Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

„Wir stehen für Klimaschutz“

Die Energiegemeinschaft Weissacher Tal will weiter wachsen und damit ihren Bestand nachhaltig sichern. Neue Projekte wurden aus der Taufe gehoben, laufende werden vorangetrieben. Nahwärmekonzepte bringen einen Investitionsschub.

Inspizierten im März gemeinsam die Wärmeleitungen an der Energiezentrale in der Fuchsklinge (von links): Matthias Spinnler, Marc Goller, Ian Schölzel und Reinhard Knüdeler. Foto: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Inspizierten im März gemeinsam die Wärmeleitungen an der Energiezentrale in der Fuchsklinge (von links): Matthias Spinnler, Marc Goller, Ian Schölzel und Reinhard Knüdeler. Foto: J. Fiedler

Von Armin Fechter

WEISSACH IM TAL. Die Energiegemeinschaft Weissacher Tal ist ein Kind der Gemeinde. Bürgermeister Ian Schölzel unterstreicht dies immer wieder: „Wir haben sie aus der Taufe gehoben“, erinnert er an das Jahr 2008, als die Genossenschaft gegründet wurde. Das Kind ist mittlerweile freilich groß geworden, es hat über die Jahre eine Größe erreicht, bei der die ehrenamtlich tätigen Kräfte an ihre Grenzen stoßen, wie die Vorstände Reinhard Knüdeler und Matthias Spinnler deutlich machen.

Deshalb wurde, wie sie vor den Gemeinderäten im Verwaltungs- und Umweltausschuss berichteten, in einem ersten Schritt eine 450-Euro-Kraft angestellt. Die Perspektive geht jedoch noch weiter: Angestrebt wird, weitere Projekte zu gewinnen und damit eine Größe zu erreichen, die eine Beschäftigung bezahlten Personals ermöglicht und den Bestand der Genossenschaft nachhaltig sichert.

Erklärtes Ziel der Energiegemeinschaft ist es, so formuliert es Knüdeler, die Energiewende voranzutreiben und die Gemeinden in ihrem Bestreben nach CO2-Neutralität zu unterstützen. „Wir stehen für Klimaschutz“, erklärt auch Spinnler. Die Genossenschaft hat dabei bereits unterschiedliche Phasen durchgemacht, wie Knüdeler sagt. Nachdem in den ersten Jahren mehrere öffentliche Gebäude mit Fotovoltaik bestückt wurden, folgte von 2011 bis 2013 ein Zeitraum, der von einem Aufnahmestopp für weitere Mitglieder geprägt war und in dem die Investitionstätigkeit zum Erliegen kam. 2014 begann eine neue Investitionsphase, nun engagierte sich die Energiegemeinschaft auch, um Anlagen auf Dächern von Firmen, etwa der Talbau, zu installieren. Ein weiterer Investitionsschub kam 2019, als Nahwärmekonzepte entwickelt wurden. Ein erstes Nahwärmenetz konnte auf dem Rombold-Areal, im Bereich der Aspa-Mehrfamilienhäuser, in Betrieb genommen werden.

Energiezentrale in der Fuchsklinge liefert Strom und Wärme.

Auch in der angrenzenden Fuchsklinge sind zuletzt große Schritte getan worden. Im März wurden die Elemente für die neue Energiezentrale geliefert und montiert. „Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und bei strömendem Regen“, so berichten die Vorstände, „ließen sich Kranführer, Baufirmen, Montagetrupps und Transporteure nicht davon abhalten, die Bauteile pünktlich zu liefern und präzise zu platzieren.“

Mit der Energiezentrale wurde das erste Gebäude im Baugebiet errichtet und damit ein Meilenstein für das Nahwärme- und Stromnetz gesetzt. Die Versorgung des Gebiets war somit beizeiten gesichert. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Bürgermeister Schölzel, und die beiden Vorstände verfolgten die Arbeiten und ließen sich von den Spezialisten vor Ort die Details erklären. Der Bau enthält die Stromverteiler, ein mit Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk und einen Heizkessel; von dort werden Strom und Wärme für die Fuchsklinge geliefert.

Gleichzeitig treibt die Energiegemeinschaft weitere Nahwärmeprojekte voran: Hauäcker in Hohnweiler, Käsbühl in Heutensbach, Sandberg II in Unterweissach oder auch Staigacker in Backnang. Voran geht es überdies mit Fotovoltaikanlagen. An mehreren Orten wurden Vorhaben realisiert, unter anderem im Bereich Pfarräcker in Waiblingen-Neustadt. Dort wurde ein Gebäude der Kreisbau mit 43 Wohneinheiten bestückt. Zudem ist derzeit eine ganze Reihe von Anlagen im Bau oder in Planung. In Betracht gezogen wurde auch die Errichtung einer Freiflächenanlage, solche Projekte unterliegen aber laut Schölzel hohen rechtlichen Hürden. Daneben gibt es auch noch eine Beteiligung an einem Windkraftprojekt im Schwarzwald, ein eigenes Vorhaben ist bislang nicht zustande gekommen. „Mit Windkraft wären wir schon weiter“, sagt Knüdeler und meint damit die wirtschaftliche Entwicklung der Genossenschaft und damit die angestrebte Professionalisierung. Die Energiegemeinschaft sei zwar, so der Bürgermeister, „flügge geworden“, doch bei der Akquise bedürfe sie weiterhin der Unterstützung durch die Gemeinde.

Mitglieder und Finanzen

Die Energiegemeinschaft Weissacher Tal eG hatte Ende 2019 insgesamt 357 Mitglieder, 27 mehr als ein Jahr davor.

Das Geschäftsguthaben ist von 755000 Euro Ende 2018 auf 1001000 Euro gestiegen. Die Steigerung geht auf Neumitglieder (rund 75000 Euro) und auf die Erhöhung der Geschäftsguthaben von Altmitgliedern (172000 Euro) zurück.

Gleichzeitig hat sich die Bilanzsumme der Energiegemeinschaft Weissacher Tal um 897000 Euro von 1048000 auf 1945000 Euro und das Eigenkapital von 955000 auf 1209000 Euro erhöht. Der Anstieg der Bilanzsumme geht zum Teil auf die Mitgliederdarlehen zurück, die Mitglieder für konkrete Vorhaben, zum Beispiel die Nahwärme im Gebiet Fuchsklinge, bei der Energiegemeinschaft zeichnen konnten. Insgesamt wurden rund 500000 Euro Mitgliederdarlehen mit unterschiedlichen Laufzeiten und einem Zinssatz von 1,5 Prozent gewährt. Damit wurden neue Wege in der Finanzierung der Vorhaben beschritten.

Der Umsatz ist von 175000 Euro auf 252000 Euro (plus 44 Prozent) gestiegen, vor allem durch die Nahwärmeprojekte.

Die Zahl der Stromkunden ist von rund 300 auf rund 420 gestiegen. Davon entfallen über 100 auf das Rombold-Areal.

Zum Artikel

Erstellt:
13. Mai 2020, 16:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Entscheidend für den Preis einer Immobilie ist vor allem die Lage. Wo in Backnang die besten Wohnlagen sind, zeigt diese Karte aus dem Wohnmarktbericht Rems-Murr. Karte: iib Institut Dr. Hettenbach, Schwetzingen
Top

Stadt & Kreis

Keine Schnäppchen am Wohnungsmarkt

Der Wohnmarktbericht der Volksbank Stuttgart zeigt: Auch Corona hat die hohe Nachfrage nach Immobilien nicht gebremst. Trotzdem werden die Preise wohl nicht mehr so stark steigen wie in den vergangenen Jahren.