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Zwei Angeklagte nach Brandserie

Rund acht Monate nach dem Feuer im Frühmeßhof beginnt das Gerichtsverfahren vor dem Jugendschöffengericht in Waiblingen

Die Überreste eines ehemaligen landwirtschaftlichen Wirtschaftsgebäudes im Frühmeßhof, das im September vergangenen Jahres niedergebrannt ist, liegen noch da wie kurz nach dem verheerenden Feuer. Der Grund dafür: Die Versicherungsfragen sind noch nicht geklärt, und es musste ein Vergleichsgutachten erstellt werden. Am 21. Mai steht nun die Verhandlung gegen den mutmaßlichen Feuerteufel vor dem Jugendschöffengericht in Waiblingen an. Zudem gibt es einen zweiten Angeklagten.

Das Wirtschaftsgebäude liegt in Schutt und Asche: Wegen Versicherungsfragen wurde der Brandort noch nicht aufgeräumt. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Das Wirtschaftsgebäude liegt in Schutt und Asche: Wegen Versicherungsfragen wurde der Brandort noch nicht aufgeräumt. Foto: A. Becher

Von Ingrid Knack

KIRCHBERG AN DER MURR. Ende September 2018 wurden bei dem Großbrand ein ausgebautes Wirtschaftsgebäude im Kirchberger Ortsteil Frühmeßhof mit angrenzenden Garagen sowie eine Maschinenhalle und darin abgestellte Oldtimer völlig zerstört. Das ehemalige landwirtschaftliche Anwesen befindet sich im Besitz einer Erbengemeinschaft. Nun steht das Verfahren beim Jugendschöffengericht in Waiblingen gegen den damals 20-jährigen Tatverdächtigen an.

Überraschenderweise wird am 21. Mai noch ein weiterer junger Mann auf der Anklagebank sitzen. Es handelt sich um einen 17-Jährigen, der zum Zeitpunkt der Verhandlung das Alter von 18 Jahren erreicht haben wird. Es soll sich um einen Kumpel des mutmaßlichen Feuerteufels handeln, der sich allerdings nach den Worten von Heiner Römhild von der Staatsanwaltschaft Stuttgart nicht wegen des Großbrands im Frühmeßhof verantworten muss. Dem 17-Jährigen werde vorgeworfen, bei zwei kleineren vorausgegangenen Taten beteiligt gewesen zu sein – einem Brand von Strohballen und dem Brand einer Sitzbank.

Untersuchungshaft ist gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden

Hauptangeklagter ist der mittlerweile 21-jährige ehemalige Angehörige der Kirchberger Feuerwehr. Noch während die Löscharbeiten im Frühmeßhof liefen, war er zur Kriminalinspektion 1 nach Waiblingen mitgenommen und dort verhört worden. Dann durfte er aber wieder nach Hause gehen. Ein paar Tage später wurde er dem Haftrichter vorgeführt, der Untersuchungshaft anordnete. Schon vor längerer Zeit durfte er allerdings die Justizvollzugsanstalt wieder verlassen. Die Untersuchungshaft sei gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt worden, so Römhild. Ob der 21-Jährige ein Geständnis abgelegt hat, will der Erste Staatsanwalt zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Dem 21-Jährigen werden laut Römhild drei Sachbeschädigungen und drei Brandstiftungen vorgeworfen. Bei den Brandstiftungen handele es sich um den Großbrand des einstigen landwirtschaftlichen Anwesens im Frühmeßhof, um den Brand eines Strohballenlagers und eines Holzstapels. Als Sachbeschädigungen werden in Brand gesetzter Sperrmüll und angezündete Altpapiercontainer gewertet. Am ersten Verhandlungstag sind sieben Zeugen vor Gericht geladen.

