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Wilhelmstraße: Verkehr wird neu geregelt

Künftig sollen die Busse aus Aspach die Passagiere wieder näher an die Innenstadt heranbringen. Dazu wird die Einbahnregelung in der Wilhelmstraße aufgehoben und die Geschwindigkeit auf Tempo 30 reduziert. Einige Anlieger haben Bedenken.

Derzeit müssen die Fahrzeuge die Wilhelmstraße in beiden Fahrtrichtungen nutzen, weil die Gerberstraße gesperrt ist. Künftig jedoch soll dies der Dauerzustand sein. Nicht allen gefällt das. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Derzeit müssen die Fahrzeuge die Wilhelmstraße in beiden Fahrtrichtungen nutzen, weil die Gerberstraße gesperrt ist. Künftig jedoch soll dies der Dauerzustand sein. Nicht allen gefällt das. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die Wilhelmstraße hat bisher eher nicht zu den Hauptdurchfahrtsstraßen in Backnang gezählt. Das lag vor allem an der Einbahnstraßenregelung, die verhinderte, dass Verkehrsteilnehmer von der Innenstadt über die Gerberstraße durch die Wilhelmstraße in Richtung Friedrichstraße fahren konnten. Derzeit ist es noch ruhiger in dem Gebiet, weil jetzt auch die Gerberstraße wegen der aktuellen Baumaßnahmen voll gesperrt ist. Wenn es aber nach den Plänen der Stadt geht, ändert sich die Verkehrsführung demnächst grundlegend. Dann ist in der Wilhelmstraße wieder durchweg Begegnungsverkehr erlaubt. Ob dies für alle Verkehrsteilnehmer gilt oder nur für die Busse des ÖPNV – dies steht noch nicht fest. Sicher ist nur, dass zumindest die Busse künftig in beiden Richtungen verkehren werden. Für die ÖPNV-Nutzer aus Richtung Aspach ist dies ein großer Vorteil, sie können künftig wieder deutlich näher an der Innenstadt aussteigen. Seit einigen Jahren müssen sie die Haltestelle Etzwiesenbrücke nehmen, künftig können sie in der Gerberstraße direkt neben der Aspacher Brücke aussteigen.

Der bisherige Fahrradweg fällt in der neuen 30er-Zone weg.

Des einen Freud, des andern Leid. Mehrere Anwohner jedenfalls wehren sich gegen diese Pläne. Sie befürchten ein Verkehrschaos, weil in der Wilhelmstraße mehrere Gewerbebetriebe angesiedelt sind, die ihre Ware zum Teil mittels großen Lastwagen angeliefert bekommen. Und diese Laster werden in einigen Fällen sogar auf der Straße entladen. Einer dieser Kritiker ist Siegfried Fahrbach, der Inhaber des gleichnamigen Glaserei- und Fensterbaubetriebs. Er moniert, dass die Straße zu eng sei für den Begegnungsverkehr. Zumindest würde es dann keinen Fahrradweg mehr geben. Und dies, obwohl nach Einschätzung des 80-Jährigen der Fahrradverkehr sich in den vergangenen Monaten – vielleicht auch coronabedingt – nahezu verdoppelt hat. Fahrbach weist ferner darauf hin, dass die Lastzüge, die ihm zwei- bis dreimal pro Woche Material aus ganz Europa bringen, immer größer werden. Anstelle eines 7,5-Tonners würden heute riesige Lastzüge vor seinem Betrieb mit Gabelstaplern entladen werden. Heute schon ist laut Fahrbach der Platz zu gering. Wenn zum Beispiel noch Mülleimer auf den Gehweg deponiert werden, bekommen Senioren oder Behinderte mit Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen Schwierigkeiten, durchzukommen.

