Deutscher Wetterdienst

Wie KI die Wettervorhersage besser machen soll

Der Deutsche Wetterdienst arbeitet ab sofort mit Künstlicher Intelligenz. Wie funktioniert das und was sind die Vorteile?

Der DWD nutzt jetzt KI für seine Vorhersagen (Symbolbild).

© imago images/Future Image/Christoph Hardt

Der DWD nutzt jetzt KI für seine Vorhersagen (Symbolbild).

Von red/dpa

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) nutzt jetzt Künstliche Intelligenz (KI) für seine Vorhersagen. Wie funktioniert das und was sind die Vorteile? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist neu?

„Nach 60 Jahren numerischer Vorhersage haben wir jetzt KI“, sagt der Leiter des Referats Entwicklung, Roland Potthast. Die klassische Wettervorhersage basiert auf physikalischen Modellen, also Gleichungen. Sie zu berechnen dauert - KI ist wesentlich schneller. Berechnet wird mit KI vor allem die Vorhersage für Temperatur, Wind und Niederschlag der nächsten drei bis vier Tage. 

Wie genau funktioniert das?

Das neue KI-gestützte Wettervorhersagemodell heißt AICON. Es wurde zwei Jahre lang in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern entwickelt. Seit einem halben Jahr läuft das KI-Modell parallel zu den klassischen Vorhersagemodellen, um seine Qualität zu überprüfen. Trainiert wurde es mit Wetterdaten der vergangenen 15 Jahre. 

Was kostet das?

Laut DWD sind bisher keine Mehrkosten entstanden, AICON sei aus den Ressourcen des DWD entwickelt worden. Acht neue Stellen wurden dafür geschaffen. Der Energieaufwand für die Vorhersage sei sogar geringer als bei physikalischen Modellen, sagt der für das KI-Modell zuständige Referatsleiter, Jan Keller. Das Training verbrauche allerdings mehr Energie. In der Summe gleiche sich das aus.

Was ist der Vorteil? 

AICON liefert Prognosen im Drei-Stunden-Takt. Das ist doppelt so häufig wie bisher.„Die Vorhersagen werden dadurch schneller und präziser“, fasst Keller zusammen. Wichtig ist das besonders für den Katastrophenschutz, wie Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) ergänzte, der in Offenbach das neue System in Betrieb nahm. „AICON schafft zum Beispiel bei Unwettern oder Starkregen wertvolle Zeit für Schutzmaßnahmen.“ 

Wie wurde die KI trainiert?

„Entscheidend für die Qualität von KI-Verfahren sind die Daten, auf denen sie trainiert werden“, sagt DWD-Präsidentin Sarah C. Jones. Der Minister betont die Unabhängigkeit des Modells: AICON arbeite „mit eigenen Datensätzen, eigenem Kapital und eigenem Personal“.

Täglich gehen rund acht Terabyte an Beobachtungsdaten in Offenbach ein. Im vergangenen Jahr wurden rund 400.000 Modellvorhersagen und Entwicklungsläufe berechnet und automatisch etwa 100 Millionen Karten und Grafiken produziert - Tendenz steigend.

Macht KI den Menschen überflüssig?

Nein, sagt Renate Hagedorn, die Leiterin des Geschäftsbereiches Wettervorhersage: „In kritischen Situationen bleibt die Beratung durch Menschen entscheidend.

Was kommt als Nächstes?

2027 soll der DWD einen neuen Großrechner bekommen, wie Schnieder ankündigte. „Das wird die Vorhersage noch mal verbessern.“ Im KI-Zentrum arbeiten die Expertinnen und Experten des DWD derzeit an Versionen, die noch regionaler und noch höher auflösend sind. Ein Beispiel: KI-gestützte Vorhersagen für die Temperatur des Straßenbelags.

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Erstellt:
2. März 2026, 16:50 Uhr

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