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„Das Beste aus den Bedingungen machen“

Das Interview: Endlich wieder Handball, aber noch keine Testspiele. Etwas Planungssicherheit, aber trotzdem viel Improvisation. Die Drittliga-Handballer des HC Oppenweiler/Backnang um Trainer Matthias Heineke erleben eine ungewöhnliche Vorbereitung.

Tüftelt mit dem HCOB-Team am Plan für die neue Saison: Matthias Heineke. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Tüftelt mit dem HCOB-Team am Plan für die neue Saison: Matthias Heineke. Foto: A. Becher

Von Alexander Hornauer

In normalen Zeiten sind alle Pläne exakt durchgetaktet und auf den ersten Spieltag ausgerichtet. Dies ist in der Coronakrise so nicht möglich, weil bislang noch nicht einmal endgültig feststeht, wann es wieder um Punkte geht. HCOB-Trainer Matthias Heineke hofft zwar auf baldige Informationen seitens der Spielkommission der Dritten Liga, macht jedoch das Beste aus der Situation und gewinnt ihr auch gute Seiten ab. Im Interview spricht der 38-Jährige über die Schwierigkeiten und Chancen einer Vorbereitung, für die niemand eine Blaupause zur Hand hat.

Wie ist das Gefühl, nach der langen Pause wieder regelmäßig in der Halle zu stehen?

Es ist ein schönes Gefühl, die Jungs wiederzusehen und ihnen beim Handballspielen zuzuschauen. Fast wichtiger ist allerdings meine Wahrnehmung, dass alle die aktuelle Situation annehmen, wie sie ist, und in dieser Konstellation Wege finden, um zur Normalität zurückzukehren. Die Anpassung der Trainingsinhalte an die aktuellen Bestimmungen steht für mich exemplarisch für alle anderen Alltagssituationen. Man muss einfach das Beste aus den Bedingungen machen.

Sonst wird in der Vorbereitung auf den Saisonstart hingearbeitet, nun ist offen, wann es losgeht. Was bedeutet das für die Planung?

So wünscht es sich natürlich kein Trainer. Für mich ist es dennoch eine positive Zeit, die Dankbarkeit übers Zusammensein ist riesig. Zudem konnte ich noch nie so lange mit meinem Team im Grundlagenbereich trainieren. In den Vorjahren habe ich den Spielern im Mai einen Plan für die komplette Vorbereitung übermittelt. Jeder wusste, wie die nächsten drei Wochen ablaufen. Das ist jetzt ganz anders. Derzeit kann ich nur mit Plänen für maximal eine Woche dienen – und selbst die erfordern bei der Umsetzung noch eine Menge Improvisation. Insofern fiebere ich ein wenig dem Wochenende entgegen. Da tagt die Spielkommission des Deutschen Handballbunds, und wir rechnen danach zeitnah mit Informationen zur Staffeleinteilung und zum Saisonstart.

2019 lag ein inhaltlicher Schwerpunkt darauf, die Abwehr zu stabilisieren. Worauf liegt der Fokus in dieser Vorbereitungsphase?

Rückblickend wissen wir, dass sich die Fokussierung auf die Abwehr im vergangenen Jahr gelohnt hat. Nun wollen wir die Defensive weiter verbessern. Dabei steht die Integration unserer Zugänge im Vordergrund. Isaiah Klein und Tobias Gehrke werden zentrale Positionen im Abwehrverband einnehmen, dazu muss mit Jürgen Müller ein neuer Torwart in die Kooperation mit seinen Vorderleuten eingearbeitet werden. Das ist eine große Aufgabe, denn mit Nikola Vlahovic steht uns ein zentraler Baustein unserer Defensive nicht mehr zur Verfügung.

Und Tim Düren ist derzeit noch verletzt...

Er kann wegen seiner Schulteroperation frühestens im August ins Teamtraining einsteigen. Insgesamt wollen wir uns in der Vorbereitung klar erarbeiten, wofür unser Handball steht. Dazu zählen zwei Abwehrsysteme, die wir auch innerhalb eines Spiels wechseln können. Wir wollen unsere Stärken im Tempospiel – vor allem nach der schnellen Mitte – in den Vordergrund rücken und permanenten Druck auf unsere Rivalen ausüben. Und darüber hinaus wollen wir an die Tradition eines spielstarken und variablen Angriffsspiels anknüpfen, wie es in der DNA dieses Klubs tief verwurzelt ist.

Welchen Eindruck machen die neuen Spieler, wie weit ist die Integration fortgeschritten?

