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Abbruch beschert Murrhardt den Aufstieg

Vorzeitiges Ende der Tischtennissaison: TVM-Männer schaffen als aktueller Tabellenführer den Sprung in die Verbandsklasse

Die Entscheidung, die Tischtennissaison aufgrund der Coronakrise mit sofortiger Wirkung abzubrechen, stößt bei den Vertretern der höherklassigen Klubs in der Region auf ungeteilte Zustimmung. Kontrovers diskutiert wird allerdings die Lösung, die aktuellste Tabelle zum Abschlussklassement zu erklären und nicht etwa die Vorrundentabelle. Zu den Profiteuren zählt das erste Männerteam des TV Murrhardt, dem diese Variante den Aufstieg in die Verbandsklasse beschert.

Kehrt mit dem TV Murrhardt nach nur einer Runde Abstinenz in die Verbandsklasse zurück: Dominik Wörner. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Kehrt mit dem TV Murrhardt nach nur einer Runde Abstinenz in die Verbandsklasse zurück: Dominik Wörner. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

Das vorzeitige Ende der Runde habe sich angedeutet, „das ist völlig okay“, sagt Dominik Wörner vom TV Murrhardt. Wenn es darum geht, dass jetzt die aktuellste Tabelle über Auf- und Abstieg entscheidet, obwohl in vielen Fällen nicht einmal alle Teams dieselbe Zahl an Spielen ausgetragen haben, schlagen zwei Herzen in seiner Brust. Einerseits kommt es ihm als Nummer eins der Landesligatruppe der Walterichstädter entgegen, weil es für ihn und seine Kollegen den Meistertitel sowie den Aufstieg in die Verbandsklasse bedeutet. „Das war das Ziel und das haben wir nun erreicht“, unterstreicht der TVM-Kapitän.

Andererseits hat Dominik Wörner auch Verständnis für all die, die mit dieser Lösung hadern und lieber die Vorrundentabelle mit derselben Anzahl an Partien bei allen Mannschaften herangezogen hätten. In dem Fall hätte Murrhardt als Dritter in die Röhre geguckt und Musberg hätte feiern dürfen. Der TVM-Akteur weist jedoch darauf hin, dass auch diese Variante ihren Haken gehabt hätte: „Wir haben in der Hinserie gegen beide Rivalen im Titelrennen auswärts gespielt.“ Umso mehr hatte sich Murrhardt mit dem Heimvorteil im Rücken bereits auf die beiden wohl entscheidenden Duelle mit Plüderhausen II und Musberg gefreut, die just anstanden, als die Coronakrise den Stopp erzwang.

„Es wäre viel schöner gewesen, es auf sportlichem Weg zu schaffen“, sagt Dominik Wörner, der die Verantwortlichen unter den gegebenen Umständen ausdrücklich in Schutz nimmt: „Es gab keine richtig faire Lösung.“ Man habe sich zwischen mehreren ungerechten Varianten für eine entscheiden müssen. Sein Team gehört zu den Nutznießern, bei der eigenen Zweiten sieht es schon anders aus: Der TVM II lag in der Bezirksklasse West nach der Hinserie vorne, beim Abbruch dieser Spielzeit stand nur noch Platz zwei hinter Schmiden zu Buche. Und das mit zwei Partien weniger, in denen zwei Erfolge den erneuten Wachwechsel bedeutet hätten. Solch schwierige Konstellationen lassen Dominik Wörner dafür plädieren, dass die Verbandsoberen im Ländle in Kürze die Entscheidung fällen sollten, dass die Teams auf den Aufstiegsrelegationsplätzen hoch dürfen, diejenigen auf den Abstiegsrelegationsplätzen aber nicht runter müssen.

Für Oliver Letzgus vom TSV Oberbrüden war’s „alternativlos“, die Saison vorzeitig zu beenden. „Ich hätte es aber besser gefunden, die Vorrundentabelle heranzuziehen“, kritisiert der Routinier, „denn dann hätten alle Teams dieselbe Zahl an Spielen gehabt und jeder hätte einmal gegen jeden gespielt gehabt“. So wie es jetzt gehandhabt wird, nämlich dass die aktuelle Tabelle zugleich das Abschlussklassement ist, „kann es eine gewisse Wettbewerbsverzerrung bedeuten“. Nicht so jedoch in den Ligen, in denen die verschiedensten Männerteams des Auenwalder Klubs nun den Weg nach oben antreten. Sowohl die Zweite in der Bezirksliga und die Dritte in der Kreisliga A, die im März die Tabelle anführten, als auch die Vierte in der Kreisliga B und die Fünfte in der Kreisliga C, die den in diesen Spielklassen vorgesehenen zweiten Aufstiegsplatz einnehmen, hätten in allen denkbaren Varianten zu den Glücklichen gehört. Oberbrüdens Frauen steigen als Schlusslicht aus der Landesklasse ab, aber das wäre als Vorletzter „auch bei einem Cut nach der Vorrunde so gewesen“, weiß Oliver Letzgus.

