Backnangs Oberliga-Fußballer funken SOS

Der TSG fehlt fast die Hälfte des Kaders, nachdem sich nun auch noch Verteidiger Marc Bitzer sowie Torwart Julian Guttenson schwerer verletzt haben und Routinier Shqiprim Binakaj aus beruflichen Gründen aufhört. Das für Samstag geplante Testspiel in Echterdingen steht auf der Kippe.

Shqiprim Binakaj ist ab sofort nicht mehr für die TSG am Ball. Aus beruflichen Gründen hat der Mittelfeldspieler keine Zeit mehr, um dem Oberligisten weiterzuhelfen. Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Shqiprim Binakaj ist ab sofort nicht mehr für die TSG am Ball. Aus beruflichen Gründen hat der Mittelfeldspieler keine Zeit mehr, um dem Oberligisten weiterzuhelfen. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

„Die letzten Tage waren alles andere als vergnügungssteuerpflichtig“, erzählt Marc Erdmann. Das Urteil von Mario Marinic fällt sogar noch ein wenig drastischer aus: „Es ist brutal, was gerade passiert.“ Das Vorstandsmitglied und der Trainer des Fußball-Oberligisten TSG Backnang sprechen von der personellen Situation. „Die vergangenen Tage waren überschattet von Hiobsbotschaften“, sagt Erdmann. Zehn Spieler fehlen mittlerweile, nachdem sich nun auch noch Torwart Julian Guttenson und Defensivallrounder Marc Bitzer so schwer verletzten, dass eine lange Ausfallzeit droht. Hinzu kommt Routinier Shqiprim Binakaj, der dem Tabellenvierten aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung steht.

„Aktuell gehen wir am Stock. Qualitativ und quantitativ“, erklärt Erdmann. Bereits im ersten Halbjahr hatte sein Klub personelle Probleme gehabt. Mit Abwehrchef Michl Bauer und Torhüter Marcel Knauß sind zwei sogenannte Leistungsträger mit Kreuzbandrissen seit Beginn der Saison und seit Mitte der Vorrunde raus. Auch Offensivmann Niklas Pollex fehlte wegen eines Wadenbeinbruchs lange. Hinzu kamen der eine oder andere Coronafall und andere Kranke und Verletzte. Teilweise standen bei Punktspielen nur noch 13 Fußballer zur Verfügung. Trotzdem war die TSG viele Wochen überraschend Spitzenreiter. Eine klasse Leistung für eine Mannschaft, die vor allem zum Ziel hat, nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu bekommen.

Der Klub aus den Etzwiesen beklagt derzeit zehn fehlende Spieler

Nun fragt sich Mario Marinic, „was wir verbrochen haben“. Zu Beginn der Woche waren es gerade noch zwölf Spieler, die der 37-Jährige im Training begrüßen durfte. Drei Akteure fehlten coronabedingt und neben den Langzeitverletzten Bauer sowie Knauß waren auch Niklas Kalafatis (langwierige Zehenverletzung), Rückkehrer Atha Coutroumpas (Nachwirkungen einer Knie-OP) und Marc Bitzer sowie Shqiprim Binakaj nicht beim Mannschaftstraining dabei. Der defensiv sowohl im zentralen Mittelfeld wie als Innenverteidiger einsetzbare Bitzer (31 Jahre), da er sich kurz zuvor im Training eine Meniskusverletzung zugezogen hatte. Der frühere Drittliga-Fußballer Binakaj (32), weil er aus beruflichen Gründen nicht mehr den Aufwand betreiben kann, um in der Oberliga sein Leistungsvermögen abzurufen. „Und nun fällt Torwart Guttenson auch noch aus“, erzählt der Torjäger und Coach in Personalunion. Eine Sprunggelenkverletzung, die eventuell eine Operation nötig macht, setzt den 20-Jährigen für einige Wochen außer Gefecht. Nachdem Stammkeeper Knauß in dieser Saison sehr wahrscheinlich ebenfalls nicht mehr zur Verfügung steht, haben die Backnanger mit Mika Wilhelm nur noch einen Schlussmann im Kader. Und der war in der Vorrunde auch nicht ganz ohne Verletzungsproblemchen.

„Unser Team gleicht aktuell mehr einer Krankenstation als einer Fußballmannschaft“, weiß Marc Erdmann, der im TSG-Vorstand für die erste Mannschaft verantwortlich zeichnet und sagt: „Wir sind nahezu gezwungen, personell zu reagieren. Insbesondere vermutlich auf der Torspielerposition, der Außenbahn und in der Innenverteidigung.“ Ohne Marc Bitzer und Michl Bauer gibt’s zum Beispiel in der Abwehrzentrale nur noch Patrick Tichy und Thomas Doser als gelernte Fachkräfte.

Marc Erdmann schaut sich bereits nach Verstärkungen für den Kader um

„Wir brauchen noch Spieler“, steht für Mario Marinic fest und wird mit seiner Forderung vom Manager erhört. „Wir werden versuchen, unsere breit aufgestellten Netzwerke zu nutzen“, verspricht Marc Erdmann, warnt jedoch: „Das wird gerade in der Wintertransferperiode alles andere als ein einfaches Unterfangen. Sicherlich brauchen wir auch ein Quäntchen Glück und Kreativität, um die Ausfälle zu kompensieren.“ Zumal es nur noch elf Tage bis zum Ende der Transferperiode sowie gut einen Monat bis zum Beginn der Rückrunde sind.

Die Zeit drängt, soll die Vorbereitung auf die restlichen 19 von insgesamt 38 Saisonspielen wenigstens einigermaßen passen. „Derzeit habe ich so wenig Spieler, dass es problematisch ist, einen vernünftigen Trainingsbetrieb darstellen zu können“, erzählt Mario Marinic und ist „gottfroh über unsere sehr gute Vorrunde“. Wobei das Polster der viertplatzierten TSG auf einen möglichen Abstiegsplatz trotzdem nur sieben Punkte beträgt. Ein Selbstläufer wird die restliche Runde also ganz und gar nicht. Backnangs Coach denkt deshalb darüber nach, zumindest vorläufig jedes weitere Risiko zu vermeiden, und sagt: „Das für Samstag beim Landesligisten TV Echterdingen geplante Testspiel steht auf der Kippe.“ Er hat genug daran zu knabbern, dass er gerade auf fast die Hälfte seiner Jungs verzichten muss.

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Erstellt:
20. Januar 2022, 06:00 Uhr

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