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Zigtausende gehen für Klimaschutz auf die Straße

dpa/lsw Freiburg. Ein Jahr nach Beginn der Klimaproteste im Südwesten ziehen am Freitag wieder Tausende Schüler und Jugendliche im ganzen Land durch die Straßen. Diesmal ging es nicht nur ums Klima.

Tausende Schüler bei einer Fridays for Future-Demonstration in Freiburg. Foto: Patrick Seeger/dpa

Tausende Schüler bei einer Fridays for Future-Demonstration in Freiburg. Foto: Patrick Seeger/dpa

Das Bündnis Fridays for Future ruft erneut zum globalen „Klimastreik“ auf - und auch im Südwesten ziehen wieder Tausende Schüler und Jugendliche im ganzen Land durch die Straßen. Was man über den Klimaprotest wissen sollte:

DIE DEMOS: In vielen Städten im Südwesten beteiligten sich Menschen an den Protestaktionen. In Stuttgart versammelten sich mehrere Demozüge vor dem Hauptbahnhof zu einer Kundgebung. Nach Schätzung der Veranstalter kamen dort mehr als 10 000 Menschen zusammen. In Freiburg zogen nach Schätzungen der Polizei vom Platz der Alten Synagoge aus rund 8500 Menschen durch die Innenstadt. In Karlsruhe waren es nach Polizeiangaben etwa 5000 Teilnehmer. In Heidelberg versammelten sich laut Veranstalter rund 9000 Menschen. Zu Demonstrationen riefen die Klimaaktivisten auch in vielen kleineren Städten wie Geislingen an der Steige und Schorndorf auf. Insgesamt versammelten sich aber deutlich weniger Demonstranten als beim „Klimastreik“ im September. „Das ist angesichts der Kälte verständlich“, sagte eine Stuttgarter Organisatorin von Fridays for Future.

DER ANLASS: Die Klimabewegung hat die erneuten Großproteste bewusst auf den letzten Freitag vor dem Start der Weltklimakonferenz in Madrid gelegt. Nach den Großprotesten im März und Mai sowie der globalen Streikwoche im September ist es die vierte Auflage eines solchen weltweit koordinierten Protests. In Deutschland richtet sich die Kritik der Aktivisten vor allem gegen das Klimapaket der Bundesregierung, das sie als „Klima-Päckchen“ und als völlig unzureichend bezeichnen. Vertreter der Bewegung Fridays for Future werfen der Bundesregierung seit langem Untätigkeit vor.

DIE PLÄNE DER BUNDESREGIERUNG: Die GroKo sieht ein Klimaschutzgesetz mit verbindlichen Vorgaben für die zuständigen Ministerien und einen CO2-Preis ab 2021 vor, der den Klimaaktivisten aber nicht hoch genug ist. Der Bundesrat hat am Freitag mehrere im Klimapaket vorgesehene Steuer-Änderungen vorerst gestoppt - darunter die Erhöhung der Pendlerpauschale, die steuerliche Förderung für Gebäudesanierung und die Steuersenkung für Bahntickets im Fernverkehr. Insbesondere die Grünen dringen auf inhaltliche Nachbesserungen. „Es wäre mehr drin gewesen, vor allem aber wäre mehr nötig gewesen“, kommentierte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) die Bundesratsbeschlüsse. Die wichtige Diskussion über den künftigen CO2-Preis habe die Mehrheit der Länder leider abgelehnt, sagte er.

DER REST DER WELT: International beteiligten sich nach Angaben des Netzwerks über 2400 Städte in 158 Ländern an den Protesten. Traditionell wegen der Zeitverschiebung gehörten die Australier zu den ersten, die am Freitag auf die Straße gingen. In Deutschland hatte Fridays for Future Klimakundgebungen in mehr als 500 Städten angekündigt. Die Aktivisten sprechen bei ihren Aktionen zwar von „Streiks“. In Deutschland gibt es ein Streikrecht aber nur im Rahmen von Tarifauseinandersetzungen.

DER BUNTE PROTEST: Die Demonstranten in Stuttgart tanzten, sprangen und hüpften wieder - trotz schlechten Wetters. Sie sangen „Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“. In Stuttgart standen Sprüche auf den Plakaten wie etwa: „Wenn unser Planet eine Bank wär, hättet ihr ihn schon gerettet“, „Die Dinosaurier dachten auch, sie hätten noch Zeit“ oder „Klima ist wie Bier - warm ist scheiße“.

DIE VORREITERIN: Die Philosophie-Studentin Charlotte von Bonin rief das Stuttgarter Bündnis von Fridays for Future vor einem Jahr ins Leben. Sie habe damals einen Bericht über die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg gesehen und sich gesagt, dass auch etwas in Stuttgart passieren müsse, berichtete die 22-Jährige am Freitag. Dann habe sie ein paar Leute angeschrieben und sie hätten am 30. November zu fünft auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt demonstriert - die erste Klimademo. Stuttgart sei eine der ersten Ortsgruppen gewesen. Sie habe seitdem an jeder Freitagsdemo teilgenommen. Sie hätte sich nie vorstellen können, welche Ausmaße die Proteste annehmen würden, sagte von Bonin.

DER KONSUM ALS GEGNER: Viele demonstrierten am Freitag nicht nur für mehr Klimaschutz, sondern auch für eine Abkehr von übermäßigem Konsum. In der Stuttgarter Innenstadt waren zeitgleich zur Demo anlässlich des Black Fridays zahlreiche Menschen auf der Suche nach Schnäppchen unterwegs. „Wir streiken statt shoppen“, rief von Bonin mit Blick auf den Black Friday. Mit Rabatten an dem Tag will der Handel den Konsum anheizen. Er stammt aus den USA - der Brückentag nach „Thanksgiving“ ist ein vorweihnachtliches Shopping-Großereignis dort. Der Tag sei ein Grund, „um noch mehr unnötigen Scheiß einzukaufen“, sagte hingegen Charlotte von Bonin.

ZIVILER UNGEHORSAM: Die Großdemos verliefen wie bereits im September friedlich. In Stuttgart war die Polizei mit mehreren Hundert Beamten im Einsatz - und berichtete von Verkehrsbehinderungen. Das Aktionsbündnis „Kesselbambule“ blockierte im Anschluss an die Kundgebung wieder einen „Profiteur der Klimazerstörung“ - Dutzende Demonstranten versammelten sich vor der Filiale der BW-Bank in der Königstraße, sie schütteten einen Berg Kohle vor den Eingang und klebten Flugblätter an die Scheiben der Bank. Das Bündnis kritisiert etwa, dass die Bank an der Erdölförderung im Nigerdelta und verdiene und damit zu Vertreibung, Trinkwasserverschmutzung und Bodenverseuchung beitrage.

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Erstellt:
29. November 2019, 18:13 Uhr

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