Winzer im Südwesten erwarten Ernteausfälle

dpa/lsw Freiburg/Weinsberg. Das idyllische Bild sommerlicher Hügellandschaften mit Weinreben trügt - Winzern im Südwesten machen Wetterkapriolen schwer zu schaffen. Ein alter Werbespruch für badischen Wein hat ausgedient.

Ein kleiner Trieb wächst aus einer im Frühjahr erfrorenen Knospe. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Archivbild

Ein kleiner Trieb wächst aus einer im Frühjahr erfrorenen Knospe. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa/Archivbild

Winzer im Südwesten rechnen vor allem wegen Frostschäden und Pilzkrankheiten mit teilweise erheblichen Ernteausfällen. So sind in der Ortenau in Mittelbaden je nach Lage Einbußen von bis 40 Prozent möglich, wie das Offenburger Landratsamt der Deutschen Presse-Agentur in Freiburg sagte.

Peter Wohlfahrth, Geschäftsführer des Badischen Weinbauverbandes, sagte, es sei schwer, eine präzise Schätzung für das gesamte, sehr ausgedehnte Anbaugebiet Baden für das laufende Jahr abzugeben: „Ich denke, dass wir gegenüber 2020 einen Rückgang haben.“ Im Norden habe es kaum Frostschäden gegeben. „Im Süden gibt es - je nach Lage - frostbedingte Ausfälle von 20 bis 80 Prozent.“

„Dieses Jahr ist von enormen Niederschlagsmengen geprägt“, bilanzierte Wohlfahrth. „Wir haben mit der Peronospora-Infektion zu kämpfen, also mit dem Falschen Mehltau. Der Pilzbefall ist in diesem Jahr außergewöhnlich hoch. Im Vergleich zu anderen Jahren ist auffällig, dass nicht nur Blätter, sondern insbesondere die Trauben befallen sind.“ Die Hauptlese dürfte um den 20. September herum beginnen - damit liege das Gebiet im langjährigen Mittel.

Im Anbaugebiet Württemberg wird wegen Frostschäden im April und der feuchten Witterung mit einem Ausfall von rund 20 Prozent gerechnet. Wie der Geschäftsführer des Weinbauverbands Württemberg, Hermann Morast, in Weinsberg erklärte, könnte es in einigen, besonders betroffenen Lagen sogar Totalausfälle geben. „Die Witterung bis zur Traubenernte entscheidet letztlich über die finale Erntemenge und die Qualitäten des Jahrgangs“, so Morast.

Agrarminister Peter Hauk (CDU) sagte, nicht zuletzt die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass die Landwirtschaft und der Weinbau in besonderem Maße den Risiken des Klimawandels ausgesetzt seien. „Hierfür ist es erforderlich, neben technischen Maßnahmen, wie Frostschutzberegnung oder Hagelnetze, auch die finanzielle Absicherung im Krisenfall in den Betrieben voranzubringen.“ Staatlich gestützte Versicherungslösungen seien in diesem Zusammenhang eine besonders geeignete Maßnahme.

Baden und Württemberg sind wichtige Anbaugebiete in Deutschland. Bezogen auf die Rebfläche liegen sie nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hinter Rheinhessen und der Pfalz auf Platz drei beziehungsweise vier.

Der Traditions-Werbespruch „Von der Sonne verwöhnt“ hat für Badens Wein inzwischen ausgedient. Die neue Dachmarke heiße „Baden - der Garten Deutschlands“, sagte Vize-Verbandsgeschäftsführer Holger Klein. Dieser Marke könnten sich dann andere Branchen anschließen. Wohlfahrth ergänzte, das Bild der Sonne habe sich wegen Auswirkungen des Klimawandels inzwischen auch verändert.

„Das Bild des Gartens schien uns geeignet, da Baden landschaftlich wie ein Garten ist“, sagte Klein. Es spiegele zudem die Vielfalt des Anbaugebiets wieder. Dieses ist über 400 Kilometer lang und erstreckt sich von Tauberfranken im Norden über die Ortenau, den Kaiserstuhl und das Markgräflerland bis hin zum Bodensee. Wichtige Traubensorten sind der Spätburgunder (Pinot Noir), Grauburgunder oder Müller-Thurgau.

© dpa-infocom, dpa:210815-99-847274/3

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Erstellt:
15. August 2021, 10:38 Uhr

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