Landtagswahl in Baden-Württemberg

Wie viel Einfluss haben die Erstwähler?

Rund 650 000 Erstwähler dürfen am 8. März über den neuen Landtag abstimmen. Ihre Vorlieben und die Zunahme der Wechselwähler mischen die Karten neu.

Tobias Vogt,  Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg, stellt die Wahlplakate seiner Partei vor. Bei den Jungwählern hat die CDU zurzeit nur wenig Rückhalt.

© Bernd Weißbrod/dpa

Tobias Vogt, Generalsekretär der CDU Baden-Württemberg, stellt die Wahlplakate seiner Partei vor. Bei den Jungwählern hat die CDU zurzeit nur wenig Rückhalt.

Von Rainer Pörtner

Deutschland ergraut, die Gesellschaft wird immer älter. Werden deshalb die über 60-Jährigen alle Wahlen entscheiden, weil sie nicht nur einen wachsenden Anteil der Wahlberechtigten stellen, sondern tendenziell auch häufiger wählen gehen als die Jüngeren? Und ist das dann automatisch ein Vorteil für konservative Parteien, weil Ältere konservativ sind?

Ganz so einfach ist es nicht. Vor allem nicht in Baden-Württemberg.

Insgesamt 7,7 Millionen Bürgerinnen und Bürger im Südwesten dürfen am 8. März ihre Stimme abgeben. So viele wie noch nie. Weil die letzte Landtagswahl fünf Jahre zurückliegt und durch die Änderung des Wahlrechts erstmals die 16- und 17-Jährigen mitstimmen dürfen, rechnet das Statistische Landesamt mit rund 650 000 Erstwahlberechtigten zwischen 16 und 22 Jahren. Das entspricht 8,4 Prozent aller Wahlberechtigten, ein ganz ordentliches Stimmenpotenzial.

Welche Parteien bevorzugen die jüngeren Wähler?

Im Vergleich zu bisherigen Wahlen kann also das Gewicht der Jüngeren diesmal deutlich stärker sein, wenn sie denn ihre Wahlzettel ausfüllen und abgeben. Und wem geben sie ihre Stimme? Bei der baden-württembergischen Landtagswahl 2021 schnitten die Parteien sehr unterschiedlich in den verschiedenen Altersgruppen ab. Die Grünen, die auf Platz Eins landeten, verzeichneten zum Beispiel in der Gruppe der über 70-Jährigen deutliche Stimmengewinne, insgesamt erreichten sie in der Gruppe der 60-bis 69-Jährigen ihre besten Ergebnisse.

Die zweitplatzierte CDU hatte den größten Erfolg bei den Wählerinnen und Wählern über 70 und verbuchte die größten Verluste bei den 18- bis 24-Jährigen. Das grün-schwarze Regierungsbündnis war also stark von älteren Wählern getragen. Bemerkenswert war das Abschneiden der kleineren Parteien bei den Jüngeren. Die SPD hatte bei den 18- bis 24-Jährigen ihre größten Verluste, für die AfD wurden in dieser Altersgruppe die niedrigsten Werte der Partei registriert. In der Landtagswahl 2021 war dagegen die FDP außergewöhnlich attraktiv für jüngere Leute: sie holte in dieser Altersgruppe mit 14,8 Prozent ihr bestes Ergebnis. Es lag 4,3 Prozentpunkte über dem Gesamtergebnis der Liberalen.

Bei der Wahl 2021 war die FDP bei Jüngeren erfolgreich

Einen Automatismus, dass sich die Geschehnisse des Wahljahres 2021 wiederholen, gibt es nicht. Im Gegenteil. Es wächst die Zahl der Wechselwähler – also jener Bürger, die nicht immer für die selbe Partei stimmen, sondern munter durchwechseln. Zudem wandeln sich die Parteivorlieben der Jüngeren, wie eine aktuelle Umfrage nahelegt.

Im neuen BWTrend, der Umfrage von Infratest dimap im Auftrag von Stuttgarter Zeitung und SWR, wurde zum Beispiel gefragt, welcher Partei am ehesten zugetraut wird, die wichtigsten Aufgaben in Baden-Württemberg zu lösen. Bei den Antworten gab es deutliche Unterschiede bei Alt und Jung.

Es zeigte sich, dass bei Grünen, CDU und SPD die über 65-Jährigen jeweils das größte Zutrauen haben. Sehr stark fiel die Spreizung Jung-Alt bei den Christdemokraten aus: Während 37 Prozent der über 65-Jährigen bei dieser Frage die CDU nannten, waren es unter den 16- bis 34-Jährigen nur 12 Prozent – ein gewaltiger Unterschied. Genau umgekehrt ist die Situation bei den Parteien an den politischen Rändern. Die AfD und die Linke schneiden zurzeit bei den Jüngeren ausgesprochen gut ab. Bei der AfD ist die Relation der jüngsten zur ältesten Wählergruppe 20 zu 7, bei der Linkspartei 12 zu 2.

Nimmt man diese Vertrauensfrage, die keineswegs identisch ist mit dem tatsächlichen Wahlverhalten, einmal als Maßstab, dann ist die AfD bei den jüngsten Wählerinnen und Wählern derzeit auf Platz Eins vor Grünen, CDU und Linkspartei. Bei den Ältesten liegt dagegen die CDU mit sehr großem Abstand vorn, deutlich vor den Grünen und ganz, ganz weit vor den anderen Parteien.

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Erstellt:
30. Januar 2026, 11:42 Uhr

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