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Wiederansiedlung des Waldrapps geht nach Zwangspause weiter

dpa/lsw Überlingen. Seit 2017 versucht ein Projekt, die seltene Vogelart des Waldrapps auch am Bodensee wieder heimisch zu machen. Coronabedingt mussten die Mithelfer pausieren - das nutzten sie für ein ungeplantes Experiment.

Ein junger Waldrapp sitzt auf einer Wiese. Foto: Felix Kästle/dpa/Archivbild

Ein junger Waldrapp sitzt auf einer Wiese. Foto: Felix Kästle/dpa/Archivbild

Nach einer coronabedingten Zwangspause läuft die Wiederansiedlung der seltenen Vogelart Waldrapp am Bodensee wieder an - wenn auch anders als geplant. In die Brutkolonie in Überlingen seien mehrere Tiere aus dem Winterquartier zurückgekehrt, sagte Projektleiter Johannes Fritz. Brutpaare werde es dennoch nicht geben, da dafür die nötige Infrastruktur fehle. Denn eigentlich werden die jungen Waldrappe in den ersten Jahren vorübergehend in Volieren eingeschlossen, bis sie das Gelände von sich aus als Brutstätte annehmen. „Das konnten wir wegen Corona aber nicht fertigstellen.“

In den beiden anderen Brutgebieten im bayrischen Burghausen und bei Salzburg gebe es dagegen neun Brutpaare. „Wir rechnen mit mehr als 30 Jungvögeln“, sagte Fritz.

Die gänsegroßen Waldrappe lebten bis ins 17. Jahrhundert im Alpen- und Mittelmeerraum, unter anderem auch an Felswänden in Überlingen. Dann wurden ihnen Vogeljäger zum Verhängnis. Heute sind die Zugvögel in freier Wildbahn praktisch ausgestorben.

Im Frühjahr 2017 hatten Mitarbeiter des Waldrapp-Projekts etwa 30 Jungvögel in eine Art Trainingscamp nach Überlingen gebracht. Im darauffolgenden Sommer wurden die Zugvögel mit einem Leichtflugzeug und Gleitschirm über die Alpen in ihr Winterquartier, die Toskana, geführt. Aufgrund der Corona-Krise sei diese menschengeführte Migration aber erst im kommenden Jahr wieder möglich, sagte Fritz. Das Team nutze die Zwangspause stattdessen, um zu beobachten, wie die Vögel ohne Hilfe zurecht kämen. „Und die Bilanz ist durchaus gut.“

Für die kommenden Jahre sei es aber wichtig, die Kolonien weiter aufzubauen. Noch übersteige der Nachwuchs die Verluste nicht. „Dafür brauchen wir noch weitere Ansiedlungen.“ Um die Finanzierung des Projektes langfristig zu sichern, bemüht sich das Team weiterhin um EU-Zuschüsse. Nach zwei erfolglosen Anträgen gebe es nun den dritten Anlauf, sagte Fritz. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, werde der Tiergarten Schönbrunn das Projekt künftig leiten - und nicht mehr wie bisher ein privater Verein.

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Erstellt:
5. Juli 2020, 09:17 Uhr

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