1971: Franz Beckenbauer zu Besuch bei der TSG im Etzwiesenstadion

Als der Kaiser das Murrtal elektrisierte: Im Februar 1971 gastierten Frank Beckenbauer und der FC Bayern München zu einem denkwürdigen Freundschaftsspiel im Etzwiesenstadion. Über 8000 Zuschauer strömten zu den TSG-Fußballern und sorgten bei Kassier Herbert Fritz für eine volle Kasse und anschließend kalte Füße.

Das Gastspiel am 7. Februar 1971 bewegte Massen. Über 8000 Zuschauer wollten den Auftritt der Bayern-Stars um Kapitän Franz Beckenbauer, Torwart Sepp Maier, Hans-Georg Schwarzenbeck, Franz Roth und Gerd Müller (weiße Trikots, von links) sehen. Für die TSG-Fußballer Martin Haas, Gerhard Rieger, Werner Weingärtner, Alfred Zwickl, Uli Einmüllner, Kurt Rieger, Wolfgang Hammel, Roland Weiß, Ernst Werner, Manfred Klumpner und Klaus Köngeter (von links) war’s ein Höhepunkt in ihrer Karriere. Foto: Lothar Fügner

Das Gastspiel am 7. Februar 1971 bewegte Massen. Über 8000 Zuschauer wollten den Auftritt der Bayern-Stars um Kapitän Franz Beckenbauer, Torwart Sepp Maier, Hans-Georg Schwarzenbeck, Franz Roth und Gerd Müller (weiße Trikots, von links) sehen. Für die TSG-Fußballer Martin Haas, Gerhard Rieger, Werner Weingärtner, Alfred Zwickl, Uli Einmüllner, Kurt Rieger, Wolfgang Hammel, Roland Weiß, Ernst Werner, Manfred Klumpner und Klaus Köngeter (von links) war’s ein Höhepunkt in ihrer Karriere. Foto: Lothar Fügner

Von Dieter Gall

Franz Beckenbauer ist tot. Der FC Bayern München verabschiedet sich morgen mit einer Trauerfeier vor 75.000 Zuschauern vom wohl besten deutschen Fußballer aller Zeiten. An den vor gut eineinhalb Wochen im Alter von 78 Jahren verstorbenen Welt- und Europameister erinnert wird allerdings nicht nur bei dem Verein, bei dem Beckenbauer und der mithilfe Beckenbauers groß wurde. Auch in der Backnanger Bucht werden Erinnerungen wach. Daran, dass Beckenbauer hier Verwandte hatte und an ein Freundschaftsspiel vor 53 Jahren. Das Stadion in den Etzwiesen war brechend voll. Es war eine Sensation, als der große FC Bayern beim damaligen Erst-Amateurligisten TSG gastierte.

Zustande gekommen war der Auftritt des Münchner Starensembles dank des früheren Vorsitzenden und heutigen Ehrenvorsitzenden der TSG-Fußballer Manfred Bergmüller. Amtierender Deutscher Meister war zwar Borussia Mönchengladbach, doch der FCB war die Größe im deutschen Fußball, vor allem wegen Spielern wie Beckenbauer.

Im Jahrhundertspiel bei der WM 1970 in Mexiko zum Weltstar geworden

Noch gut in Erinnerung hatten die Anhänger damals die Fußball-WM 1970. Als 24-Jähriger hatte Beckenbauer mit der DFB-Elf im Halbfinale das sogenannte Jahrhundertspiel gegen Italien mit 3:4 nach Verlängerung verloren. Unvergessen für Zeitzeugen sind heute noch der große Kampf und das Drama um die lädierte Schulter des Münchners. Der stieg neben dem legendären brasilianischen Wunderspielers Pelé zur Ikone des Fußballs auf.

Manfred Bergmüller greift zum Telefonhörer und ruft Robert Schwan einfach mal an

Nun gastierten Beckenbauer und die vielen anderen Stars in den Etzwiesen. Dafür gesorgt hatte Manfred Bergmüller: „Ich war TSG-Vorsitzender und nahm telefonisch Kontakt auf mit Robert Schwan, Präsidiumsmitglied der Bayern und Beckenbauers Berater.“ 15.000 Deutsche Mark inklusive der Reisekosten für eine Busfahrt von München nach Backnang hatte Schwan verlangt.

Bedenken in Backnang, dass das Gastspiel zum finanziellen Fiasko wird

Bergmüller stieß aber auf Widerstand: „Meinen Vorstandskollegen Kurt Stockburger und Kassier Herbert Fritz war das Risiko zu groß. Vor allem Fritz wollte nicht mitspielen. Er rechnete vor, dass mindestens 5.000 Besucher kommen mussten, damit es kein finanzielles Desaster gibt.“ Bergmüller und Stockburger gingen schließlich persönlich in die Haftung, aber Herbert Fritz war weiterhin nicht überzeugt: „So viel Zuschauer kommen nie. Wenn doch, laufe ich barfuß eine Ehrenrunde im Stadion.“ Letztlich pilgerten mehr als 8.000 Fans ins Murrtal, bei Eintrittspreisen zwischen drei und fünf Mark. Fritz freute sich über ein sattes Plus in der Kasse und holte sich kalte Füße.

Nicht nur TSG-Kassier Herbert Fritz bekommt kalte Füße

Dabei wäre die Partie am Sonntag, 7. Februar 1971, fast ausgefallen. Im winterlichen München lag Schnee. Das veranlasste die Bayern, das Spiel einfach abzusagen. Dabei hatte die TSG im Vorverkauf schon 4.000 Tickets abgesetzt. Schwan war nicht mehr zu erreichen. Bergmüller, als Unternehmer im Verhandeln versiert, blieb aber hartnäckig. Er setzte sich mit dem Chef des Süddeutschen Fußballverbands Siegfried Kronenbitter in Verbindung. Der sorgte dafür, dass Robert Schwan sich wieder meldete. „Wir haben dann vereinbart, dass die Bayern mit dem Flugzeug nach Stuttgart kommen und dort per Bus nach Backnang gefahren werden. Ohne Mehrkosten für die TSG“, erzählt Bergmüller mit einigem Stolz.

Der Traum wurde Wirklichkeit. Neben Beckenbauer standen mit Torwart Sepp Maier, Hans-Georg „Katsche“ Schwarzenbeck, Franz „Bulle“ Roth oder Torjäger Gerd Müller die Topstars der damaligen Generation in Backnang auf dem Rasen. Mit dabei war auch ein 19-Jähriger namens Uli Hoeneß, der drei Jahre später als Fußballer zu Weltmeisterehren kam und sich danach zum besten Vereinsmanager der Bundesligageschichte entwickelte. Das Spiel endete standesgemäß mit 11:1 für die Bayern, aber das Ehrentor der TSG von Martin Haas wurde von den Fans frenetisch gefeiert.

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Erstellt:
18. Januar 2024, 11:30 Uhr

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