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„Wollen die Angst vor dem Helfen nehmen“

Das Interview: Kardiologe Thomas Eul über die Vereinsziele

Will die Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken: Thomas Eul. Foto: Klinik

© Gabriel Habermann

Will die Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken: Thomas Eul. Foto: Klinik

Von Steffen Grün

In Deutschland erleiden pro Jahr rund 220 000 Menschen einen Herzinfarkt, im Rems-Murr-Kreis sind es über 1100. Davon sterben je nach Region immer noch bis zu 30 Prozent, davon die überwiegende Zahl vor dem Eintreffen in der Klinik. Dazu kommen die Herz-Kreislauf-Stillstände. Dem entgegenzuwirken, hat sich der Verein „Gemeinsam gegen den Herzinfarkt“ auf die Fahnen geschrieben, der von Kardiologen des Landkreises gegründet wurde. Dessen Ziele erläutert der Vorsitzende Thomas Eul, außerdem äußert er sich zu den Hoffnungen, die mit Aufklärungsveranstaltungen wie am morgigen Dienstag in Backnang verbunden sind.

Den Verein „Gemeinsam gegen den Herzinfarkt“ gibt es seit Oktober 2016. Welche Erfolge im Kampf gegen den Tod durch Herzinfarkt oder Herz-Kreislauf-Stillstand wurden seitdem im Rems-Murr-Kreis erzielt?

Der erste Erfolg war die Anerkennung der Gemeinnützigkeit im Frühjahr 2017. Dann ging es richtig los: Seit der großen Auftaktveranstaltung im Mai 2017 hatten wir bis heute rund 55 Veranstaltungen, an denen deutlich mehr als 4 000 Menschen teilgenommen haben. Durch die Veranstaltungen werden die Symptome, die bei einem Herzinfarkt auftreten, durch Betroffene richtig erkannt und die Menschen melden sich schneller beim Rettungsdienst. Zudem kann der Herz-Kreislauf-Stillstand danach sicherer erkannt werden und Ersthelfer sind viel häufiger bereit, zu helfen. Dies hatte zur Folge, dass die Zahl der durch Laien begonnenen Wiederbelebungen im Kreis schon nach einem Jahr ganz erheblich gestiegen ist – und das rettet Leben! Übrigens: Herzinfarkt und Herz-Kreislauf-Stillstand sind nicht dasselbe.

Welche Rückschläge mussten Sie hinnehmen?

Rückschläge gab’s glücklicherweise keine. Allerdings mussten die Kardiologen des Vereins feststellen, dass es gar nicht so leicht ist, alle Menschen im Landkreis zu erreichen. Da wir ständig mehr Unterstützung bekommen – wie aktuell mit der Veranstaltung am Dienstag mit dem Sportkreis Rems-Murr – und weil die Kernaussagen unserer Vorträge über die Medien weitergetragen werden, sind wir auf einem sehr guten Weg.

Was sind die Nah- und Fernziele des Vereins?

Wir wollen im Rems-Murr-Kreis so viele Menschen wie möglich über Herzkreislauferkrankungen, Risikofaktoren und Prävention informieren und in der richtig durchgeführten Wiederbelebung und der Verwendung des Defibrillators ausbilden. Dabei scheint es das Wichtigste zu sein, Angst vor dem Helfen zu nehmen, denn das trauen wir schon Jugendlichen zu. Weitere konkrete Ziele sind die Verkürzung der Zeit vom Beginn der Symptome bis zum Anruf bei der Rettungsleitstelle unter 112 sowie deutliche Steigerungen beim Start der Reanimation durch Laien und Ersthelfer und bei der Defi-Verwendung durch Laien vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes. Für Letzteres hat das DRK Rems-Murr ein Netzwerk gegründet, in dem alle gemeldeten Defis der Leitstelle in einer Karte mit genauem Standort zur Verfügung stehen – ein einzigartiges Projekt.

Was erhoffen Sie sich von Veranstaltungen jener Art wie am Dienstag in Backnang?

Das Wichtigste ist, dass die Anwesenden die Kernaussagen mit nach Hause nehmen und im Fall der Fälle richtig handeln. Und zudem bleibt die stille Hoffnung, dass die Menschen für Ihre Gesundheit aktiv werden, sich sportlich betätigen, nicht mehr rauchen und an den Vorsorgeuntersuchungen der Hausärzte teilnehmen, ehe sie ernsthaft erkranken.

Info
Morgen im Bürgerhaus

Der Sportkreis Rems-Murr lädt mit dem Verein „Gemeinsam gegen den Herzinfarkt“ morgen (19 Uhr) zur Veranstaltung in den Fritz-Schweizer-Saal des Backnanger Bürgerhauses ein. Es gibt einen Vortrag von Jutta Franz und Hans-Albrecht Scheuber, eine Podiumsdiskussion (unter anderem mit Andreas Jeron, Kardiologie-Chefarzt der Rems-Murr-Kliniken und Kardiologe Thomas Eul) sowie Übungen der Wiederbelebung und der Verwendung von Defibrillatoren unter DRK-Anleitung.

Weitere Infos zum Verein mit Sitz in Winnenden gibt’s unter www.kardioverein.de.

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Erstellt:
6. Mai 2019, 18:14 Uhr

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