Zermatt ab.

© Rega

Ein Hubschrauber der Schweizer Luftrettung hebt am Flugplatz in Zermatt ab.

Von Eberhard Wein und Daniel Kessler

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana mit 40 Toten und 119 Schwerverletzten werden elf Patienten auch in deutschen Kliniken behandelt. Neben Stuttgart und Tübingen nahmen auch Ludwigshafen, Köln, Bochum, Aachen, Hannover und Halle Patienten auf. Dass für die teils in Lebensgefahr schwebenden Brandopfer so schnell geeignete Klinikplätze gefunden werden konnte, hat mit einem speziellen Katastrophenmanagement zu tun, das in Deutschland im Zuge der Corona-Pandemie eingeführt worden war.

Bereits am Neujahrstag, wenige Stunden nach dem Großschadensereignis im Kanton Wallis, hatte Deutschland diesen so genannten Kleeblattmechanismus aktiviert. Der Name ist ein wenig irreführend, weil es sonst ja schon ein Glück ist, ein vierblättriges Kleeblatt zu finden. Bei diesem Mechanismus ist Deutschlands Kliniklandschaft sogar in fünf Kleeblätter eingeteilt. Dabei gehört Baden-Württemberg zusammen mit Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen zum Kleeblatt Südwest mit einer eigenen Koordinationsstelle, die die passenden Klinikkapazitäten in ihrem Bereich vermittelt.

Rettungsflugwacht ununterbrochen im Einsatz

Flugzeuge und Hubschrauber der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega waren seit den ersten Stunden des Unglücks in Dauerbetrieb, um medizinisch transportfähige Verletzte zu verlegen. Auch andere EU-Staaten wie Italien, Frankreich, Belgien und Luxemburg unterstützen die Rettungs- und Transportmission, indem sie Patienten zur Weiterbehandlung aufnehmen.

Bei der Corona-Pandemie sollte der Kleeblattmechanismus eine Triage verhindern, also die Priorisierung der Patienten, wenn die vorhandenen Ressourcen nicht für alle ausreichen. So wurden Covid-19-Fälle aus Sachsen und Bayern in andere Bundesländer verlegt, als dort die Kliniken voll liefen. Seither wurden mehrfach auch Verletzte aus der Ukraine durch das Kleeblatt vermittelt.

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Erstellt:
7. Januar 2026, 09:56 Uhr
Aktualisiert:
7. Januar 2026, 13:16 Uhr

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