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„Wird das eine unendliche Geschichte?“

Wegen fehlender Finanzierungszusage verlängert der Landkreis die Stellen für die AV-dual-Begleitung nur bis Ende August 2022

Besonders am Übergang zwischen Schule und Ausbildung leistet AV-dual viel Gutes. Symbolfoto: Stock-Adobe/Daniel Ernst

© Daniel Ernst - stock.adobe.com

Besonders am Übergang zwischen Schule und Ausbildung leistet AV-dual viel Gutes. Symbolfoto: Stock-Adobe/Daniel Ernst

Von Armin Fechter

WAIBLINGEN. Das Erfolgsmodell AVdual soll in bewährter Weise weiterleben. „Es läuft sehr gut. Wir sind der Musterlandkreis im Land“, erklärte Landrat Richard Sigel jetzt im Kreistag. Bei AVdual handelt es sich um einen speziellen Bildungsgang an den beruflichen Schulen im Kreis am Übergang zwischen Schule und Beruf. Der Kurzbegriff steht für Ausbildungsvorbereitung dual.

Der Kurs richtet sich an Schüler, die meist keinen Schulabschluss haben und besonderer Unterstützung bedürfen. Mithilfe von zahlreichen Praktika und individueller Förderung werden sie auf eine Ausbildung vorbereitet. Das „Erfolgsmodell“, das an Rems und Murr 2014 als Modellversuch eingerichtet wurde, soll nach den Worten des Landrats sogar flächendeckend in ganz Baden-Württemberg etabliert werden.

Bindeglied zwischen Schule, Betrieb und Jugendlichem

Als Bindeglied zwischen Schule, Betrieb und Jugendlichem sind an allen Schulen, die den Kurs anbieten, sogenannte AV-dual-Begleiter im Einsatz – Sozialarbeiter, die sich vor allem um die Integration der Jugendlichen in eine Anschlussperspektive kümmern. Die Erfahrungen mit dieser Begleitung werden als sehr positiv bewertet. Das Wirtschaftsministerium hat daher dem Landkreis zugesagt, die Projektförderung mindestens bis Ende August 2022 zu verlängern.

Der Haken an der Zusage ist: Sie beinhaltet eine Befristung und stellt damit keine dauerhafte Finanzierung für die Begleitung sicher. Infolgedessen will auch der Landkreis die betreffenden Sozialarbeiterstellen weiterhin befristen, nämlich bis zu dem vom Ministerium genannten Termin. Das gilt auch für die analog zu diesem Modell eingerichteten Stellen der Vabo-Begleiter, die den Teilnehmern am Bildungsgang Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen zur Seite stehen – ein Angebot vor allem für Geflüchtete und andere Zuwanderer, die mit der Sprache Probleme haben. „Die Kreisverwaltung bedauert“, so das Fazit, „dass es noch immer keine langfristige Finanzierungszusage des Landes gibt, die Entfristungen ermöglicht.“

Das rief nun aber den Fellbacher Kreisrat Ulrich Lenk (FDP/FW) auf den Plan. Der frühere Chef der kaufmännischen Schule in Waiblingen entrüstete sich: „Wir haben das Modell seit Jahren laufen. Es gibt keine Alternative.“ Dass die Stellen weiterhin befristet sein sollen, bedauerte er eindringlich: „Wir haben gute Sozialarbeiter deswegen verloren.“ Soll heißen: Etliche Kräfte, die andernorts eine unbefristete Stelle ergattern konnten, sind abgesprungen. Lenk wollte deshalb wissen, ob denn wenigstens absehbar ist, dass es eine Entscheidung vom Land in Richtung Entfristung gibt – „oder wird das eine unendliche Geschichte?“ Landrat Sigel wiederum versicherte: Stellen dauerhaft zu befristen „ist nicht unsere Arbeitsweise“. Signale vom Land gebe es zwar, aber noch keine Beschlüsse. Und solange die noch ausstehen, könne der Landkreis nicht mehr tun. Aber immerhin sei die jetzige Entscheidung des Kreistags, die Stellen bis Ende August 2022 zu verlängern, ein Signal für die Mitarbeiter, dass sie eine Perspektive haben. Der Kreistag stimmte dann der Fortführung des regionalen Übergangsmanagements – so der Fachbegriff – für die beruflichen Schulen zu.

Info

Der Personalpool in der AV-dual-Begleitung besteht derzeit aus 8,5 Vollzeitstellen. Im laufenden Schuljahr besuchen im Kreis 404 Schüler diesen Bildungsgang. Davon haben 32 Prozent, also fast ein Drittel, einen Fluchthintergrund. Der vom Land empfohlene Betreuungsschlüssel von 1:40 wird im Kreis mit 1:48 zurzeit überschritten.

Im vergangenen Jahr konnten 43 Prozent nach dem AVdual in eine betriebliche Ausbildung vermittelt werden. 20 Prozent befinden sich in einer weiterführenden Schule und streben einen mittleren Bildungsabschluss an. Über 70 Prozent der Schüler holen im AVdual ihren Hauptschulabschluss nach oder verbessern ihn. Einschließlich des AV-dual-Abschlusses liegt die Quote sogar bei 83 Prozent. 47 Prozent der Geflüchteten, die im letzten Schuljahr das AVdual abgeschlossen haben, haben im Anschluss eine Ausbildung aufgenommen.

Die Begleiter im Vabo (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen) leisten Hilfe bei der Bewältigung des neuen Lebens- und Lernumfelds. Der Anteil der Geflüchteten beträgt derzeit 54 Prozent. Nach Ende des Vabo wechseln viele Absolventen ins AVdual. Andere wiederholen das Vabo, gehen in Beschäftigung oder absolvieren die Berufsfachschule. 10 Prozent beginnen eine betriebliche oder schulische Ausbildung.

Die Personalkosten in der AV-dual-Begleitung belaufen sich jährlich auf 493000 Euro. Abzüglich der Förderung vom Land mit 255000 Euro und derzeit noch vom Europäischen Sozialfonds mit 139000 Euro bleibt ein Eigenanteil für den Kreis von 99000 Euro. Beim Vabo muss der Kreis 124000 von 174000 Euro selbst zahlen, das Übergangsmanagement (eine Stelle) macht 35000 Euro (von 70000 Euro) aus.

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Erstellt:
7. Mai 2020, 06:00 Uhr

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