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Zielmarke schon in Sicht

Bei der Jahrespressekonferenz der Kreisbaugruppe in Waiblingen wurden solide Zahlen und eine stetig positive Entwicklung im Bereich Wohnungsbau im Rems-Murr-Kreis präsentiert.

Das ehemalige Klinikgelände in Backnang soll zu einem modernen und nahezu autofreien Stadtquartier entwickelt werden, wenn es nach den Plänen der Stadt und der Kreisbaugruppe geht. Auf den Parkdecks (vorne, Mitte) werden Wohnungen in Holzbauweise errichtet. Foto: Kreisbaugruppe

Das ehemalige Klinikgelände in Backnang soll zu einem modernen und nahezu autofreien Stadtquartier entwickelt werden, wenn es nach den Plänen der Stadt und der Kreisbaugruppe geht. Auf den Parkdecks (vorne, Mitte) werden Wohnungen in Holzbauweise errichtet. Foto: Kreisbaugruppe

Von Bernhard Romanowski

WAIBLINGEN. Schnappatmung vor lauter Begeisterung war am Donnerstagmorgen im Sitzungssaal des Waiblinger Landratsamts nicht zu verzeichnen. Sorgenfalten konnte man in den Gesichtern von Landrat Richard Sigel sowie Dirk Braune, Steffen Krahn und Torsten Demand indessen auch nicht erkennen. Als Gastgeber der Jahrespressekonferenz verwiesen der Kreishauschef und die drei Geschäftsführer vielmehr darauf, dass 2019 „ein gutes, wenn auch kein überragendes Jahr“ für die Kreisbaugruppe gewesen sei.

Noch unbehelligt von der Coronapandemie konnte die Gruppe ihrem Ziel wieder ein gutes Stück mehr gerecht werden und für mehr Wohnraum im Rems-Murr-Kreis sorgen, der erschwinglich, also im Mietpreis auch für Leute bezahlbar sein soll, die keine Großverdiener sind.

Die Marke von 500 Wohnungen wird wohl schon 2023 erreicht.

Als Zielgruppe gelten dabei Familien mit zwei Kindern, die nicht mehr als 68000 Euro Gehalt/Lohn im Jahr zur Verfügung haben. Im Fokus steht insbesondere der Bedarf für Mitarbeiter des Rems-Murr-Kreises und der Kliniken, kurzfristig soll zudem der Bedarf für Fachkräfte aus dem In- und Ausland bei den Kliniken durch diese Neubauten gedeckt werden.

Das Führungsquartett verwies am Donnerstag mehrfach auf den Punkt, dass jeder von der Kreisbaugruppe erwirtschaftete Euro auch in der Kreisbaugruppe bleibe und der Kreis selbst keine Gewinne entnehme, um etwa andere Löcher zu stopfen. Das Ziel der Gruppe, 500 neue Mietwohnungen zusätzlich zum bestehenden Angebot im Kreis Rems-Murr zu schaffen, werde demnach wohl schon früher erreicht als ursprünglich vorgesehen.

Bislang wurde immer das Jahr 2027 als Fristende hierfür genannt, am Donnerstag zeigten sich die Verantwortlichen jedoch optimistisch, die Zielmarke schon im Jahr 2023 oder 2024 zu erreichen. Nicht minder ambitioniert ist die Gruppe in Sachen Klimaschutz unterwegs. „Es reicht uns nicht, ein paar Blühflächen anzulegen“, ließ Landrat Sigel vernehmen. Bis zum Jahr 2030 sollen demzufolge alle Gebäude im Kernbestand der Kreisbaugruppe CO2-frei sein. Bis 2050 damit zu warten, wie es in den von der Bundesregierung definierten Klimazielen vorgesehen sei, erscheint dem Quartett nicht angemessen.

Allerdings waren im Landratsamt auch mahnende Worte und ein kleiner Seitenhieb auf die Landeshauptstadt zu hören. „Wir können die Probleme der Welt nicht alleine lösen“, hieß es da. Gemeint war, dass eine Stadt wie Stuttgart in der hiesigen Metropolregion schon auch mehr tun könne, um das Problem mit dem knappen Wohnraum und der zugehörigen Infrastruktur zu lösen. „Für Stuttgart bauen wir jedenfalls nicht“, war im Sitzungssaal noch zu hören.

