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Beethoven am Ball

Kai Havertz spielt virtuos – aber wie lange noch bei Bayer?

An diesem Samstag (15.30 Uhr) ist Kai Havertz zu Gast in Stuttgart. Das ist gut für alle, die den schönen Fußball lieben. Für den Gegner, den VfB, ist es eher eine schlechte Nachricht.

Leverkusen/Stuttgart Zusätzlich zu seinem Hauptberuf als erster Torwart hat Lukas Hradecky in Leverkusen ja noch einen Nebenjob – den des vielseitigen Kommentators. Läuft im Bayer-Ensemble mal wieder etwas schief, tritt er zuverlässig als schnörkelloser Kritiker in Erscheinung. Noch näher liegt dem 29-Jährigen die Rolle des augenzwinkernden Humoristen, der sich auch selbst gerne mal auf den Arm nimmt. Wie zu Saisonbeginn, als der leidenschaftliche Fleischesser kurz nach seiner Kiefer-OP erklärte, er vermisse vor allem die Steaks. Das war witzig – geradezu feierlich kann der Keeper aus Finnland allerdings werden, wenn es um Kai Havertz geht.

Bayers 19-jähriger Ballzauberer verzückt das Publikum schon seit dem 15. Oktober 2016 – seit dem Tag, als er mit 17 Jahren und 126 Tagen zum jüngsten Bundesliga-Debütanten in der Geschichte des Werksclubs avancierte. Die hohen Erwartungen erfüllte der gebürtige Aachener anschließend mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit. Noch immer im Teenageralter, schwang er sich in Leverkusens Ensemble der Hochbegabten in dieser Saison zur absoluten Stammkraft auf, sodass der zehn Jahre ältere Hradecky schwärmt: „Es ist eine Ehre, mit so einem Spieler spielen zu dürfen.“

Laut Sportgeschäftsführer Rudi Völler („Er wird bleiben – egal, auf welchem Platz wir landen“) soll das auch in der nächsten Saison noch so sein. Schließlich ist im bis 2022 laufenden Vertrag von Havertz keine Ausstiegsklausel verankert – im Gegensatz zu dem seines Kumpels Julian Brandt, der bis 2021 an die Rheinländer gebunden ist, den Club im Sommer aber für rund 25 Millionen Euro verlassen könnte.

Unterschiedliche Rahmenbedingungen also, ähnlich groß dürfte hingegen das ­Bedürfnis beider Spieler sein, im Herbst wieder international zu spielen. Am liebsten natürlich in der Champions League.

Nach der jüngsten Ergebnisdelle sind für das Team von Peter Bosz vor der Partie an diesem Samstag (15.30 Uhr) beim VfB Stuttgart jedoch selbst die Aussichten auf die Europa League nicht eben rosig. Brandt (22) kündigte gerade an, er werde sich zur Wechsel-Thematik bis zur finalen Liga-Partie am 18. Mai in Berlin nicht mehr äußern. „Die restliche Saison ist mir zu wichtig, als dass ich mich mit anderen Sachen beschäftige“, betonte der gebürtige Bremer und erwähnte gleich sein Vorbild bei dieser Strategie: „Kai hat das ganz gut gesagt – wir spielen die Saison zu Ende und schauen dann, wie wir und der Verein stehen.“

Speziell bei Havertz stehen dabei inzwischen gewaltige Summen im Raum. So sollen die Bayern für den Sommer des kommenden Jahres einen 75 Millionen Euro schweren Transfer für Bayers Nummer 29 vorbereiten, die Rheinländer verlangen für das „Jahrhunderttalent“ (Völler) angeblich mindestens 100 Millionen Euro. Auswirkungen auf die Leistungen des Mittelfeld­akteurs hat das Dauertheater jedoch nicht.

Gelitten haben dagegen seit geraumer Zeit Havertz’ Künste am Piano. Früher spielte er fast täglich Klavier, nahm Unterricht, inzwischen fehlt ihm die Zeit zum Üben. Dafür gab er Julian Brandt zwischendurch schon mal eine Kostprobe als Tastenvirtuose – und hinterließ einen beeindruckten Teamkollegen: „Kai spielt echt gut. Vielleicht wird er der neue Beethoven.“

Dabei geht die Tendenz eindeutig zum Beethoven am Ball: In der Rückrunde spielt der Sohn einer Juristin und eines Polizeibeamten bei Bayer auf kontinuierlich hohem Niveau, zwei seiner zwölf Saisontreffer erzielte er am letzten Wochenende beim 2:4 gegen Leipzig. Seine herausragenden Fähigkeiten – tiefenentspannte Leichtigkeit, gepaart mit Spielintelligenz, Übersicht und ausgeprägtem Antizipationsvermögen – verlassen ihn inzwischen selbst dann nicht, wenn ihm die Mitspieler den Ball am gegnerischen Strafraum zupassen.

„Ich bin ein Spieler, der eher ein bisschen mit Ruhe glänzt“, interpretiert Kai Havertz sich selbst. Auch im Nationalteam hat der junge Mann längst mitgewirbelt, bislang dreimal. Für Bundestrainer Joachim Löw waren die Live-Erlebnisse ausreichend, um zu orakeln: „Ich kann mir vorstellen, dass er in den nächsten Jahren eine Schlüsselrolle spielen kann.“

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Erstellt:
13. April 2019, 03:14 Uhr

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