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Yam hat ein Näschen für Drogen und Handys

Rottweiler erschnuppert in Zellen von Strafgefangenen verbotene Gegenstände und Substanzen – Auch abgeschaltete Elektrogeräte werden aufgespürt

Köln (dpa). 42 Kilogramm Hund und 100 Prozent Konzentration: Dieses Bild drängt sich auf, wenn der schwarze Rottweiler Yam an seinem Diensthundeführer Darius Szeliga (46) emporblickt. Aufmerksam sitzt der Rüde in der Werkhalle der Kölner Justizvollzugsanstalt (JVA) und wartet auf seinen Einsatz. Vor Yam sind weder Drogen noch Handys sicher. Denn er ist laut nordrhein-westfälischem Justizministerium der einzige Diensthund in Deutschland, der sowohl Drogen als auch Handys, USB-Sticks und SIM-Karten erschnüffeln kann.

Tief saugt Yam die Luft in dem vergitterten Raum ein: Das unter Holzscheiten versteckte Handy hat seine Nase ebenso schnell aufgespürt wie das in einem eingerollten Teppich verborgene Drogentütchen. Gebellt wird hier nicht. „Sonst wüssten ja alle Insassen sofort Bescheid, dass hier Spürhunde im Einsatz sind“, erklärt Hundeführer Szeliga. Schließlich sollen die versteckten Drogen gesichert werden, bevor sie ein Häftling über die Toilette entsorgen kann.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) ist stolz auf seine vierbeinigen Helfer: „Eine Hundespürnase sucht gründlicher als jedes Paar Augen.“ Wie wichtig das ist, hat sich erst kürzlich in dem monströsen Missbrauchsskandal in Lügde erwiesen, als der sächsische Spürhund Artus auf einem Campingplatz Beweismittel suchte und in einer Sesselritze einen USB-Stick fand.

„Artus kann aber nur Datenträger, keine Drogen“, erklärt Szeliga. „Yam durfte in Lügde noch nicht eingesetzt werden, weil er im Einsatz gegen versteckte Datenträger und Mobiltelefone noch in einer Pilotphase tätig ist.“ Obwohl in großen weißen Buchstaben „Justiz“ auf Yams Halsband prangt, ist er sozusagen noch kein offiziell zertifizierter Datenträger-Findehund.

In der ersten Testphase von Mai bis Oktober 2018 habe Yam bei 37 Betäubungsmitteleinsätzen zehn Handys „als Beifang aufgespürt“, berichtet Szeliga. Der Trainer hat seinen Hund auf alle möglichen Handys mit ihren unterschiedlichen Bestandteilen und „Duftmolekülen“ konditioniert: alte, neue, große und teils nur fingerkleine Geräte.

Anders als technische Detektoren, sogenannte Mobifinder, entdeckt Yam die Handys auch, wenn sie ausgeschaltet sind. Dabei lassen Häftlinge sich so einiges an Verstecken einfallen: „Wir hatten schon kleine Handys oder Drogen in entleerten Deo-Rollern oder Haschisch in ausgehöhlten Kartoffeln“, sagt Szeliga.

Drogen und verbotene Handys im Knast sind keine Kleinigkeit. „Wer erwischt wird, hat mit Disziplinarstrafen zu rechnen“, warnt der Justizminister. „Vollzugsöffnende Maßnahmen können widerrufen werden, und auch eine vorzeitige Entlassung steht auf dem Spiel.“

Wie viele auf Drogen, Handys, Datenträger, Bargeld oder Leichen trainierte Hunde Polizei, Justiz, Zoll und Finanzbehörden insgesamt in Deutschland im Einsatz haben, können die Bundes- und Landesbehörden nicht beziffern. Dies werde statistisch nicht erfasst, heißt es aus den Ministerien.

Wenn er nach neuen Spürnasen sucht, versucht Szeliga vor allem Charakter, Beweglichkeit und Konzentrationsfähigkeit der Tiere einzuschätzen. Die Ausbildung dauert bis zu viereinhalb Monate. „Naturtalente“ für Handys gebe es nicht: „Das kann man jedem Rauschgiftspürhund beibringen.“

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Erstellt:
3. April 2019, 14:20 Uhr

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