Aufhörer, Rückkehrer und Pausierer

Handball-Drittligist HC Oppenweiler/Backnang nimmt im letzten Saisonspiel Abschied von drei prägenden Akteuren. Marcel Lenz, Kevin Wolf und Felix Raff stehen am morgigen Samstag somit im Fokus bei der Heimbegegnung im Ligapokal gegen den HC Erlangen II.

Kevin Wolf ist einer von drei prägenden Akteuren, die morgen Abschied beim HC Oppenweiler/Backnang nehmen. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Kevin Wolf ist einer von drei prägenden Akteuren, die morgen Abschied beim HC Oppenweiler/Backnang nehmen. Foto: Alexander Becher

Von Alexander Hornauer

Es wird mit ziemlicher Sicherheit ein emotionaler Abend. Wenn die Handballer des HC Oppenweiler/Backnang am morgigen Samstag (20 Uhr) zum Saisonabschluss gegen den HC Erlangen II antreten, stehen die Spieler im Fokus, die zum (vorerst) letzten Mal für die Murrtaler spielen. Dies sind Marcel Lenz, Kevin Wolf und Felix Raff – allesamt Akteure, die über einen langen Zeitraum hinweg eine feste Größe im Drittliga-Team des HCOB waren.

In puncto Abschlusstabelle herrscht vor dem sechsten und damit letzten Spiel im Ligapokal Planungssicherheit. Der HC Erlangen II hat alle Spiele gewonnen und ist Gruppensieger. Zuletzt fegte die Mannschaft um den Rückraumspieler und Torschützenkönig Tarek Marschall (127) den TuS Fürstenfeldbruck aus der Halle. Bemerkenswert dabei: der Halbzeitstand von 21:9. Fürstenfeldbruck dürfte es verkraften, sie standen als Zweiter fest – und weil Erlangen als Bundesliga-Reserve nicht im DHB-Pokal starten darf, hatten sie das Ticket für den nationalen Pokalwettbewerb schon vor diesem Match in der Tasche. Der HCOB läuft als Dritter über die Ziellinie, zuletzt immerhin mit dem guten Gefühl, sich doppelter Derbysieger nennen zu dürfen. Beim TSB Horkheim macht sich angesichts einer Bilanz von 0:10 Punkten Frust breit.

Für den HCOB ist es sportlich reizvoll, zum Abschluss gegen die erfolgreichste Mannschaft des Wettbewerbs zu spielen. Wobei sich angesichts der konstant guten Ergebnisse der Erlanger – nicht nur im Ligapokal, sondern als Staffelsieger der Gruppe E zuvor auch in der Hauptrunde – die Frage stellt: Sind die Franken derzeit überhaupt irgendwie zu bremsen? HCOB-Trainer Matthias Heineke sagt Ja, „und das wollen wir am Samstag auch zeigen“.

Schwer sei die Aufgabe auf jeden Fall, aber mit einer Topleistung bestehe sehr wohl eine Chance auf einen finalen Heimsieg. Konkret kann das bedeuten: „Wir müssen im Angriff geduldig sein und viele Tore werfen. Und wir dürfen nur wenig leichte Fehler machen, um ihre Konter zu kontrollieren.“ Die größte Motivation sei die Tatsache, „dass es das letzte Spiel für einige tolle Spieler ist, die über Jahre hinweg mitverantwortlich für unsere Entwicklung waren. Alle wollen diese Spieler mit einem guten und erfolgreichen Spiel verabschieden“, sagt Heineke. Das sind die Akteure:

Marcel Lenz, der Aufhörer. 16 Tore gegen seinen Ex-Verein TSB Horkheim – Marcel Lenz unterstrich am vergangenen Wochenende einmal mehr, was ohnehin jeder Handballinteressierte weiß: dass er ein herausragender Außenspieler in der Dritten Liga ist. Er erzielte in vier Jahren 620 Treffer für den HCOB, und um das in einen sporthistorischen Kontext zu bringen, er ist damit ein Top-Ten-Torschütze der Vereinsgeschichte. Lenz geht auf Weltreise und wird nicht aufs Handballfeld zurückkehren.

Kevin Wolf, der Rückkehrer. Fünfeinhalb Jahre für den HCOB im Einsatz (136 Spiele, 453 Tore), eine tragende Säule, Lenker und Denker im Rückraum. Kevin Wolf hat die Entwicklung des HCOB vom Abstiegskandidaten zu einem etablierten und nach vorne orientierten Team der Dritten Liga nicht nur mitgemacht, sondern mitgestaltet. Auch in dieser Saison lief er im neuen Jahr wiederholt zur Bestform auf. Sein Abschied schmerzt, auch menschlich. Handball spielt er weiter, er kehrt zum SV Salamander Kornwestheim zurück.

Felix Raff, der Pausierer. 2017 kam er zum HCOB, gerade am Übergang von der Jugend zu den Aktiven. Er ist fest im Team verankert, beliebt bei Mitspielern und Zuschauern und brachte es auf 90 Einsätze und 204 Tore. Zuletzt erzielte er mit dem Siegtor beim Derbysieg in Horkheim ein ganz besonders bedeutsames. Seit geraumer Zeit studiert er in München, zeitweise ließ es sich – Stichwort: Online-Vorlesung – mit dem Handball beim HCOB zeitlich und organisatorisch verbinden. Auf Dauer ist es zu weit. Ob er woanders spielen will, ist ungewiss. Gut denkbar ist, dass er eine Pause einlegt. Und wenn man genau hinhört, dann glaubt man wahrzunehmen: Irgendwann will er wieder ins grüne Trikot zurückkehren. Zuletzt musste Felix Raff zwei Spiele aussetzen, am morgigen Samstag ist er gegen Erlangen noch einmal dabei.

Vierter HCOB-Abgang steigt mit der TSG Söflingen ab

Abgang Der HCOB hat einen vierten Abgang, allerdings schon seit ein paar Wochen: Isaiah Klein. Er wechselte zur TSG Söflingen, wollte dort beim Projekt Nichtabstieg mitwirken, doch bis die Sperrzeit (zwei Monate) abgelaufen war, waren die Ulmer schon abgestiegen. Am vergangenen Wochenende wirkte Klein im Spiel bei TUSEM Essen II mit, prompt gab es einen Sieg. Gerne hätte der HCOB ihn vor großem Rahmen verabschiedet, aber morgen geht es nicht, er spielt mit seinem neuen Klub.

Tickets Wer sich vorab ein Ticket kaufen will, kann das unter www.hcob.de/tickets tun. Die Begegnung aus der Gemeindehalle wird live auf Sportdeutschland.TV übertragen. Wer zuschauen möchte, benötigt einen Account und ein Ticket zum Preis von 4,50 Euro.

Gegner Handballspiele zwischen Erlangen und dem HCOB haben eine Tradition. In den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts maß sich der TVO sowohl mit der HG als auch mit der CSG Erlangen. Beide Vereine schafften für sich den Sprung in die Zweite Bundesliga. Aus finanziellen Erwägungen schlossen sich beide Vereine 2001 zum HC Erlangen zusammen. Etwa ab 2010 verbesserten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der HCE stieg in die Bundesliga auf und ist dort mittlerweile sehr gut etabliert. Die zweite Mannschaft gewann im Jahr 2017 die bayrische Meisterschaft und ist seitdem in der Dritten Liga vertreten.

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Erstellt:
13. Mai 2022, 16:00 Uhr

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