Das Aushängeschild des TSV ist jedoch das erste Männerteam, das als Neuling in der Verbandsklasse um Punkte kämpfte und beim Abbruch den fünften Platz belegte. Mit 14:14 Zählern „wäre wohl auch nichts mehr angebrannt, wenn die Runde zu Ende gespielt worden wäre. Es hat sich abgezeichnet, dass wir unser Saisonziel erreichen“. Das war einzig und allein der Klassenverbleib, nun kann Oberbrüden für eine weitere Runde in der Verbandsklasse planen. Dann kommt es auch wieder zu den stets mit Spannung erwarteten Kräftemessen mit dem TV Murrhardt, der den Aufstieg aus der Landesliga geschafft hat. „Das Nachbarschaftsduell ist eine tolle Sache“, freut sich Oliver Letzgus, der zu der Frage, wie mit den Klubs auf den Relegationsplätzen umzugehen ist, allerdings eine andere Meinung als sein Murrhardter Kollege Dominik Wörner vertritt. Er würde die einen nicht auf- und die anderen nicht absteigen lassen, damit die Anzahl der Teams in den verschiedenen Ligen nicht zu stark auseinanderklafft.

„Niemand konnte sagen, wann der Spielbetrieb wieder gestartet werden kann und die Saison hätte ohnehin nur noch bis 19. April gedauert.“ Vor diesem Hintergrund kann Jutta Ernst vom TTV Burgstetten den bundesweiten Beschluss, die Runde abzubrechen, „voll und ganz akzeptieren, das ist absolut nachvollziehbar“. Mit ihren Oberligafrauen rangiert die Kapitänin wie bereits nach dem Ende der Vorrunde auf dem sechsten Platz, dazu hält sie zufrieden fest: „Das Ziel war der Klassenverbleib ohne den Umweg über die Relegation – und das haben wir erreicht.“ Die Frage, ob die aktuelle Tabelle oder diejenige nach der Hinserie für alle Entscheidungen herangezogen werden sollte, war laut Jutta Ernst „in der Oberliga nicht ganz so problematisch, weil es zwei klare Absteiger und einen klaren Aufsteiger gibt“. In anderen Spielklassen sehe das zum Teil anders aus und „wer noch Chancen hatte, auf einen Aufstiegsplatz zu klettern oder den Abstiegsplatz zu verlassen, ist jetzt vielleicht nicht so glücklich“.

Für den TTV spielt es kaum eine Rolle, denn das zweite Frauenteam war in der Bezirksliga eine Klasse für sich und wäre so oder so aufgestiegen. Und die Männer landeten allesamt irgendwo im Mittelfeld.

Sämtliche Tabellen und damit zugleich den aktuellen Überblick, welche Mannschaften welcher Vereine aus Backnang, Murrhardt und Umgebung durch den Abbruch der Tischtennissaison 2019/2020 aufsteigen oder absteigen, gibt es im Internet unter www.bkz.de/sport/tischtennis.

Hintergrund

Es ist das Ergebnis einer Telefonkonferenz mit Vertretern des Deutschen Tischtennisbundes (DTTB) sowie der 18 Landesverbände, zu denen auch der Tischtennisverband Baden-Württemberg (TTBW) gehört: Die Saison 2019/2020 wird wegen der Auswirkungen der Coronakrise bundesweit mit sofortiger Wirkung abgebrochen, es gibt nur eine Ausnahme: Die selbstständige Tischtennis-Bundesliga der Männer will versuchen, die Runde irgendwie zu beenden.

Für alle anderen Spielklassen von ganz unten bis ganz oben gilt, dass die Tabelle zum Zeitpunkt der jeweiligen Aussetzung des Spielbetriebs (in den allermeisten Fällen nach dem ersten März-Wochenende) als Abschlusstabelle zählt. Die Teams auf den Auf- und Abstiegsplätzen steigen auf beziehungsweise ab. Was mit den Mannschaften auf den Relegationsrängen passiert, darf jeder Landesverband individuell entscheiden. Der TTBW kündigt an, sich hierzu spätestens bis kommenden Dienstag, 7. April, auf seiner Homepage äußern zu wollen.

Der Entschluss, nicht länger zu warten und jetzt unter den geschilderten Bedingungen einen Haken hinter die Runde zu setzen, soll den Vereinen „Planungssicherheit“ auch für die neue Saison verschaffen, erklärt DTTB-Vizepräsidentin Heike Ahlert. Vorausgegangen sei ein konstruktiver Austausch „zu diesem wichtigen und komplexen Thema“, an dem sich die Landesverbände mit Vorschlägen beteiligen konnten, die sie zum Teil auch aus den Bezirken und Kreisen eingeholt hatten. Ahlert räumt jedoch ein, dass es „einige Härtefälle geben wird“, die mit der gewählten Lösung nicht zufrieden sind.

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Erstellt:
3. April 2020, 06:00 Uhr

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