Gaspreis-Schock durch Iran-Krieg
Wird Gas jetzt deutlich teurer?
Die Gasspeicher sind fast leer und der Iran-Krieg tobt weiter. Müssen sich Industrie und Verbraucher sorgen um ihre Energieversorgung machen? Die Bundesregierung wiegelt ab. Doch wie ernst ist der Lage wirklich?
© Imago/Wolfgang Maria Weber
Ein Verbraucher liest seine Gasuhr im Heizungskeller ab: Der Iran-Krieg könnte schon bald direkte und deutliche Auswirkungen auf die Gaspreise haben.
Von Markus Brauer/AFP
Der Iran-Krieg weckt Befürchtungen vor einem neuen Energiepreisschock beim Erdgas und möglichen Folgen für Wirtschaft und Privathaushalte auch in Deutschland. Was Verbraucher jetzt wissen müssen:
Wie ist die Lage an den Gasmärkten?
Die iranischen Vergeltungsschläge in der Golfregion nach den Angriffen Israels und der USA auf den Iran beeinträchtigen den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus massiv. In Katar, einem der wichtigsten Produzenten von verflüssigtem Erdgas (LNG), hat der staatliche Energiekonzern QatarEnergy die Produktion vorerst gestoppt.
Folgen hat dies auch für die Großhandelspreise an den Energiemärkten. So schnellte der niederländische TTF-Kontrakt, der als wichtigster europäischer Referenzwert gilt, deutlich in die Höhe und erreichte am Dienstag (3. März) den höchsten Stand seit Anfang 2023. Allerdings waren die Preise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 noch erheblich stärker gestiegen. Am Mittwoch (4. März) ging es beim TTF wieder leicht abwärts.
Wie geht es weiter?
Die weitere Entwicklung bleibt ungewiss. Europa ist deutlich weniger stark abhängig von LNG, das über die Straße von Hormus transportiert wird, als viele asiatische Länder. Laut Bundeswirtschaftsministerium bezieht Deutschland „kein LNG aus der Region“. Stattdessen stammen die deutschen LNG-Importe aktuell aus den USA.
Die Auswirkungen des Iran-Krieges könnten jedoch künftig die Weltmarktpreise insgesamt weiter nach oben treiben, da Abnehmerländer weltweit um die derzeit noch verfügbaren Liefermengen konkurrieren.
Das Wirtschaftsministerium in Berlin verweist darauf, dass „in Abhängigkeit von der Dauer der De-facto-Sperrung der Straße von Hormus“ von entsprechenden „Preiseffekten“ ausgegangen werden müsse. Über die künftige Preisentwicklung könne aber „nicht spekuliert werden“.
Wie sieht es mit den Speichern aus?
Zum bevorstehenden Ende der Heizsaison sind die deutschen Gasspeicher derzeit vergleichsweise leer: Aktuell liegen die Füllstände bei knapp 21 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es mehr als 30 Prozent.
Die Bundesnetzagentur erklärt, dass die Gasspeicher zwar „ein wichtiger Versorgungsbaustein, aber keineswegs allein relevant“ sind. Denn infolge der Energiepreiskrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ist auch die LNG-Infrastruktur ausgebaut worden, etwa mit schwimmenden Terminals. Generell deckt Deutschland nach Angaben des Wirtschaftsministeriums 90 Prozent des Gasbedarfs „über Pipeline, allein fast 50 Prozent aus Norwegen“.
Wie teuer wird die Neu-Befüllung der Speicher?
Dennoch könnte die nun beginnende Befüllung der Speicher für den nächsten Winter – bis Anfang November muss laut Gesetz ein Füllstand von 80 Prozent erreicht sein – im Falle anhaltender Preissteigerungen womöglich teurer werden als gedacht.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sieht darin ein Risiko: Wenn die Wiederbefüllung der Speicher nur zu erheblich höheren Kosten gelinge, drohten im kommenden Winter dauerhaft hohe Gaspreise für die Wirtschaft - mit einer Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit vieler energieintensiver Betriebe, wie DIHK-Präsident Peter Adrian in der „Rheinischen Post“ warnt.
Was heißt das für private Verbraucher?
Nach Angaben der Bundesnetzagentur wirken sich die derzeitigen Preiseffekte „bei längerfristigen Verträgen, wie private Haushalte sie haben, nicht unmittelbar aus, da sie Preisgarantien haben“. Ob und in welchem Ausmaß eine Teuerung bei den Kunden ankommt, sei „von der Länge des Konfliktes sowie den vertraglichen Regelungen abhängig“.
Das Verbraucherportal Finanztip rät, „nicht in Panik“ zu verfallen. Zuletzt seien die angebotenen Gastarife trotz der Turbulenzen an den Energiemärkten vorerst auf dem niedrigen Niveau der vergangenen Wochen geblieben.
Wenn die Preisgarantie des aktuellen Gasvertrags bereits abgelaufen sei oder in den nächsten Monaten auslaufe, könnten sich Verbraucher „schnell noch einen neuen Vertrag mit einer günstigen Preisgarantie für ein oder zwei Jahren sichern“, empfiehlt Finanztip. „Falls die Großhandelspreise anhaltend steigen, ist man dann nicht betroffen und damit auf der sicheren Seite für den nächsten Winter.“
Was können Verbraucher langfristig tun?
Langfristig lohne es sich außerdem, auf klimafreundliche Heizsysteme umzusteigen und sich so von der weltpolitischen Lage unabhängiger zu machen, rät das Verbraucherportal. Außerdem könne es helfen, den Energieverbrauch zu senken, etwa durch Dämmmaßnahmen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sieht es ebenfalls als wichtig an, Abhängigkeiten zu verringern: „Mehr Energieeffizienz, Ressourcenschutz und der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien stärken nicht nur den Klimaschutz, sondern machen uns insgesamt widerstandsfähiger gegenüber globalen Krisen“, sagt vzbv-Vorständin Ramona Pop.
