Backnanger Judofrauen holen dritten Titel

Am letzten Kampftag setzt sich das TSG-Team gegen die HTG Bad Homburg mit 11:3 und gegen den Gastgeber JC 66 Bottrop mit 10:4 durch. „Ein Kompliment an das Team und Danke an alle Unterstützer. Wir sind stolz, dass wir alles so gemeistert haben“, freut sich Trainer Jens Holderle.

Sanne van Dijke, Malin Fischer, Lubjana Piovesana, Julia Mollet, Sarah Mäkelburg, Alina Böhm, Raffaela Igl, Anamari Velensek, Anna-Maria Wagner, Physiotherapeutin Stephanie Holderle, Trainer Jens Holderle (hinten von links), Sarah Mehlau, Nikita Krieger, Viktoria Folger, Chiara Serra, Amelie Stoll, Tanja Hehr, Jasmin Delorme (vorne) jubeln über Gold. Foto: F. Hoffmann

© Felix Hoffmann

Sanne van Dijke, Malin Fischer, Lubjana Piovesana, Julia Mollet, Sarah Mäkelburg, Alina Böhm, Raffaela Igl, Anamari Velensek, Anna-Maria Wagner, Physiotherapeutin Stephanie Holderle, Trainer Jens Holderle (hinten von links), Sarah Mehlau, Nikita Krieger, Viktoria Folger, Chiara Serra, Amelie Stoll, Tanja Hehr, Jasmin Delorme (vorne) jubeln über Gold. Foto: F. Hoffmann

Von Katharina Averhage

Neue Saison, neues Glück – nächster Titel. Für die Bundesliga-Frauen der TSG Backnang lief es zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte rund. Sie machten am letzten von insgesamt drei Kampftagen in Bottrop den Sack zu und holten nach 2017 und 2018 den dritten Titel. Stolz zeigt sich Trainer Jens Holderle in Hinblick auf die Mannschaft: „Es war extrem wichtig, dass das Team geschlossen zusammenstand und auch die moralische Unterstützung vom Mattenrand aus da war.“ So reiste zum Beispiel Olympionikin Anna-Maria Wagner an, obwohl sie nicht kämpfte. Ein wichtiges Signal für die restlichen Kämpferinnen: „Da steht das Team einfach direkt ganz anders da“, so Coach Holderle.

Ins Rennen ging Backnang als Zweiter der Tabelle hinter dem JSV Speyer. Dieser musste jedoch nicht mehr auf die Matte. Bottrop hatte hingegen genau wie Backnang noch Chancen auf den Titelgewinn. Die TSG-Frauen trafen zunächst auf die HTG Bad Homburg. Mit 11:3 (Unterbewertung 110:30) setzte Backnang sich klar durch. Für zwei der drei verlorenen Kampfbegegnungen war die nicht besetzte Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm verantwortlich. Den dritten Zähler gab TSG-Kämpferin Chiara Serra (bis 52 Kilogramm) gegen Diana Süß ab, das Duell ging nach 52 Sekunden an Bad Homburg. Erfreulich war für Holderle, dass Sarah Mäkelburg auf die Matte ging, denn der Start war bis kurz vor dem Kampftag ungewiss: „Mitte der Woche sah es noch nicht so aus, als ob sie kämpfen könnte. Dass es dann doch geklappt hat, hat dem Team noch mal eine gewisse Sicherheit gegeben“, so der Trainer. Obwohl es laut den Ergebnissen nicht so aussehe, waren die Kämpfe nicht einfach. Sein Urteil fällt dementsprechend sehr positiv aus: „Wir haben alle Kämpfe gut und dominant bestritten, wenn es auch nicht immer so deutlich war, wie der Endstand es signalisiert.“

Bei der Begegnung mit dem JC 66 Bottrop zeigte die TSG erneut ihre Klasse. Die Kategorie bis 48 Kilogramm ging für Backnang zwar wieder verloren. Zusätzlich waren auch die Kämpfe von Julia Mollet (bis 52) gegen Roxana Conradus und Sarah Melau (bis 70) gegen Lea Püschel aussichtslos. Das konnte der TSG aber nichts anhaben. Holderles Highlight: „Sanne van Dijke hat souverän gegen Renée van Harselaar gekämpft. Die beiden kennen sich aus dem Training und Sanne packte ganz anders zu, als es vielleicht eine andere Kämpferin gemacht hätte“, so der Trainer begeistert. Auch über die Leistung von Chiara Serra freut sich Holderle: „Sie hat ihre Niederlage abgehakt, stark gekämpft und dominiert.“ 10:4 lautete das Endergebnis, Backnang war erneut Meister – und das fast ganz ohne die üblichen großen Namen.

Judo-Frauen der TSG sind Deutscher Meister
Die Frauen-Mannschaft der TSG Backnang Judo hat ihre letzten beiden Kämpfe der Bundesliga-Saison in Bottrop klar gewonnen und ist zum dritten Mal Deutscher Meister.