Alle bringen viel mehr als nur frischen Wind rein. Körperlich sind unser neuer Torwart Jürgen Müller und Rückraumspieler Tobias Gehrke topfit, auch Isaiah Klein ist für sein Alter sehr athletisch. Er muss aber auch noch weiter draufpacken, diese Erfahrung macht fast jeder Youngster in der ersten Vorbereitung im Aktivenbereich. Wir haben alle geholt, damit sie tragende Rollen einnehmen.

Was wird konkret von den Neuen erwartet?

Unser Torhüterduo war in der Vorsaison schon stark, mit Jürgen wollen wir uns noch einmal verbessern. Tobias ist sehr variabel und genau der Spielertyp, den wir nach dem Karriereende von Tobias Hold und Jonas Frank nicht mehr hatten. Er löst Situationen individuell, hat herausragende Fähigkeiten im Kleingruppenspiel und bringt sich selbst und seine Mitspieler immer wieder in Vorteilssituationen. Isaiah bringt eine ungeheure Wurfqualität mit, die ich in diesem Alter noch nicht oft gesehen habe. Er hat individuell alles, was man so braucht. Deshalb werden wir bei ihm viel im Anwendungs- und im Entscheidungstraining arbeiten, damit er diese Stärken auch noch verknüpft bekommt.

Wie schlagen sich bislang die Talente aus der eigenen A-Jugend?

Eric Bühler wurde auf der Außenposition ins kalte Wasser geworfen. Bevor er sich freischwimmt, wird er an manchem Morgen an das Training des Vorabends denken. Er ist eines unserer größten Talente und kriegt alle Zeit und Hilfe, um sich Schritt für Schritt zu entwickeln. Lukas Rauh hat etwas Pech, er muss mit einem Muskelfaserriss in der Schulter noch pausieren. Dennoch ist er oft in der Halle präsent. Insgesamt sind alle Neuen schon komplett integriert. Und wenn wir viel Zeit miteinander verbringen, bildet sich das sogar noch stärker aus.

Wann gibt’s die ersten Vorbereitungsspiele?

Das ist leider noch ungewiss. Eigentlich ist Wettkampfsport in Baden-Württemberg seit Anfang Juli wieder erlaubt, sogar mit bis zu 100 Zuschauern. In anderen Sportarten wurde das schnell umgesetzt, auch im Badischen Handballverband sind Testspiele schon möglich. Der Handballverband Württemberg hat sich dagegen entschieden. Wir Trainer hätten es gerne anders gehabt, aber es ist nicht ganz so schlimm, wenn wir im Juli keine Spiele bestreiten können. Wir sind dankbar, dass wir unter annähernd normalen Bedingungen trainieren können. Wenn allerdings im September oder spätestens im Oktober wieder Punktspiele stattfinden, sollten spätestens im August auch Tests möglich sein. Darauf sollten sich alle Beteiligten vorbereiten – die Vereine, die Kommunen und natürlich die Sportler.

Für Sie persönlich gab es zuletzt eine erfreuliche Nachricht: Der Deutsche Handballbund hat Sie zum A-Lizenz-Lehrgang zugelassen...

...und ich freue mich auf Fortbildungen auf höchstmöglichem Niveau. Wenn ich mich verbessere, profitiert auch unsere Mannschaft. Wenn ich beispielsweise sehe, was sich im Bereich der Videovorbereitung derzeit an Verbesserungen auftut, erhoffe ich mir eine höhere Qualität, die ich dann an mein Team weitergeben kann. Ich freue mich daher sehr, dass ich eine Einladung zu diesem Lehrgang erhalten habe. Es gibt Gelegenheiten, die man aufgrund verschiedenster Umstände im Berufs- und Privatleben nur zum Zeitpunkt X und nicht irgendwann ergreifen kann – und bei mir passt es jetzt.

Wichtige Beschlüsse stehen an

Die Dritten Ligen werden vom Deutschen Handballbund organisiert, dafür gibt’s eine Spielkommission. Vorsitzender ist Horst Keppler (Oberstenfeld), um die Männerstaffeln kümmert sich Andreas Tiemann (Westfalen). Am Wochenende trifft sich die Kommission und berät unter anderem über zwei Themen, die für die Vereine besonders interessant sind. Erstens: Wie werden die Staffeln eingeteilt? Zweitens: Wann geht es los?

Klar scheint: Das eine bedingt das andere. Der Optimalfall wäre wohl, die 72 Männerteams der Dritten Liga auf vier Staffeln mit jeweils 18 Teams zu verteilen und im September zu starten. Kann es erst wesentlich später losgehen, könnte es mehr Staffeln mit weniger Mannschaften geben, vielleicht mit Auf- und Abstiegsrunden. Noch sind solche Überlegungen nur Spekulation, aber spätestens zu Beginn der nächsten Woche dürfte mehr Klarheit herrschen.

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Erstellt:
17. Juli 2020, 06:00 Uhr

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