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Backnang erlebt die WM-Generalprobe

Deutsche Turner treffen am Samstag ab 18.30 Uhr beim Länderkampf in der Karl-Euerle-Halle auf Großbritannien und Rumänien

Der Weg zur Weltmeisterschaft in Stuttgart führt für die deutschen Spitzenturner über Backnang. Die Generalprobe für die Titelkämpfe, die vom 4. bis zum 13. Oktober in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle stattfinden, steigt an diesem Samstag ab 18.30 Uhr in der Karl-Euerle-Halle. Andreas Toba, Lukas Dauser und deren Mitstreiter unterziehen sich mit dem Länderkampf gegen Großbritannien und Rumänien einem echten Härtetest.

Wird sich auch in Backnang mächtig reinhängen, um für die WM in Stuttgart im Oktober gerüstet zu sein: Lukas Dauser. Foto: Imago

© imago/ZUMA Press

Wird sich auch in Backnang mächtig reinhängen, um für die WM in Stuttgart im Oktober gerüstet zu sein: Lukas Dauser. Foto: Imago

Von Steffen Grün

Stuttgart ist nach 1989 und 2007 bereits zum dritten Mal der WM-Schauplatz im Turnen, am 16. Mai 2015 bekam die baden-württembergische Landeshauptstadt vom Weltverband den Vorzug vor Rotterdam. Damals steckte sich auch der Backnanger Sebastian Krimmer das klare Ziel, mit dann 29 Jahren auf der Zielgeraden seiner erfolgreichen Karriere bei den Titelkämpfen vor der eigenen Haustür mitzumischen. Es war ein schleichender Prozess, bis der Barren- und Pauschenpferdspezialist rund um den Jahreswechsel 2018/2019 die Entscheidung traf, keine internationalen Wettkämpfe mehr zu turnen, weil seine operierte Schulter nicht richtig mitspielte.

Der Kontakt zu seinen ehemaligen Kollegen im Nationalteam ist aber weiterhin recht eng, weshalb Krimmer die WM-Vorbereitungen mit großem Interesse verfolgt und entscheidenden Anteil daran hat, dass mit der TSG Backnang sein Heimatverein die Generalprobe der Deutschen ausrichten darf. Anders als vor den eigenen WM-Starts, als solche Länderkämpfe meistens noch interne Ausscheidungen waren „und es für mich darum ging, überhaupt dabei zu sein“, hat der Bundestrainer seine wichtigsten Entscheidungen dieses Mal bereits gefällt. Wie der Deutsche Turner-Bund am Montag nach dem abschließenden Test im Trainingslager in Kienbaum verriet, setzt Andreas Hirsch auf Andreas Toba (TK Hannover), Karim Rida (SC Berlin), Marcel Nguyen, Lukas Dauser (beide TSV Unterhaching) und Nick Klessing (SV Halle). Als Ersatzturner für Stuttgart ist mit Felix Remuta derzeit ein dritter Unterhachinger eingeplant, der in Backnang am Samstag allerdings unter besonderer Beobachtung stehen wird und seine Nominierung rechtfertigen muss, weil auch noch Philipp Herder und Nils Dunkel infrage kommen.

Doch nicht nur Remuta will mit seinem Auftritt in der Karl-Euerle-Halle für sich werben, auch die aktuell als Stammkräfte vorgesehenen Athleten stehen unter Zugzwang. „Das ist kein Wettkampf, der auf die leichte Schulter genommen wird“, sagt Krimmer, zumal der Kader bis direkt vor dem WM-Start „nicht in Stein gemeißelt“ sei. Bedeutet: Zeigt ein Turner ungeahnte Schwächen, kann der Bundestrainer stets reagieren. Hirsch hält sich die Möglichkeit auch ausdrücklich offen: „Sollten wir feststellen, dass es noch Veränderungsbedarf gibt, werden wir sicherlich handeln.“ Zudem stehen hinter zwei Turnern wegen zurückliegender Verletzungen weiter kleine Fragezeichen: Nguyen plagte sich des Öfteren mit Schulterproblemen herum, Dauser lieferte sich nach seinem am 18. Juni erlittenen Bruch des Mittelhandknochens ein Rennen gegen die Zeit. Er scheint es gewonnen zu haben und ist entsprechend erleichtert: „Mir fällt natürlich ein Stein vom Herzen, dass es geklappt hat und ich so schnell ins Team zurückkehren konnte. Nun wollen wir zeigen, was wir drauf haben, und eine erfolgreiche WM turnen.“

Sich für die Olympischen Spiele in Tokio zu qualifizieren, steht für das deutsche Team in Stuttgart über allem. Zwölf Nationen werden 2020 im Zeichen der Ringe turnen, drei stehen mit Japan, China und Russland bereits fest. Neun Tickets sind in der Schleyer-Halle noch zu vergeben, eines davon wollen sich Andreas Toba und seine Kollegen sichern. Ob das klappt, entscheidet sich bereits in der Qualifikation am 6. und 7. Oktober. Willkommene Zugaben bei der WM im eigenen Land wären für die Deutschen der Einzug ins Teamfinale am 9. Oktober oder der Sprung einzelner Turner in die Finals im Mehrkampf sowie an den verschiedenen Geräten.

„Es ist wichtig, noch einmal eine Standortbestimmung zu haben“, sagt Krimmer, der 2012 bei den Olympischen Spielen in London startete, vor dem Länderkampf in Backnang. Er rechnet damit, dass die Ex-Kollegen dem Publikum die Übungen präsentieren, die sie auch in Stuttgart in Perfektion zeigen wollen. Selbiges dürfte für die Rivalen gelten. Bei den Briten ist Max Whitlock, Doppel-Olympiasieger von 2016 in Rio de Janeiro, das Aushängeschild. Rumänien hat einen 38-jährigen Turnveteranen dabei: Marian Dragulescu holte schon in Athen bei den Olympischen Spielen 2004 eine Silbermedaille und zweimal Bronze, wurde mehrmals Welt- und Europameister und hat am Sprung ein Element kreiert, das seitdem seinen Namen trägt.

Info
Tickets an der Tageskasse

Wer internationales Spitzenturnen in Backnang erleben will, kann sich die Tickets am Samstag vor Ort in der Karl-Euerle-Halle sichern. Der Länderkampf mit Deutschland, Großbritannien und Rumänien beginnt um 18.30 Uhr, die Halle öffnet um 17.30 Uhr. Erwachsene bezahlen 19 Euro für einen Sitz- und 10 Euro für einen Stehplatz. Für Kinder von 6 bis 14 Jahren werden 9,50 beziehungsweise 5 Euro fällig. Kinder bis 5 Jahre haben ohne Anspruch auf einen Sitzplatz freien Eintritt.

Bereits um 14 Uhr starten die TSG-Turner mit einem Heimwettkampf gegen den KTV Straubenhardt II in die DrittligaSaison. Wer schon mittags ein Ticket für abends erwirbt, bezahlt nichts extra, sonst kostet der Eintritt 5 Euro (ermäßigt 3).

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Erstellt:
12. September 2019, 06:00 Uhr

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