„Mir war es wichtig, dass nicht nur Topleute gewinnen. Das zeigt, was für ein starkes Team wir haben“, jubelt Holderle. Eine Meisterfeier gab es im Anschluss zwar nicht, aber mit Pizza und Sekt wurde der Triumph im kleinen Kreis gewürdigt. Mehr war nach dem langen Tag auch nicht drin: „Wir sind morgens vor 7 Uhr in Backnang losgefahren und waren um 2.30 Uhr nachts wieder daheim. Das mit der Feier holen wir nach“, verspricht der Coach. Er selbst kann es noch gar nicht so richtig glauben, dass der dritte Titel Wirklichkeit geworden ist: „So blöd es klingt, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach geht.“

Besonders emotional ist für den Trainer, dass der erste Titel 2017 ebenfalls in Bottrop an Backnang ging. Eine derjenigen Kämpferinnen, die damals dabei war und jahrelang zur Stammbesetzung gehörte, schlüpfte nun auch zum allerletzten Mal in das Backnanger Dress: Jasmine Delorme. Zwar wurde die Judoka schon beim Heimwettkampf verabschiedet, aber sie blieb dem Team die Saison über noch als Stütze vom Mattenrand aus erhalten. „Es war sehr schön, für sie und uns zu sehen, wie sich jetzt quasi der Kreis geschlossen hat. Das war schon emotional“, gesteht Holderle.

Insgesamt zieht er eine positive Bilanz für die Coronasaison. Rein sportlich gesehen waren es für ihn die vielleicht anstrengendsten Monate seiner Trainerzeit. „Es war brutal, obwohl es nur drei Kampftage waren. Im Gegensatz zu den Jahren davor durften wir uns keinen Fehltritt leisten. Gleichzeitig war monatelang nichts los und dann konzentrierte sich alles, auch Turniere außerhalb der Bundesliga, auf wenige Wochenenden. Es war extrem stressig und wir hatten quasi keine Planungssicherheit“, schildert Holderle. Auch einen Umstand kannte er so bisher noch nicht: „Unsere eigentlichen Paradedisziplinen bis 48 und 52 Kilogramm waren unser Sorgenkind. Gefühlt war einfach der Wurm drin“, gibt er zu. Ganz vorbei mit dem Stress ist trotz des Titels nun noch nicht. Am 11. Dezember findet in Prag die European League statt, zu der sich die Backnanger Frauen bereits 2019 mit dem deutschen Vizemeistertitel qualifiziert hatten. Gemeldet ist die TSG schon, aber mit wie vielen Kämpferinnen sie anreisen wird, ist noch nicht sicher.

Ergebnisse, TSG Backnang – HTG Bad Homburg 11:3 (Unterbewertung 110:30): Bis 48 Kilogramm: nicht besetzt – Lisanne Sturm 0:1; bis 70: Sarah Mäkelburg – Nathalie List 1:0; bis 63: Lubjana Piovesana – Marie Klose 1:0; über 78: Anamari Klementine Velensek – Lisa Männche 1:0; bis 57: Amelie Stoll – Lena Zierner 1:0; bis 52: Julia Mollet – Diana Süß 1:0; bis 78: Alina Böhm – Slata Zlatin 1:0; bis 48: nicht besetzt – Lisanne Sturm 0:1; bis 70: Sarah Mehlau – Diana Storch 1:0; bis 63: Malin Fischer – Jessica Schusdziarra 1:0; über 78: Anamari Klementine Velensek – Slata Zlatin 1:0; bis 57: Amelie Stoll – Rebecca Regnery 1:0; bis 52: Chiara Serra – Diana Süß 0:1; bis 78: Raffaela Igl – Nathalie Lapp 1:0.

TSG Backnang – JC 66 Bottrop 10:4 (Unterbewertung 97:40): Bis 48: Nikita Krieger – Amber Gersjes 0:1; bis 70: Sarah Mäkelburg – Alina Fiedler 1:0; bis 63: Viktoria Folger – Marie König 1:0; über 78: Anamari Klementine Velensek – Hannah Schatten 1:0; bis 57: Theresa Stoll – Nehle Majken Wakup 1:0; bis 52: Julia Mollet – Roxana Conradus 0:1; bis 78: Sanne van Dijke – Renée van Harselaar 1:0; bis 48: Nikita Krieger – Amber Gersjes 0:1; bis 70: Sarah Mehlau – Lea Püschel 0:1; bis 63: Viktoria Folger – Lilly Marie Büssenmeyer 1:0; über 78: Anamari Klementine Velensek – Hannah Schatten 1:0; bis 57: Amelie Stoll – Laila Göbel 1:0; bis 52: Chiara Serra – Roxana Conradus 1:0; bis 78: Sanne van Dijke – Renée van Harselaar 1:0.

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Erstellt:
8. November 2021, 06:00 Uhr

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