Begeistert vom Auftreten seiner Kroaten

BKZ-WM-Talk: TSG-Torjäger Mario Marinic traut Luka Modric und Co. den großen Wurf zu und analysiert das frühe deutsche Aus

Als „Schwabe mit kroatischen Wurzeln – oder andersrum, wie man es sieht“, hatte Sportredakteur Uwe Flegel den Gast beim vierten BKZ-WM-Talk vorgestellt. Mario Marinic war mit seinen zwei Pässen also der ideale Mann, um über das Aus der Deutschen und die kroatischen Titelträume zu reden. „Es kann weit, weit gehen“, traut der Torjäger des Fußball-Oberligisten TSG Backnang dem Team um Luka Modric viel zu. „Vielleicht können sie für eine Sensation sorgen.“

Lieferte im Gespräch mit BKZ-Redakteur Uwe Flegel (links) sachliche und schlüssige Analysen: TSG-Torjäger Mario Marinic. Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Lieferte im Gespräch mit BKZ-Redakteur Uwe Flegel (links) sachliche und schlüssige Analysen: TSG-Torjäger Mario Marinic. Foto: T. Sellmaier

Von Steffen Grün

Auf dem Platz lässt Mario Marinic Tore sprechen. 21 waren es in der vergangenen Oberliga-Saison, sogar 23 im Jahr zuvor in der Verbandsliga. Dass der 33-Jährige auch ein Mann des Wortes ist, bewies er beim BKZ-WM-Talk. Seine geschliffenen Analysen veranlassten den zu den Livezuschauern auf Facebook zählenden Ex- TSG-Präsidenten Charley Graf zu einem dicken Lob: „Mario sollte Olli Kahn als Experte im Fernsehen ablösen.“

Dazu wird es zwar nicht kommen, doch in der Tat hob sich der treffsichere Stürmer wohltuend von so manchem Dampfplauderer in den TV-Talkrunden ab. Zum Beispiel machte er deutlich, dass es für einen Außenstehenden „schwer zu beurteilen“ sei, ob es im deutschen Team wirklich eine Grüppchenbildung gegeben habe. Also beließ er es dabei, das zu bewerten, was er gesehen hat. „Toni Kroos hatte normales, aber kein überragendes Niveau“, läutete Marinic die Einzelkritik ein. Timo Werner war „bemüht“, was niemand im Zeugnis lesen will. Noch härter fällt ein anderes Urteil aus: „Sami Khedira und Thomas Müller waren von ihrer Form weit weg.“

Weiter mit Joachim Löw:

Mario Marinic findet es gut

Auf die Frage von Marc Patrick Baeuml, ob Mesut Özil lieber öfter aus der Distanz schießen sollte, statt „immer den perfekten Pass vor das Tor zu suchen“, reagierte der Routinier mit einer zweigeteilten Antwort. Der wegen der Erdogan-Affäre wie Ilkay Gündogan heftig kritisierte Kicker sei „ein sehr guter Spieler mit unheimlicher Passqualität“, dessen Stil mit 29 Jahren kaum noch zu ändern ist. Aber grundsätzlich sei es „eine Option, aus der zweiten Reihe auf das Tor zu knallen. Das sollte man als Mittelfeldspieler probieren“, meinte Marinic und nannte den abgefälschten Schuss von Emil Forsberg, der zu Schwedens 1:0-Sieg gegen die Schweiz im Achtelfinale führte.

Zu dem Zeitpunkt hatten sich die Deutschen längst aus dem Turnier in Russland verabschiedet. „Damit hatte keiner gerechnet.“ Anders als Aspachs Timo Röttger, der beim vorherigen BKZ-WM-Talk für einen Trainerwechsel plädiert hatte, findet es der Torjäger der Roten „gut, dass mit Jogi Löw weitergearbeitet wird“. Und das, obwohl es ihn enttäuscht und gewundert habe, dass der Bundestrainer mit Leroy Sané auf einen Spieler „mit wahnsinniger Dynamik“ verzichtete. „Es muss alles auf den Prüfstand, aber das werden die Verantwortlichen schon machen“, glaubt Marinic, dem es von dem von ihm besonders beobachteten Angreifern vor allem Englands Harry Kane angetan hat. Ein Stürmer lebe aber auch immer von den Kollegen und könne seinen Job nur dann erledigen, wenn er mit Pässen und Flanken „gefüttert“ wird.

Egal, wie gut die Einzelspieler auch sein mögen, das Team muss als Einheit funktionieren – so, wie es die Kroaten bisher tun. Mandzukic, Rebic, Modric, Rakitic, Kovacic, Brozovic: Marinic sieht „wahnsinnige Qualität im Kader, aber die Jungs haben verstanden, dass es nur gemeinschaftlich geht“. Das zahlt sich aus. „Wir haben in einer richtig schwierigen Gruppe eine tolle Vorrunde gespielt“, freut er sich über den Erfolg seiner Landsleute, die mit den Siegen gegen Nigeria (2:0), Argentinien (3:0) und Island (2:1) als Erster den Sprung ins Achtelfinale schafften. Dort warteten die Dänen und erzwangen ein Elfmeterschießen, doch am Ende hatten die Kicker vom Balkan mit 4:3 die Nase vorne. „Da gehört auch Glück dazu“, weiß der TSG-Akteur, der selbst schon oft zum Punkt geschritten ist. Nachdem Modric in der Verlängerung beim Stande von 1:1 einen Strafstoß verschossen hatte, „dachte ich, das war’s – aber dann hat unser Torwart drei Elfmeter gehalten“. Nun geht’s heute um 20 Uhr im Viertelfinale gegen Russland weiter. „Ich denke, dass die Favoritenrolle auf unserer Seite ist, auch wenn der Gastgeber überrascht hat und ein tolles Turnier spielt.“

Behält Marinic recht, wären es nur noch zwei Schritte bis zum ganz großen Triumph. Kroatien, „ein stolzes Land mit vier Millionen Einwohnern“, sei aber jetzt bereits „stolz auf die Jungs“. Das gilt auch für den Schwaben mit kroatischen Wurzeln oder andersrum, der nach dem deutschen Aus noch ein Eisen im Feuer hat.

Zum Artikel

Erstellt:
7. Juli 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!

Rems-Murr-Sport

Alle freuen sich riesig, dass es losgeht

Der HC Oppenweiler/Backnang startet am kommenden Samstag mit der Heimbegegnung gegen den TSB Horkheim in die Aufstiegsrunde zur Zweiten Bundesliga. Die Handballer aus dem Murrtal streben zumindest das Erreichen der Zwischenrunde an.