Steigende Spritpreise
Wie teuer kann Benzin noch werden?
Die Benzinpreise steigen und steigen. E5 kostet aktuell in Bundesdurchschnitt satte 2,13 Euro. Aber wie hoch können die Preise noch steigen?
© Axel Bueckert / Shutterstock.com
Die Diskussion um steigende Spritpreise spitzt sich zu: Warum die Kosten trotz sinkendem Rohölpreis hoch bleiben und wie weit die Preise noch steigen könnten.
Von Matthias Kemter
Die Spritpreise sorgen weiterhin für Diskussionen. Aktuell ist der Rohölpreis zwar auf rund 90 US-Dollar pro Barrel gefallen, aber die Spitze zum Wochenbeginn von über 110 Dollar zeigt, dass der Ölpreis sehr schnell steigen kann. Es sind aktuell einzelne Nachrichten, welche die Preise von einem Tag auf den anderen treiben. Die jüngste Spitze wurde ausgelöst durch die Nachricht, dass einzelne OPEC-Länder ihre Fördermengen aufgrund von Lagerauslastungen durch stockenden Transport reduzieren müssen. Der letzte Preisrückgang folgte dann nach den Aussagen Donald Trumps, dass er den Iran-Krieg als "so gut wie beendet" sieht, was von vielen Seiten allerdings skeptisch gesehen wird.
Wie hoch können die Spritpreise steigen?
Laut dem Tankstellen-Interessenverband (TIV) geben Mineralölkonzerne diese Kostensteigerungen schnell an die Verbraucher weiter. Sprecher Herbert Rabl erklärte, dass er Preise von 2,50 Euro pro Liter oder sogar darüber hinaus für durchaus denkbar hält. Mit einem Blick auf den historischen Rohölpreis macht die Marke von 2,50 Euro als Höchstpreis auch rechnerisch Sinn. Aktuell liegt der bundesweite Durchschnittspreis für Super-E5-Benzin bei 2,13 Euro.
Da der Spritpreis weiter gestiegen ist, aber der Rohölpreis seit gestern wieder um satte 18 Prozent gefallen ist, liegt es nahe, dass der Kraftstoffpreis von den Mineralölkonzernen noch auf Basis des Barrel-Preises von über 100 Dollar berechnet wird. Das Allzeithoch im Brent-Öl-Chart liegt bei etwa 145 Dollar während der Finanzkrise Mitte 2008. Die zweithöchste Spitze liegt bei 120 Dollar zur Energiekrise kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine Mitte 2022. Diese beiden Bereiche dürften an den Märkten eine teure, aber dafür krisenerprobte Resonanzzone darstellen, die auch bei Ölknappheit schwer zu durchbrechen sein dürfte.
Die Rolle der Tankstellenbetreiber
Während die Verbraucher unter den steigenden Preisen leiden, profitieren die Tankstellenpächter kaum davon. Sie erhalten lediglich ein bis zwei Cent Provision pro verkauftem Liter Kraftstoff. Gleichzeitig müssen sie den Ärger der Kunden auffangen, was das Geschäft zusätzlich belastet. Auch die angeschlossenen Shops, die oft 60 Prozent der Einnahmen ausmachen, leiden unter den hohen Preisen, da Kunden weniger Geld für andere Produkte ausgeben.
Deutschland im europäischen Vergleich
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die Kraftstoffpreise in Deutschland besonders stark gestiegen. Der TIV vermutet, dass Mineralölkonzerne hierzulande testen, wie weit sie die Preise anheben können, ohne die Nachfrage zu stark zu beeinträchtigen. In Österreich beispielsweise liegt der Preis pro Liter aktuell bei etwa 1,70 Euro. Dort gibt es eine gesetzliche Regelung, die Preiserhöhungen auf einmal täglich begrenzt, während Preissenkungen jederzeit möglich sind.
Forderungen nach Regulierung
Angesichts der hohen Preise fordert der TIV eine stärkere Regulierung nach österreichischem Vorbild. Eine solche Maßnahme könnte die Preisgestaltung transparenter machen und die Verbraucher entlasten. Die Bundesregierung hat bereits reagiert und das Bundeskartellamt mit der Untersuchung der Preisentwicklung beauftragt. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche erklärte, dass geprüft werden soll, ob Unternehmen die aktuelle Marktlage ausnutzen, um überhöhte Preise zu verlangen.