Wie es nun mit dem Gelände im Frühmeßhof weitergeht, ist nicht klar. Kirchbergs Bürgermeister Frank Hornek verweist darauf, dass es sich um ein Privatgelände dreht. Von der Erbengemeinschaft ist zu erfahren, dass sie mit der Versicherung im Clinch liegt. Es geht dabei um die Höhe der Schadenssumme. Die Polizei gab nach dem Feuer einen Sachschaden an den Gebäuden von rund 200000 Euro an. Der tatsächliche Schaden sei aber weitaus höher, sagen die Vertreter der Erbengemeinschaft. In diesem Zusammenhang spielten versicherungsinterne Vorgänge eine wesentliche Rolle. Dies habe dazu geführt, dass weitere Gutachten gemacht worden seien – deshalb sei die Brandstelle noch nicht freigeräumt worden. Anfang Mai wird laut Erbengemeinschaft jedoch eine Abbruchfirma mit den Aufräumarbeiten beginnen. Die Angelegenheit habe ihnen viele schlaflose Nächte und viel Ärger beschert, beteuert ein Mitglied der Familie. Dennoch plant die Erbengemeinschaft einen Wiederaufbau, ein Architekt beschäftige sich bereits mit dem Thema, bald soll ein entsprechendes Baugesuch eingereicht werden.

Die Erbengemeinschaft würde es auch begrüßen, wenn die Familie Hoffmann aus Aspach, die im Frühmeßhof 21 Jahre lang einen Secondhandladen betrieben hat, später dort wieder einziehen würde. Andreas Hoffmann lässt indes auf Anfrage wissen, dass er im Juni in Backnang wieder ein Geschäft eröffnen werde – allerdings wesentlich kleiner: „Es gibt nur noch ein Viertel von dem Platz, den wir hatten.“ Der neue Secondhandladen befindet sich in der Sulzbacher Straße, das Gebäude stand in letzter Zeit leer.

In der Zwischenzeit hat sich Hoffmann etwa auf Umzüge und Haushaltsauflösungen konzentriert. Diese gehörten schon immer zu den verschiedenen Standbeinen des Unternehmens. Handel mit gebrauchten Waren aber konnten die Hoffmanns seit dem Brand nicht mehr betreiben. „Ich bin immer noch total geschockt, wenn ich an dem Gebäude vorbeifahre“, sagt der Geschäftsmann.

Info
Seit April 2017 gab es im Kirchberger Raum immer wieder kleinere und größere Feuer

In der Nacht zum 22. September 2018 ist im Frühmeßhof ein Wirtschaftsgebäude, in dem ein Secondhandladen und Umzugsunternehmen angesiedelt war, bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Ebenso wurden angrenzende Garagen sowie eine Maschinenhalle, in denen unter anderem Oldtimer untergestellt waren, Opfer der Flammen. Beschädigt wurden obendrein auf dem Gelände abgestellte Wohnwagen. Den Schaden allein an den Gebäuden bezifferte die Polizei auf rund 200000 Euro.

Die Feuerwehr konzentrierte sich darauf, zu verhindern, dass die Flammen auf das angrenzende Haus, in dem zehn Geflüchtete untergebracht waren, und weitere Gebäude übergreifen. Die Bewohner zweier benachbarter Gebäude mussten ihre Häuser verlassen. Im gesamten Ortsteil wurde der Strom abgeschaltet, eine Stromleitung verlief in unmittelbarer Nähe zum Brandort. Gelöscht wurde mit Wasser aus dem Hochbehälter Zwingelhausen, zu dem eine kilometerlange Wasserleitung gelegt werden musste.

Vor Ort waren Wehrleute nicht nur aus Kirchberg an der Murr, sondern auch aus Aspach, Backnang, Oppenweiler und Steinheim an der Murr. Unter ihnen befand sich ein junger Kirchberger Feuerwehrmann, der bald im Verdacht stand, als Feuerteufel unterwegs gewesen zu sein.

Wegen zahlreicher Brände in der Gemeinde Kirchberg schon in den Monaten zuvor hatte die Kriminalpolizei bereits in Sachen mögliche Brandstifter ermittelt. Dem 20-Jährigen wurde Stand November 2018 vorgeworfen, mindestens sechs Brände vorsätzlich gelegt zu haben. Die Polizei ging davon aus, dass die Brandserie im April 2017 ihren Ursprung genommen hatte. Damals wurde ein Altpapiercontainer in Brand gesetzt. Ein gleich gelagerter Vorfall wurde im August 2018 registriert. Weil die Feuerwehr rasch eingriff, konnte verhindert werden, dass ein im Juli 2018 vorsätzlich herbeigeführter Containerbrand nicht auf ein nahe gelegenes Wohnhaus übergriff. An den beiden Tagen vor dem Großbrand im Frühmeßhof soll der Brandstifter noch Strohballen und eine öffentliche Sitzbank durch Brandlegungen beschädigt haben.

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Erstellt:
25. April 2019, 06:00 Uhr

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