Mehrfach positiv angemerkt wurde bei der Pressekonferenz auch der Umstand, dass man mit Gerhard Rall, dem Geschäftsführer des Diakonieverbands im Rems-Murr-Kreis, einen Experten für das Quartiersmanagement der Kreisbau-Liegenschaften in seinen Reihen habe. Auch die Bereiche Infrastruktur und Mobilitätskonzepte wurden am Donnerstag mehrfach angesprochen, etwa als es um die mögliche Umstellung auf Biogas bei derzeit sieben Verwaltungsliegenschaften oder um das in Winnenden-Schelmenholz geplante KfW-Effizienzhaus 40plus ging – ein Gebäude, das mehr Energie erzeugt, als es im Gebrauch selbst benötigt.

Ein solches Projekt werde mit 120000 Euro und einem Tilgungszuschuss von 30000 Euro vom Staat gefördert, so die Kreisbauspitzen.

Auch in Backnang, im künftigen Quartier Bonhoeffer Straße, soll es bald weitergehen. Auf dem ehemaligen Klinikareal wurde im Frühjahr durch die Bauherrengemeinschaft aus Kreisbaugesellschaft Waiblingen mbH und Baugenossenschaft Backnang bereits eine Wohnanlage mit acht Gebäuden und 63 Wohnungen fertiggestellt.

Auf den dortigen Parkdecks sollen 50 Wohnungen in der vom Staat geförderten Holzbauweise entstehen, so Dirk Braune zum jüngsten Stand der Planungen der Kreisbaugruppe in Abstimmung mit dem Landkreis und der Stadt Backnang. Braune: „Wir würden dort dieses Jahr gerne sanieren und 2021 bauen.“

Die Kreisbaugruppe in Zahlen und Fakten

Die Kreisbaugruppe mit ihren 81 Mitarbeitern ist ein Verbund aus drei Gesellschaften. Dazu gehören die Kreisbaugesellschaft Waiblingen mbH, deren Aufgabenfeld der Wohnungsbau ist, die Rems-Murr-Kreis-Immobilien-Management GmbH (RMIM), die die Betreuung der kreiseigenen und vom Landkreis genutzten Liegenschaften zur Aufgabe hat, sowie die Rems-Murr-Gesundheits GmbH & Co. KG (RMG), die sich um Planung, Bau und Vermietung von Gesundheitszentren mit Arztpraxen und Therapieeinrichtungen sowie medizinischen Handels- und Dienstleistungsangeboten kümmert. Die RMG betreibt auch die Gesundheitszentren in Backnang, Schorndorf und Winnenden.

Hauptgesellschafter der Kreisbaugruppe ist der Rems-Murr-Kreis mit Landrat Richard Sigel als Aufsichtsrat.

Die Bilanzsumme der Kreisbaugruppe wies zum 31. Dezember 2019 einen Wert in Höhe von 283,06 Millionen Euro auf. Das Investitionsvolumen betrug im vergangenen Jahr rund 34 Millionen Euro. Das Anlagevermögen lag bei 189,19 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss beträgt knapp 2,2 Millionen Euro.

Die Kreisbaugruppe hat 770 Mietwohnungen im Bestand. Die Wohnfläche im Besitz der Gruppe wird insgesamt mit 47169 Quadratmetern beziffert. Die Durchschnittsmiete in diesem Wohnungsbestand beträgt 7,16 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Rund 120 Gewerbeeinheiten mit einer Fläche von etwa 49000 Quadratmetern zählen mittlerweile ebenfalls zum Bestand der Kreisbaugruppe.

Das Ziel der Kreisbaugruppe, wie es 2017 vom Rems-Murr-Kreistag definiert wurde, ist der Bau von zusätzlichen 500 bezahlbaren Mietwohnungen im Kreisgebiet, die den Bestand somit auf 1250 Mietwohnungen erhöhen und bis 2027 fertig gebaut sein sollen.

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Erstellt:
24. Juli 2020, 06:00 Uhr

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