Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Zulieferer ZF will bis zu 15 000 Stellen streichen

dpa Friedrichshafen. Umsatzeinbußen wegen des Brexits und ein schwächeres Wachstum in China im Jahr 2019. Und jetzt die Coronakrise: Nach Kurzarbeit plant der Autozulieferer ZF einen drastischen Stellenabbau.

Ein ZF-Logo auf einem Produkt der ZF Friedrichshafen. Foto: Felix Kästle/dpa/Archivbild

Ein ZF-Logo auf einem Produkt der ZF Friedrichshafen. Foto: Felix Kästle/dpa/Archivbild

Der Automobilzulieferer ZF will bis zu 15 000 Stellen weltweit streichen, die Hälfte davon in Deutschland. Wie aus einem internen Schreiben des ZF-Vorstands an die Belegschaft vom Donnerstag hervorgeht, will das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren Tausende Stellen abbauen. „Aus heutiger Sicht müssen wir bis 2025 weltweit unsere Kapazitäten anpassen und 12 000 bis 15 000 Arbeitsplätze abbauen, davon etwa die Hälfte in Deutschland“, heißt es in dem Mitarbeiterbrief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Ein ZF-Sprecher sagte: „Wir kommentieren das nicht.“ Zuerst hatten der „Südkurier“ und die „Saarbrücker Zeitung“ (beide Freitag) berichtet. Die Konzernführung begründet die Pläne für den Personalabbau mit den Umsatzeinbrüchen in Folge der Coronakrise.

Der Vorsitzende des Betriebsrats bei ZF, Achim Dietrich, zeigte sich „genauso wie die Belegschaft“ überrascht. Der Gesamtbetriebsrat sei vom Vorstand erst am Mittwoch über die Pläne informiert worden. „Wir setzen weiter auf Kurzarbeit und kämpfen um jeden Beschäftigten“, sagte Dietrich der dpa. In dem Gespräch am Vortag habe der Vorstand von einem Umsatzeinbruch von 25 Prozent über das Gesamtjahr gesprochen. „Das sind 8 Milliarden Euro“, erklärte Dietrich. Die Geschäfte in den ersten drei Monaten 2020 seien gut gelaufen, der April sei „grottenschlecht gewesen“.

„Als Folge des Nachfragestopps auf Kundenseite wird unser Unternehmen 2020 hohe finanzielle Verluste machen“, heißt es in dem Schreiben an die Belegschaft. Alle bisherigen Maßnahmen reichten bei Weitem nicht aus, denn die Krise werde länger dauern. „Kurzfristig wird das Unternehmen zusätzliche Beiträge aus dem Kreis der Mitarbeiter brauchen, um das Jahr 2020 zu bewältigen.“ Die Detailplanung werde in den nächsten Wochen erarbeitet und mit der Arbeitnehmervertretung verhandelt. Bis spätestens August, so heißt es in Unternehmenskreisen, sollen die konkreten Pläne beschlossen werden.

Zu Jahresbeginn beschäftigte ZF konzernweit knapp 148 000 Menschen, knapp 51 000 davon im Inland. Bis Ende 2022 sind betriebsbedingte Kündigungen bei ZF an den meisten Standorten ausgeschlossen.

Bereits 2019 gingen die Erlöse des Autozulieferers von 36,9 Milliarden auf 36,5 Milliarden Euro zurück. Der auf die eigenen Aktionäre entfallende Gewinn nach Steuern stürzte auf 350 (Vorjahr: 904) Millionen Euro ab. Erst kürzlich hatte ZF mitgeteilt, dass aufgrund der Corona-Pandemie Teile von Produktion und Verwaltung kontrolliert heruntergefahren würden, um unter anderem auf die ausbleibende Nachfrage von Auto- und Lkw-Herstellern zu reagieren. Mit dem ZF-Gesamtbetriebsrat wurde eine Vereinbarung über die Einführung von Kurzarbeit getroffen. Die Regelung gilt zunächst bis Juni.

Wie sich die Entscheidung etwa auf den Standort Saarbrücken auswirken werde, dazu wollte sich das Unternehmen in der „Saarbrücker Zeitung“ nicht äußern. Im Saarland fertigt ZF Achtgang-Automatik-Getriebe. Rund 9000 Beschäftigte hat der Konzern dort. „Im Vordergrund steht für uns, jeden Arbeitsplatz in Saarbrücken zu sichern“, sagte der Saarbrücker Betriebsratschef Mario Kläs.

Zum Artikel

Erstellt:
28. Mai 2020, 18:53 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!