Zukunftsweisend, aber keine Science-Fiction

Der Siegerentwurf überzeugt die Jury auch deshalb, weil er viele der ehemaligen Industriegebäude in die neuen Pläne integriert.

Die Juryvorsitzende Jórrun Ragnarsdóttir erläutert bei der Online-Präsentation im Bürgerhaus am Modell den preisgekrönten Entwurf. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Die Juryvorsitzende Jórrun Ragnarsdóttir erläutert bei der Online-Präsentation im Bürgerhaus am Modell den preisgekrönten Entwurf. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Es war eine Marathonsitzung nötig, um die Sieger zu küren. Rund zwölf Stunden lang tagte am vergangenen Mittwoch das 25-köpfige Preisgericht – natürlich mit Hygienekonzept – in der Stadthalle. Auch der künftige Backnanger Oberbürgermeister Maximilian Friedrich war mit dabei, wenn auch noch ohne Stimmrecht. Die Diskussion sei lebhaft und intensiv gewesen, berichtet die Juryvorsitzende, die Stuttgarter Architektin Jórrun Ragnarsdóttir. Das Votum für den Siegerentwurf sei am Ende aber einstimmig gefallen: „Wir waren uns einig, dass diese Arbeit die beste Strategie liefert, um das Projekt weiterzuentwickeln.“ Überzeugt hat das Preisgericht zum einen, wie die renaturierte Murr das Gebiet als verbindendes Element prägt. Außerdem lobt die Jury, dass viele der ehemaligen Industriegebäude erhalten bleiben sollen. „So entsteht ein Städtebau, der eine gewisse Vertrautheit hat“, erklärte die Juryvorsitzende.

Dieser Aspekt ist auch dem IBA-Intendanten Andreas Hofer wichtig. Bei einer Internationalen Bauausstellung würden manche an „Glitzerarchitektur“ denken, wie man sie aus Südostasien oder aus Dubai kenne. „Wir beweisen mit diesem Entwurf, dass Zukunft nicht Science-Fiction ist, sondern sehr viel mit der Vergangenheit zu tun hat.“

Für den Backnanger Baudezernenten Stefan Setzer war außerdem wichtig, dass sich die Ergebnisse aus dem Bürgerdialog, der 2019 in Backnang stattfand, im Siegerentwurf wiederfinden. Das ist den Planern aus Berlin aus seiner Sicht besonders gut gelungen: Der Wunsch der Backnanger nach einem grünen Quartier mit wenig Autoverkehr sei ebenso berücksichtigt worden wie das Ziel, kein reines Wohngebiet zu schaffen, sondern ein lebendiges Gebiet mit unterschiedlichen Nutzungen. Setzer betonte allerdings auch, dass der siegreiche Entwurf nicht eins zu eins umgesetzt wird. Vielmehr gehe es nun darum, die Pläne gemeinsam mit dem Gemeinderat, den Eigentümern und der Bürgerschaft weiterzuentwickeln: „Der jetzt vorgelegte städtebauliche Entwurf ist keine abschließende Erklärung, sondern der Anfang eines langen Prozesses.“

Die weiteren Preisträger

Während die Entscheidung für den Sieger einstimmig ausfiel, konnte sich das Preisgericht beim zweiten Platz nicht einigen. Deshalb vergab die Jury zwei gleichberechtigte zweite Preise. Diese gingen an die Büros Studio Vlay Streeruwitz mit Carla Lo Landschaftsarchitektur (beide aus Wien) und Steidle Architekten (München) mit Grabner Huber Lipp (Freising/Hamburg).

Anerkennungen gab es für die Entwürfe von 5th Studio (London) mit Taktyk Landscape Architects (Brüssel), Kerstin Höger Architekten (Zürich) mit Urban Catalyst (Berlin) sowie Pool Architekten mit Maurus Schifferli (beide Zürich).

Alle prämierten Arbeiten werden in Kürze digital ausgestellt. Der Link zur OnlineAusstellung wird im Internet veröffentlicht unter www.backnang.de/iba_27.

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Erstellt:
3. Mai 2021, 06:00 Uhr

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