„Wohnmobilhafen bleibt im Hinterkopf“

Derzeit sind keine weiteren Stellplätze für Reisemobile in Backnang in Planung

Vor gut drei Jahren war es ein diskussionswürdiges Thema im Backnanger Gemeinderat: Man wollte mehr Wohnmobiltouristen in die Stadt locken, doch dafür hätten geeignete Stellplätze geschaffen werden müssen. Aufgrund der Kosten zog die Verwaltung damals ihren Vorschlag zurück. Obwohl der Reisemobiltourismus boomt, ist ein neuer Standort für Wohnmobile in Backnang nicht geplant, aber das Vorhaben bleibe laut dem Baudezernenten Stefan Setzer im Hinterkopf.

In der Nähe des Backnanger Wonnemars gibt es Stellplätze für Wohnmobile. Foto: J. Fiedler

In der Nähe des Backnanger Wonnemars gibt es Stellplätze für Wohnmobile. Foto: J. Fiedler

Von Yvonne Weirauch

BACKNANG. Ganz vom Tisch sei das Thema nicht, so Stefan Setzer: „Aber es steht jetzt auf der Prioritätenliste nicht ganz oben.“ Ob in der Nähe des Wonnemars ein sogenannter Wohnmobilhafen mit sieben Stellplätzen gebaut werden soll oder nicht, darüber hat man schon 2016 im Gemeinderat gesprochen. Der Verband hatte das Projekt „Wohnmobilfreundliche Region Stuttgart“ gestartet, um mehr zahlungskräftige Caravantouristen anzulocken. Murr- und Bottwartal waren die Pilotregion: An 15 Standorten sollten hier rund 70 moderne Wohnmobilstellplätze entstehen, sieben davon in Backnang. Im Gemeinderat hielt sich die Begeisterung für das Projekt in Grenzen. Für sieben Stellplätze mit Strom- und Wasseranschluss hätte die Stadt nämlich 215000 Euro bezahlen müssen, lediglich 17500 Euro hätte sie als Förderung von der Region zurückbekommen. Das war vielen Stadträten zu teuer (wir berichteten). Dass Wohnmobiltouristen eine zahlungskräftige Klientel seien, sei ein Fakt. „Allerdings müssten dafür auch die Voraussetzungen stimmen, und die haben wir derzeit nicht“, so Setzer.

Mehr als 400000 Wohnmobile sind zurzeit in Deutschland zugelassen und die Zahlen steigen seit Jahren kontinuierlich an. Ein wachsender Markt also, der auch deshalb interessant ist, weil im Führerhaus der Reisemobile in der Regel Leute sitzen, die nicht mehr ganz jung sind und ein überdurchschnittliches Einkommen haben. Untersuchungen haben gezeigt, dass Wohnmobiltouristen pro Tag zwischen 50 und 80 Euro an ihrem Urlaubsort ausgeben. An einigen Standorten in der Backnanger Umgebung finden sich auch ausgewiesene Reisemobilstellplätze, beispielsweise in Allmersbach im Tal, Aspach, Rudersberg, Welzheim oder Oberstenfeld. In Backnang gibt es zwar bereits Wohnmobilstellplätze in der Martin-Dietrich-Allee beim Wonnemar, diese Anlage erfüllt aber nicht mehr die Standards, die heute erwartet werden.

Die Stadtverwaltung sieht die Nähe zu den Murrbädern als Pluspunkt

Die Backnanger Stadtverwaltung sah die Nähe zu den Murrbädern immer als Pluspunkt, weil die Caravantouristen dort beispielsweise die Duschen mitbenutzen könnten. Aber es gibt auch eine andere Seite: Gründe für die hohen Kosten in der Martin-Dietrich-Allee waren unter anderem die Hanglage und die weite Entfernung zum bestehenden Strom- und Wassernetz. „Man muss sehr aufpassen. Wohnmobilisten schauen da sehr genau hin. Die Plätze werden dann in jeglichen Campingführern bewertet und die Urlauber richten sich danach“, so Stefan Setzer. Dass Reisemobilbegeisterte nun in Backnang „Schlange stehen würden“, nein, das kann man laut Stefan Setzer nicht behaupten. „Klar gibt es Nachfragen, und wir verweisen dann auf die Stellplätze am Wonnemar, aber diese Nachfragen sind überschaubar.“ Man wisse seitens der Verwaltung, dass Urlauber, die mit einem Wohnwagen in die Region kommen, Ansprüche haben: „Sie wollen gerne einen zentralen Stellplatz, gute Busverbindungen und beispielsweise gute Radwege, denn viele Wohnmobiltouristen haben Pedelecs dabei.“

Die Entscheidung, ob und wo ein neuer Wohnmobilhafen in Backnang gebaut wird, steht also noch aus. „Wir vergessen das Thema nicht und haben es im Hinterkopf“, so Stefan Setzer.

Zum Artikel

Erstellt:
21. August 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!
Auf der Verbindungsstraße nach Steinbach weist ein Schild darauf hin, dass hier der Geflügelpest-Sperrbezirk beginnt.Foto: A. Becher
Top

Stadt & Kreis

Restriktionen bleiben vorerst bestehen

Bislang haben die Proben des Veterinäramts zwar keine neuen Fälle der Geflügelpest offenbart. Die Allgemeinverfügung bleibt jedoch gültig, bis alle Betriebe überprüft worden sind. Manche Geflügelhalter bekommen Ausnahmegenehmigungen.

Stadt & Kreis

Die Kraft kommt von ganz innen

Gudrun Klein aus Murrhardt berichtet über ihre Krebserkrankung. Nach ihrer Diagnose und erfolgreichen Behandlung kam es nach Jahren zu erneuten Rückschlägen. Die 68-Jährige wird zurzeit am Stauferklinikum in Schwäbisch Gmünd betreut.