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„Wir wollen zeigen, dass es uns ernst ist“

Statt Demonstration: Backnanger Aktivisten der „Fridays for Future“-Bewegung sammeln Müll im Plattenwald

Es ist Freitag. Es sind Sommerferien. Es ist 14.30 Uhr. Und sie sind trotzdem unterwegs: Die jungen Menschen der „Fridays for Future“-Bewegung in Backnang. Gestern haben sie sich allerdings nicht in der Innenstadt getroffen, sondern am Plattenwaldspielplatz. Und dort haben sie auch nicht demonstriert, sondern Müll aufgesammelt – ganz handfest.

Auch tierische Unterstützung gibt es für die kleinen und großen Aktivisten beim Aufsammeln des Mülls.

© Alexander Becher

Auch tierische Unterstützung gibt es für die kleinen und großen Aktivisten beim Aufsammeln des Mülls.

Von Silke Latzel

BACKNANG. „Ferien sind für uns kein Grund, nicht aktiv zu sein. Wir hören relativ oft, dass wir nur demonstrieren, aber sonst nichts konkretes machen“, sagt Celine Marke von der Backnanger „Fridays for Future“-Bewegung. „Und mit dieser Aktion wollen wir zeigen, dass es uns ernst ist und dass wir aktiv die Umwelt schützen möchten.“ Die 20-Jährige und sieben weitere Mitstreiter sind gestern zum Plattenwaldspielplatz gekommen, um dort Müll zu sammeln – mit Zustimmung der Stadt Backnang. „Eigentlich wollten wir ja in den Annonaygarten und dort ein bisschen aufräumen, aber die Verwaltung meinte, wir sollen lieber hierher gehen, hier gebe es mehr Müll.“

Die Idee sei ihnen vor etwa zwei Wochen gekommen, als darüber gesprochen wurde, wie man auf eine ganz einfache Art „der Umwelt etwas zurückgeben kann. Und da keiner von uns jetzt Ökostrom oder so produzieren kann, dachten wir, dass Müllaufsammeln das Einfachste ist. Und alles ist besser, als nur zu reden und nichts zu machen“, so Marke. Müllsäcke und Handschuhe haben die Aktivisten von der Stadt gestellt bekommen. Auch die vollen Säcke werden von den Mitarbeitern des Bauhofs wieder abgeholt.

„Wir wollen niemanden an den Pranger stellen“

Ein Freitagnachmittag in den Sommerferien im Plattenwald – tendenziell ist zwar weniger los als am Wochenende, aber der Spielplatz ist trotzdem nicht leer. Mütter mit Kindern, junge Menschen, die an den Tischen sitzen und essen, eine Kindergeburtstagsgesellschaft... Sie alle beobachten die Aktivisten aus den Augenwinkeln, sprechen sie aber nicht an. Zunächst gibt es auch keine Berührungspunkte, denn die jungen Menschen entscheiden sich, erst einmal abseits des Spielplatzes in den Wald zu gehen, um dort den Müll einzusammeln. Vor allem kaputte Glasflaschen, Verpackungen, Kronkorken und Zigarettenstummel finden sie. „Pfandflaschen nicht in die Müllbeutel werfen, sondern extra sammeln“, gibt Marke an alle weiter. „Die geben wir ab, das Geld kommt dann in unsere Spendenkasse“, erklärt sie.

Später verteilen sich die jungen Menschen über den ganzen Spielplatz, einige gehen am Waldrand entlang, andere auf dem Weg, der die Fläche in der Mitte teilt. Das Dreierteam um Celine Marke ist nun im hinteren Bereich des Platzes angekommen, dort stehen Bänke und es gibt Grillmöglichkeiten. Zwei größere Gruppen sitzen dort, unter anderem ein paar Jungs, die Musik hören, essen und sich unterhalten. Um ihre Bank herum: lauter Abfall. „Nicht von uns“, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Aktivisten sammeln den Müll stumm ein, sie möchten keine Konfrontation, „das ist nicht Sinn der Sache. Und wir wollen auch niemanden an den Pranger stellen“, so Marke. Und siehe da: Der stumme Aktivismus wirkt. „Los, heb mal den Müll auf, schmeißt euer Zeug nicht einfach auf den Boden“, zischt einer der Jungs den anderen an, sie werfen ihre Verpackungen in den Sack, den Marke ihnen hinhält. „Schon ein bisschen peinlich“ ist es ihnen, dass da jetzt „andere Leute den Müll aufheben“. Ob die Reue nachhaltig anhält und etwas bewegt? Wer weiß.

Auch wenn die Zahl der Freiwilligen, die heute gekommen sind, um Müll zu sammeln, recht gering anmutet, sind die „Fridays for Future“-Aktivisten nicht frustriert. Im Gegenteil: „Klar wäre es cooler gewesen, wenn mehr Leute gekommen wären. Aber wir lassen uns nicht die Laune verderben, sondern machen unser Ding, egal wie viele dabei sind.“ Marke vertritt die Ortsgruppe Backnang auf Bundesebene der „Fridays for Future“-Bewegung und weiß, dass „die Leute wirklich hinter dem stehen, was sie fordern. Sie setzen sich – wie wir auch – in ihrer Freizeit ein und zeigen den Kritikern damit, dass ihre Argumente weder Hand noch Fuß haben.“

Der jüngste Teilnehmer an der Aktion ist erst sechs Jahre alt

Das Organisationsteam der Backnanger Gruppe umfasst zehn Personen. Nicht alle davon gehen noch zur Schule, einige sind berufstätig. „Es ist uns wichtig, dass die Menschen wissen, dass viele von uns sich für solche Aktionen oder auch für die Demos freinehmen, sich nach Feierabend noch engagieren.“ Der jüngste Teilnehmer heute ist übrigens erst 6 Jahre alt, zwei der Mädchen sind 14 und 15, die anderen aber über 18 und älter. Auch interessant ist, wie die Aktivisten eigentlich in den Plattenwald gekommen sind. Mit den SUV der Eltern, wie ihnen oft vorgeworfen wird? Mitnichten. „Zu Fuß, mit dem Bus und in einer Fahrgemeinschaft“, so die Antwort.

Papier, Folie, Tücher: Eindeutig nichts, was natürlich im Wald wächst.

© Alexander Becher

Papier, Folie, Tücher: Eindeutig nichts, was natürlich im Wald wächst.

Handschuhe und Müllsäcke wurden von der Stadtverwaltung gestellt, der Müll vom Bauhof abgeholt. Fotos: A. Becher

© Alexander Becher

Handschuhe und Müllsäcke wurden von der Stadtverwaltung gestellt, der Müll vom Bauhof abgeholt. Fotos: A. Becher

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Erstellt:
17. August 2019, 06:00 Uhr

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