Chemie auf vier Pfoten

Wie Hunde unser Raumklima verändern

Hunde hinterlassen nicht nur Spuren auf dem Boden, sondern auch in der Luft: Sie verändern die Zusammensetzung ihrer Umgebung, von Gasen und Partikeln bis hin zu Mikroorganismen.

 

© Imago/Zoonar

 

Von Markus Brauer

Unsichtbar und doch allgegenwärtig ist die Luft, die wir in Innenräumen atmen. Sie prägt maßgeblich unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden, denn sie ist weit mehr als gefilterte Außenluft.

Chemische Identität von Raumluft

 Raumluft hat ihre eigene chemische Identität, die sich aus einer einzigartigen Kombination aus Partikeln, Gasen und Mikroorganismen zusammensetzt. Welche Bestandteile dominieren, hängt selbst in gut gelüfteten Räumen davon ab, wer sich dort aufhält, was getan wird und welche Gegenstände vorhanden sind.

Da die Einflüsse auf Raumluft vielfältig sind, kann die Konzentration mancher Schadstoffe genauso hoch oder sogar höher sein als im Freien, insbesondere bei alltäglichen Aktivitäten wie Kochen oder Putzen.

Einfluss von Hunden auf Luftqualität in Räumen

Während der menschliche Einfluss auf die Luftqualität längst erforscht ist, hat sich bisher noch niemand näher mit der Rolle von Hunden befasst. Dabei gehören die Vierbeiner längst zum Alltag: Rund 10,5 Millionen leben in deutschen Haushalten.

Diese Forschungslücke schließt nun eine Studie unter der Leitung der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL). Maßgeblich beteiligt war das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, das seine langjährige Expertise zur Atmosphärenchemie in die internationale Zusammenarbeit mit der EPFL, dem Finnischen Institut für Gesundheit und Soziales sowie der Technischen Universität Dänemark einbrachte.

In der im Fachjournal „Environmental Science & Technology“ veröffentlichten Studie haben Forscher untersucht, welche Gase, Partikel und Mikroorganismen Hunde an ihre Umgebung abgeben. „Wir wollten wissenschaftliche Klarheit über Faktoren schaffen, die bisher nicht vollständig verstanden waren“, sagt Dusan Licina.

Mensch und Hund in geschlossenen Räumen

Die Ergebnisse lieferten erstmals quantitative Emissionsfaktoren, mit denen sich Modelle zur Innenraum-Luftqualität präzisieren ließen. Forscher könnten so künftig realistischer simulieren, wie sich das Zusammenleben von Menschen und Haustieren auf die Luft in geschlossenen Räumen auswirkt.

Licina: „Das ist ein wichtiger Schritt, um Quellen der Luftverschmutzung besser zu verstehen und das Wohnumfeld gesünder zu gestalten.“

Wie stark die Luft in Innenräumen belastet ist, lässt sich an bestimmten Schlüsselindikatoren ablesen. Wir Menschen selbst tragen erheblich dazu bei: Wir geben Hautzellen, Kleidungsfasern und Mikroorganismen an die Umgebung ab. Unsere Atmung reichert die Luft mit CO2 an.

Über unsere Haut entweichen Spuren von Ammoniak und flüchtigen organischen Verbindungen. Hinzu kommen komplexe chemische Prozesse, beispielsweise wenn Luftmoleküle mit der Haut reagieren und sich dabei in neue Substanzen verwandeln.

Ähnlicher CO2-Ausstoß bei Menschen und Hunden

Um den Einfluss von Hunden auf die Luft, die wir in Innenräumen atmen, zu bestimmen, untersuchte das Forscherteam dieselben Faktoren wie bei Menschen. Hunde stoßen demnach ähnlich viel CO2 aus wie Menschen. Ein großer Hund, wie ein Mastiff oder ein Neufundländer, kann genauso viel CO2 produzieren wie ein erwachsener Mensch in Ruhe.

Auch Ammoniak, bekannt für seinen stechenden Geruch und seine reizende Wirkung, gehört zu den typischen Nebenprodukten von Menschen und Tieren. Es wird bei der Verdauung von Proteinen in geringen Mengen gebildet, kann über Haut oder Atem freigesetzt werden und reagiert in der Luft weiter zu neuen chemischen Verbindungen.

Hunde produzieren mehr Ammoniak

In puncto abgegebener Menge ähneln sich Hunde und ihre Besitzer ebenfalls. Mit einem Unterschied: „Ein Hund, der die gleiche Menge CO₂ ausatmet wie ein Mensch, produziert deutlich mehr Ammoniak. Das liegt wahrscheinlich an der proteinreicheren Ernährung, dem speziellen Stoffwechsel und der schnellen Atmung, über die Hunde ihre Körpertemperatur regulieren“, erklärt der Umweltingenieur Licina.

Da Hunde einen Großteil des Tages schlafend verbringen und dabei langsamer oder unregelmäßig atmen, gleicht sich die Gesamtmenge über den Tag betrachtet aber in etwa der des Menschen an.

Hundehaare, Staub, Partikel-Wolken

Wenn es um Luftschadstoffe geht, hinterlassen Hunde vor allem winzige feste und flüssige Partikel in der Raumluft. Welcher Hundebesitzer hat sich nicht schon einmal gefragt, was sein Vierbeiner vom Gassigehen alles im Fell mit nach Hause bringt?

Die Studie liefert darauf nun eine konkrete Antwort. Wenn Hunde sich schütteln, kratzen oder einfach nur gestreichelt werden, setzen sie beträchtliche Mengen relativ großer Partikel frei: Staub, Pollen, Pflanzenreste und Mikroben.

Jedes Mal, wenn sich die Hunde in der Versuchskammer bewegten, registrierten die Sensoren regelrechte Wolken aus Innenraum-Verschmutzung. Die großen Hunde gaben dabei zwei- bis viermal mehr Mikroorganismen ab als die Menschen im selben Raum.

Viele dieser Partikel leuchten schwach, wenn sie mit ultraviolettem Licht bestrahlt werden und verraten so ihren biologischen Ursprung. „Diese hohe mikrobielle Vielfalt ist nicht unbedingt eine schlechte Nachricht”, erläutert Licina. Mithilfe der Messungen könnte man zudem quantifizieren, wie Haustiere als mobile Träger fungierten. „Sie bringen biologisches Material in Innenräume und verteilen es durch alltägliche Aktivitäten weiter.“

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Erstellt:
18. März 2026, 13:04 Uhr

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