Zwischen Hass und Zuspruch: 30 Jahre Peta Deutschland

Peta Deutschland mit Hauptsitz in Stuttgart feiert dieses Jahr Jubiläum, unter anderem mit einer für diesen Dienstag angekündigten Demo am Schlossplatz. Der Gründer blickt zurück auf die 30-jährige Geschichte.

Eine von deutschlandweit rund 10 000 Peta-Straßenaktionen seit 1994: „Das blutige Festmahl“ 2019 in Stuttgart Eine von deutschlandweit rund 10 000 Peta-Straßenaktionen seit 1994: „Das blutige Festmahl“ 2019 in Stuttgart. In der Bildergalerie weitere aufsehenerregende Protestaktionen.

© /Peta/John-Peter Lemmerich

Eine von deutschlandweit rund 10 000 Peta-Straßenaktionen seit 1994: „Das blutige Festmahl“ 2019 in Stuttgart Eine von deutschlandweit rund 10 000 Peta-Straßenaktionen seit 1994: „Das blutige Festmahl“ 2019 in Stuttgart. In der Bildergalerie weitere aufsehenerregende Protestaktionen.

Von Florian Dürr

Stuttgart - Halb nackt liegen Dutzende Menschen nebeneinander und aufeinander, auf ihrer Haut und ihrer Unterwäsche sollen rote Farbkleckse die Blutspritzer symbolisieren, es ist ein Berg voll Fleisch, den die Aktivisten darstellen wollen. In ihren Händen halten sie Plakate mit Aufschriften wie „Die blutige Wahrheit: Fleisch tötet!“. Die Protestaktion vom Mai 2019 in der Stuttgarter Innenstadt ist eine von vielen, die die Tierrechtsorganisation Peta immer wieder organisiert, um auf das Leiden von Tieren aufmerksam zu machen.

An diesem Dienstag versucht Peta erneut, in Stuttgart die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: Um 10.30 Uhr ist vor dem Neuen Schloss  eine  Großdemo  mit zahlreichen Peta-Mitarbeitern und -Unterstützern geplant. Ihre Forderung: „Personenstatus und Grundrechte für Tiere.“

Hintergrund der Aktion ist ein Jubiläum: Seit 30 Jahren gibt es Peta nach dem Vorbild der US-amerikanischen Mutterorganisation auch in Deutschland. 1994 wurde die nach eigenen Angaben größte Tierrechtsorganisation Deutschlands in Hamburg gegründet. Seit 1996 liegt der Hauptsitz in Stuttgart, weil dort die Frau von Gründer Harald Ullmann herkommt.

Inzwischen zählt Peta in Deutschland mehr als 30 000 Aktivisten, rund 1,5 Millionen Unterstützer sowie 135 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Stuttgart und Berlin. Weltweit sind es etwa neun Millionen Unterstützer in mehr als 70 Ländern. Die Abkürzung Peta steht für „People for the Ethical Treatment of Animals“, ins Deutsche übersetzt: „Menschen für die ethische Behandlung von Tieren“.

Rund 10 000 Straßenaktionen fanden in den vergangenen drei Jahrzehnten bundesweit statt. Peta ist bekannt für seine aufsehenerregenden und polarisierenden Protestformen. „Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten“, schreibt die Organisation auf ihrer Internetseite. Und um dieser Überzeugung Gehör zu verschaffen, sind sich die Aktivisten für fast nichts zu schade. „Wir kommen nicht voran, wenn wir nicht die Grenzen ausloten“, sagt Harald Ullmann, Gründer und Vorstand von Peta Deutschland.

Klar sei aber – und das überprüfe immer wieder die eigene Rechtsabteilung: Die Aktionen dürfen kontrovers sein, aber müssen immer in legalem Rahmen stattfinden. Denn das Ziel sei, „die Ausbeutung der Tiere friedlich, aber bestimmt zu beenden“, heißt es auf der Internetseite. Doch das klappte in der 30-jährigen Geschichte nicht immer: So wurde etwa eine Werbekampagne unter dem Motto „Der Holocaust auf Ihrem Teller“ als Protest gegen das Leiden von Masttieren in Deutschland verboten. „Wir haben da viel Kritik erfahren“, erinnert sich Ullmann. Aber das sei man bei Peta gewohnt. Hassmails und Drohungen habe es immer schon gegeben, auch tote Tiere wurden schon an die Organisation geschickt. Es gebe nach Protestaktionen aber auch immer wieder Zuspruch aus der Bevölkerung. Dennoch sagt Ullmann: „Es gibt sicher viele, die genervt sind von uns, aber damit muss man leben.“

Die Tierrechtler haben sich mit ihren Aktionen eben nicht nur Freunde gemacht. Alle, die mit Tieren Geld verdienten, stünden Peta besonders kritisch gegenüber, sagt der 67-Jährige: von Zirkussen und Züchtern über Agrar- und Bekleidungsunternehmen bis hin zur Pharmaindustrie. Denn Peta reichen kleine Verbesserungen für mehr Tierwohl nicht, die Tierrechtler wollen die Nutztierhaltung gleich komplett abschaffen.

Dass das die Existenzgrundlage vieler Betriebe in der Landwirtschaft infrage stellt, sieht Ullmann nicht so eng: „Die können ja auch was anderes anbauen“, sagt er. In der Geschichte seien immer wieder Wirtschaftszweige verschwunden und neue dazugekommen. Vom Deutschen Bauernverband gibt es dafür nur Kopfschütteln, „so einen Unsinn“ wolle man nicht kommentieren. „Würde das Fleisch nicht aus Deutschland kommen, käme es eben aus dem Ausland, da 90 Prozent der Menschen in Deutschland es lieben, Fleisch zu essen und zu genießen“, sagt ein Sprecher.

Ullmann hingegen lebt vegan und sagt: „Für einen Gaumenschmaus muss man kein Tier töten.“ Der 67-Jährige sieht die inzwischen große Auswahl an veganen Produkten in den Supermärkten und Restaurants hierzulande auch als ein Verdienst von Peta. „Als wir vor 30 Jahren anfingen, gab es in den Lebensmittelgeschäften so gut wie keine veganen Produkte“, erzählt er.

Doch Peta will mehr. Auch deshalb gehen die Aktivisten an diesem Dienstag wieder auf die Straße. „Dreißig Jahre Tierrechtsarbeit haben gezeigt, dass es nicht reicht, Verhaltensänderungen anzustoßen“, heißt es in der Ankündigung für die Demo vor dem Neuen Schloss. Laut Peta leben zwar immer mehr Menschen tierfreundlich, aber dennoch werden bundesweit unzählige Tiere „für menschliche Zwecke“ getötet. Die Tierrechtler haben deshalb eine klare Botschaft: „Tiere brauchen eigene Rechte.“

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Erstellt:
19. Februar 2024, 22:06 Uhr
Aktualisiert:
20. Februar 2024, 21:59 Uhr

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