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Zahn der Zeit hat arg am Holz genagt

Die Sanierung des Glockenturms in Allmersbach im Tal ist mit dem Aufstellen des Gerüsts angelaufen – Spezialfirmen im Einsatz

Nun schweigen die Glocken in Allmersbach im Tal. Zumindest jene vier Exemplare, deren Klang sonst aus dem Turm zwischen dem evangelischen und katholischen Gemeindezentrum zu vernehmen ist. Denn in dem Glockenturm tut sich was, wie man dem Gerüst entnehmen kann, das dort seit vergangener Woche steht. Die Sanierung des ortsbildprägenden Bauwerks ist angelaufen.

Der Allmersbacher Glockenturm ist zur Sanierung eingerüstet worden. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Der Allmersbacher Glockenturm ist zur Sanierung eingerüstet worden. Foto: A. Becher

Von Bernhard Romanowski

ALLMERSBACH IM TAL. Die Renovierung duldete keinen Aufschub mehr und verzögerte sich aufgrund der Tatsache, dass der Turm mit seiner speziellen Bauweise nicht auf die Schnelle einzurüsten war. Nun sind die Vorarbeiten im Gange, wie Pfarrer Jochen Elsner auf Nachfrage berichtet. Erst wenn die Vögel, genauer gesagt die Tauben, die den Turm als ihr Domizil erkoren haben, vergrämt und deren Hinterlassenschaften beseitigt sind, kann auch die Zimmereifirma ihre Arbeit dort aufnehmen.

Kein leichtes Unterfangen, wie Pfarrer Elsner betont, denn die räumlichen Gegebenheiten auch im Inneren des 36 Meter hohen Objekts erschweren den Zugang, machen die Arbeit zu einer recht beengten Angelegenheit und somit nicht einfacher. Vor rund anderthalb Jahren wurde bei Maßnahmen zur Bekämpfung des Taubenproblems am Turm festgestellt, dass Wasser in das Gebäude eingedrungen war (wir berichteten).

Feuchtigkeitsbedingt ist das Holz der Konstruktion stellenweise ganz morsch

Das Wasser war durch die sogenannten Schallläden – schießschartenartige Öffnungen in der Metallfassade zum Austreten des Glockenklangs – eingedrungen und zog dadurch die gesamte Holzkonstruktion des Glockenturms in Mitleidenschaft. Die vier Glocken darin, die jede für sich rund eine halbe Tonne wiegen, bringen den Turm beim Läuten in Schwingung. Die Gewährleistung von Stabilität ist dabei unabdingbar.

„Der hölzerne Turm, der vor fast 30 Jahren errichtet wurde, ist ja ständig Wind und Wetter ausgesetzt“, so schildert es Elsner. Das Holz der seinerzeit als sehr ungewöhnlich geltenden, ja Aufsehen erregenden Konstruktion sei stellenweise ganz morsch, leicht wie Papier und zerbrösele zwischen den Fingern, so die Zustandsbeschreibung des Pfarrers. Irgendwann waren dann auch die tragenden Leimhölzer vom Wasser geschädigt.

Nach dieser ernüchternden Feststellung wurde erst einmal lange überlegt, wie nun am vernünftigsten vorzugehen sei, so Elsner weiter. Der Architekt Herbert Häuser habe sich nach entsprechenden Spezialfirmen umgesehen, die man mit der Aufgabe der Turmsanierung beauftragen könnte. Zwischenzeitlich sei dann die Idee aufgekommen, den Turm ganz abzubauen und die notwendigen Arbeiten daran in einer Halle vorzunehmen. Zuletzt entschieden sich die Verantwortlichen dann dafür, dass eine Zimmereifirma die schadhaften Stellen vor Ort im Gebälk austauschen und die neuen Elemente passgenau einfügen wird. Elsner: „Wir hoffen natürlich, dass die Handwerker trotz der Coronakrise ihrer Arbeit am Glockenturm nachgehen können.“ Im Laufe der anstehenden Arbeiten werden die Schallläden demontiert, die Metallhaut des Turm wird unter Einsatz eines Lastkrans abgebaut und ein Teil des Gerüst bedarfsweise wieder abgebaut, um etwa größere Konstruktionselemente im Inneren einsetzen zu können. Alles in allem ist also absehbar, dass die Sanierung ziemlich aufwendig wird und auch einige Fragezeichen mit Blick auf die genauen Kosten beinhaltet, da freilich noch nicht feststeht, welches Gewerk letztlich in welchem Kostenumfang zu Buche schlägt. Dementsprechend schwer tut sich Elsner mit der Bezifferung der Bausumme.

Die Erstellung des Allmersbacher Glockenturms vor 27 Jahren hat damals 550 000 DM gekostet

Er rechnet damit, dass das Ganze im gleichen Kostenrahmen liegen könnte wie seinerzeit die Erstellung des Turms: „Die hat damals 550 000 DM gekostet.“ Von der Landeskirche aus Stuttgart sei bereits die Zusage gekommen, sich an dem Projekt zu beteiligen, ebenso vom Dekanat Backnang, wie Pfarrer Elsner erläutert. „Ein Drittel der Kosten, die von der evangelischen Kirchengemeinde Allmersbach zu tragen sein werden, will die bürgerliche Gemeinde Allmersbach übernehmen“, so Elsner. „Das ist ein großes Entgegenkommen und zeigt das gute Einvernehmen, das die Gemeinde Allmersbach mit der evangelischen Kirchengemeinde pflegt.“

Info

Der Allmersbacher Glockenturm wurde am 3. Oktober 1993 eingeweiht, und zwar zum Erntedankfest. „Wir würden uns sehr freuen, wenn die Einweihung des neu hergerichteten Turms auch wieder zum Erntedankfest stattfinden könnte“, blickt Pfarrer Jochen Elsner in die Zukunft.

Der Turm befindet sich zwischen den
beiden Gemeindezentren, stehe aber für beide und für ein ökumenisches Ensemble insgesamt, so Elsner auch in Anspielung auf das gemeinsame Fest der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde zu Himmelfahrt in Allmersbach.

Bedauerlich sei nur, dass die Glocken des Turms aufgrund der Arbeiten an dem Objekt derzeit nicht zum Einsatz kommen können. „Mit der Aktion Licht der Hoffnung, die gerade in ganz Württemberg entsteht, möchten auch wir ein Zeichen setzen“, wirbt Pfarrer Jochen Elsner für den Zusammenhalt in Zeiten der Coronakrise. Wenn in Allmersbach jeden Abend um 19 Uhr die Glocken der Alten Kirche zu hören sind, möge jeder Haushalt, der teilnehmen möchte, ein Licht ins Fenster stellen. Räumlich getrennt und dennoch zusammen und in ökumenischer Gemeinschaft beten die Teilnehmer dann das Abendgebet. (bro)

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Erstellt:
4. April 2020, 06:00 Uhr

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