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Wie heißt der?

Die RTL-Kuppelshow „Der Bachelor“ ist zurück, und alles daran ist wunderbar – wären bloß die Namen nicht

Zwanzig schöne Frauen kämpfen im Fernsehen um die Gunst eines hübschen Basketballers. Also Kopf abschalten und nicht viel nachdenken. Mit dabei ist auch Mariya aus Stuttgart.

Stuttgart Die wahre Herausforderung kommt vor der Werbepause: ein Gewinnspiel. Und die verflixte Preisfrage lautet, ob der neue Bachelor nun Andrej oder Hubert heißt. Für einen kurzen Moment muss man tatsächlich nachdenken – derart viele Namen schwirrten zuvor schon durch die Sendung: Mariya, Claudia, Cecilia, Eva, Karin, Lara, Kimberley, Nadine oder Ernestine zum Beispiel. Diese Namen auch noch irgendwelchen Gesichtern zuzuordnen ist eine Riesenaufgabe.

Zumal der RTL-Kuppel-Tsunami das Gegenteil von Sorgfalt zur Kernkompetenz erklärt hat: Kopf abschalten und um Gottes willen nicht darüber nachdenken, was da gerade passiert ist oder gesagt wurde. Auch der Bachelor hat seine Schwierigkeiten mit all den Namen. Er sagt Nathalie, meint aber Jenny. „Shit happens!“, stellt er fest. Das bedeutet so viel wie „huch!“, klingt aber wesentlich weltmännischer.

Die grobe Rahmenhandlung der Fernsehshow: Ein unverschämt gut aussehender junger Mann – der Ex-Basketball-Profi heißt er Andrej? Hubert? – wählt in einer Villa in Mexiko aus 20 ebenfalls unverschämt gut aussehenden Frauen seine künftige Partnerin aus. In jeder Folge trifft er sich mit ausgewählten Damen und verbringt Zeit mit ihnen.

Vielleicht wird geküsst, vielleicht nicht. Wenn’s gut war, bekommt die Frau zur Belohnung eine Rose überreicht und darf demnächst vielleicht wieder etwas mit dem smarten Kerl unternehmen, der im Nebenerwerb auch Geschäftsmann ist. Er verkauft Kaugummi.

Ansonsten läuft das hier ähnlich wie „Bauer sucht Frau“, nur eben ohne Traktor und Kühe. Bei „Die Nacht der Rosen“ werden die Frauen in glänzenden Limousinen vorgefahren und rufen dann vor Aufregung „Oh my God“ oder „Oh, mein Gott“ und fächern sich mit der Hand frische Luft zu. Denn der Bachelor wird in der ersten Episode eine Vorauswahl treffen müssen. Deshalb werden die Frauen in Zweiergruppen in die Villa zum Bachelor gekarrt. Das Problem: Wer unter 20 Menschen herausragen und sich die Aufmerksamkeit sichern will, muss nun mal irgendwie aus 20 Menschen herausragen und sich die Aufmerksamkeit sichern. „Kannst du mir einen Beat geben?“, fragt eine Kandidatin den Bachelor. Der wiederum klatscht einigermaßen rhythmisch, und sie tanzt dann leider wie Menschen das tun, die beim Tanzen eher auf den Text als auf den Rhythmus achten. Dennoch: Mission geglückt, der Bachelor ist nachhaltig beeindruckt.

Als Zuschauer hat man dem Kerl etwas voraus: In Einspielfilmchen werden die Frauen teils hochdramatisch vorgestellt – wo sie herkommen, was sie tun, was sie wollen und wie sie eigentlich heißen. Immer wieder gespickt mit kleinen Alleinstellungsmerkmalen wie „Ich habe auch einen Youtube-Channel“, „Ich bin verrückt!“, „Man sollte immer sich selbst treu bleiben“ oder „Ich sage immer sofort, was ich denke“ – als ob das prinzipiell eine gute Eigenschaft sei.

Eine Kandidatin singt: „Spüre die Sonne, das Meer von Mexico City.“ Das ist bemerkenswert, auch weil Mexiko-Stadt gar nicht am Meer liegt. Dann gibt es ja noch Mariya, 27 Jahre jung, nach eigenen Worten Kosmetologin und Make-up-Artist. Sie kommt aus Stuttgart und kocht gern gesunde Rezepte.

Isabell aus Magdeburg ist auch super. Die Immobilienkauffrau hält sich in der Kampfkunstschule ihres Vaters mit Kickboxen und Taekwondo fit. Es ist eine subtile Art, dem Bachelor zu verstehen zu geben, dass er keinen Blödsinn machen soll, weil er sonst doppelt Dresche riskieren könnte.

Im „Playboy“ war Isabell 2015 abgelichtet. Sie sagt einen der Sätze, deretwegen es sich lohnt, die Show anzugucken: „Mein Papa hatte den ‚Playboy‘ im Abo, und ich habe mir das als junges Mädchen immer angeguckt und gedacht: Wenn ich groß bin, will ich da auch unbedingt mal rein!“ Noch ein toller Satz: „Ich bin ein offenes Buch, was nicht gut ist, weil geschlossene Bücher sind manchmal spannender“: Cecilia hat das gesagt. Das ist die mit Temperament, die sagt, was sie denkt.

Es ist ein Jammer dass die neue Staffel des „Bachelors“ mit einer 3,6 Prozent schlechteren Quote als im Vorjahr startete. Es ist eine der wenigen Sendungen, in denen jemand „Oh, wie cool ist das denn?!“ sagt, wenn jemand aus Hannover kommt. Ach so, der Bachelor heißt Andrej Mangold, nicht Hubert. Er kommt aus Hannover, spielte bis 2017 professionell Basketball und kam auf fünf Einsätze in der Nationalmannschaft.

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Erstellt:
4. Januar 2019, 03:12 Uhr

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