Backnangs Stadtbaudezernent Stefan Setzer sieht dies anders, auch wenn er die Befürchtungen der Anlieger in Teilen nachvollziehen kann. Er gibt jedoch zu bedenken, dass das Tempolimit in der Straße auf 30 Kilometer pro Stunde herabgesetzt wird. Dann sind Radstreifen erstens nicht mehr erlaubt und zweitens „auch unnötig“. Und dann reicht der Platz in der Straße laut Setzer für zwei Fahrspuren, zwei Gehwege und sogar einen Parkstreifen mit Bäumen völlig aus. Setzer weiter: „Mit dem IBA-Projekt wird die Wilhelmstraße eine ganz andere Bedeutung bekommen. Die Straße wird für Fußgänger und Radfahrer attraktiver werden.“ Er glaubt sowieso nicht, dass sich in der Straße zwei Busse begegnen, dies werde über entsprechende Fahrpläne verhindert. Ebensowenig teilt er die Befürchtung, dass die Straße als Abkürzung missbraucht oder in ihr gerast werde. Zumal in der Gerberstraße künftig nur 20 Stundenkilometer erlaubt sind.

Bei einem Vor-Ort-Termin bei Fahrbach mit Vertretern des Rechts- und Ordnungsamts, des Stadtplanungsamts und des Tiefbauamts wurden die Einwände besprochen. Zudem läuft derzeit eine Umfrage bei den Gewerbetreibenden zum Thema Anlieferung. An welchen Wochentagen kommen die Lastwagen? Wie oft? Zu welchen Uhrzeiten? Noch hat die Stadtverwaltung nicht alle Antworten. Die Auswertung erfolgt nach der Sommerpause, dann werden diese Ergebnisse und die Planungen in den städtischen Ausschüssen beraten. Setzer betont, dass die konkrete Ausführung der Umgestaltung noch nicht beschlossen oder gar zementiert ist, darüber entscheidet der Gemeinderat im Herbst. Fakt und bereits beschlossen ist lediglich, dass die Buslinie367 künftig über die Wilhelmstraße zum ZOB fährt. Damit die Busse an der Kreuzung Friedrichstraße nach links abbiegen können, muss dort eine Ampel errichtet werden. Dies geschieht noch in diesem Jahr. Ebenso die Einrichtung des Tempolimits und die Aufhebung der Radstreifen, sodass die Busse mit der Umstellung des Fahrplans zum Jahreswechsel auf der neuen Route unterwegs sein werden.

Einer, der die Neuregelung befürwortet, ist Martin Windmüller: „Ich bin ein klarer Verfechter des Begegnungsverkehrs. Für die Buslinie aus Aspach ist es ganz wichtig, dass die Busse bis zur Gerberstraße fahren können.“ Und wenn die Straße schon für die Begegnung von zwei Bussen ausgelegt ist, dann könne die Wilhelmstraße nach Ansicht Windmüllers auch für den Individualverkehr geöffnet werden.

Die Firma Tesat wiederum äußert Bedenken. „Wir werden durch den Ausbau behindert“, klagt Facility-Manager Ulrich Bauer. Als eines von mehreren Beispielen nennt er die Befüllung des riesigen Stickstofftanks, die zwei- bis dreimal pro Woche mittels eines großen Sattelzug-Aufliegers stattfindet, „die wird wohl schwieriger werden“. Verschlechtern wird sich auch die Situation bei der Zufahrt zur Pforte. Unglücklich ist Bauer auch über den Wegfall des Radwegs, da viele Mitarbeiter von Tesat mit dem Fahrrad in den Betrieb kommen.

Riesige Laster werden mehrmals pro Woche in der Wilhelmstraße entladen. Heute schon gibt es oft Probleme. Und die könnten mit der neuen Verkehrsführung noch zunehmen. Foto: privat

Riesige Laster werden mehrmals pro Woche in der Wilhelmstraße entladen. Heute schon gibt es oft Probleme. Und die könnten mit der neuen Verkehrsführung noch zunehmen. Foto: privat

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Erstellt:
21. Juli 2020, 06:00 Uhr

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