Das Ja von damals bis heute nie bereut

Barbara Hirzel hat nach 31 Jahren den Vorsitz beim TV 1848 Murrhardt abgegeben, ohne dass der mit Abstand größte Verein der Walterichstadt einen Nachfolger gefunden hat. Die „Murrhardterin durch und durch“ hat beim TVM eine Ära geprägt.

Barbara Hirzel (Mitte) hat sich nach drei Jahrzehnten aus dem Führungstrio des TV 1848 Murrhardt verabschiedet. Vorläufig übernehmen ihre beiden Stellvertreter Peter Hitzelberger und Norgat Trefz kommissarisch die Aufgaben der Vorsitzenden. Foto: E. Klaper

Barbara Hirzel (Mitte) hat sich nach drei Jahrzehnten aus dem Führungstrio des TV 1848 Murrhardt verabschiedet. Vorläufig übernehmen ihre beiden Stellvertreter Peter Hitzelberger und Norgat Trefz kommissarisch die Aufgaben der Vorsitzenden. Foto: E. Klaper

Von Uwe Flegel

„Ich habe bis heute keine Sekunde bereut, dass ich damals Ja gesagt habe.“ Mit voller Überzeugung kommen diese Worte von Barbara Hirzel und damals bedeutet das Frühjahr 1990. Da übernahm sie mit 44 Jahren den Vorsitz des TV Murrhardt, des mit großem Abstand größten Vereins in der Walterichstadt. Nun, gut drei Jahrzehnte später, ist Schluss. Es sei Zeit gewesen, die Verantwortung abzugeben, erklärt die 75-Jährige ihren Entschluss und ergänzt: „Es hat schon noch Spaß gemacht, aber der Schwung hat mir ein wenig gefehlt.“

Dass bei der Hauptversammlung Anfang des Monats kein Nachfolger gefunden wurde, hat bei ihr kein Umdenken ausgelöst. Auch weil „ich das kommen sehen habe, schließlich habe ich ja schon seit fünf Jahren nach jemandem gesucht“. Weil sich niemand gefunden hat, stehen nun ihre beiden bisherigen Stellvertreter Norgat Trefz und Peter Hitzelberger an der Spitze des TVM, der in seinen zehn Abteilungen rund 1400 Mitglieder versammelt. Zudem: „Ich bin ja nicht ganz weg, ich wohne ja nur 100 Meter von der Geschäftsstelle entfernt.“ Wer als Fünfjährige zum Sport gekommen ist, danach als aktive Sportlerin, als Übungsleiterin, als Ausschuss- sowie Vorstandsmitglied und in den vergangenen 31 Jahren als Vorsitzende für ihren Verein da war, die bleibt der Sache verbunden – mit oder ohne Amt.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion zur Kandidatur für den Vorsitz überredet

Erst recht, wenn sie nicht nur den Klub, sondern auch die ganze Stadt im Herzen trägt. So wie Barbara Hirzel. „Ich bin hier im damaligen Murrhardter Krankenhaus geboren.“ Sie ist hier zur Schule gegangen, hat immer hier gelebt und ist seit fast 70 Jahren Mitglied des TV Murrhardt. Hinzu kommt, dass ihre Familie als ehemalige Verleger der Murrhardter Zeitung ohnehin eine enge Beziehung zur Walterichstadt hatten und haben: „Für den Verein war es durchaus von Vorteil, dass ich durch und durch Murrhardterin bin und dass ich hier ganz viele Leute kenne.“ Kontakte, die sie nutzte, um den TVM nach vorne zu bringen. Zum Beispiel als zu Beginn der 80er in der Stadthalle angebaut wurde und auf ihre Anregung hin eine Geschäftsstelle für den Verein unter dem Dach des Anbaus Platz fand und seither dort zu Hause ist.

Barbara Hirzel sagt aber auch, dass sie nie geplant hatte, den Turnverein so lange anzuführen. „Das war damals eine Nacht-und-Nebel-Aktion“, erinnert sie sich ans Frühjahr 1990, als am Vorabend der Jahreshauptversammlung Wilhelm Heinle bei ihr auftauchte und ihr klarmachte, dass sie seine Nachfolgerin werden müsse, da der ursprüngliche Kandidat abgesprungen war. „Ich habe gesagt, okay, ein Jahr mach ich’s“, erzählt Hirzel und fügt schmunzelnd hinzu: „31 Jahre sind es jetzt geworden.“ Eine Zahl, die sie auch im zweiten Anlauf nicht auf dem Schirm hatte, denn später „hatte ich mir dann mal vorgenommen, dass ich mit 60 aufhöre“. Nun, mit 75, war es so weit und sie freut sich, dass sie künftig ein wenig mehr Zeit hat, um zu verreisen oder selbst wieder ein wenig mehr Sport zu machen.

Den Breitensport stets ein wenig mehr geschätzt als den Wettkampfsport

Das ist nämlich etwas, was sie, die in jungen Jahren turnte, Leichtathletik machte und Handball spielte, zurückschraubte, als sie 1990 den Vorsitz übernahm. „Da habe ich entschieden, dass ich mich aus dem Sportbetrieb zurückziehe“, erzählt Hirzel und bekennt, dass sie als Vorsitzende den „Breitensport immer ein wenig höher als den Wettkampfsport geschätzt habe“. In einem sogenannten Mehrspartenverein, unter dessen Dach sich immerhin zehn Abteilungen versammelt haben, muss diese Einstellung aber nicht das Schlechteste sein.

Erst recht, wenn sich die Klubs gut für die Zukunft aufstellen wollen, denn einfach ist das nicht angesichts der vielen anderen Möglichkeiten, die vor allem junge Menschen heute haben. „Wir hatten mal über 2000 Mitglieder“, erinnert sich Barbara Hirzel und weiß, dass der TVM mehr als ein Viertel davon mittlerweile verloren hat. Deshalb sagt sie auf die Frage, was für sie in der langen Zeit an der Spitze der Höhepunkt gewesen sei: „Dass es gerade in unserem Verein so gut läuft, das ist für mich ein Highlight.“ Die Probleme wegen und mit Corona ändern daran nichts. Außerdem habe sie so viele tolle Erlebnisse gehabt, dass sie nicht sagen könne, was davon noch besonders hervorgestochen habe.

Was Wunder, schließlich ist es nun sieben Jahrzehnte her, als sie als Fünfjährige das erste Mal in Murrhardt ins Turntraining gegangen ist. „Unsere Nachbarin Frau Gaus, wir haben sie immer nur liebevoll Turntante genannt, hat mich damals mitgenommen“, erinnert sich Hirzel und weiß, dass damals aber sicher keiner daran gedacht hatte, dass die kleine Barbara irgendwann einmal beim TV 1848 Murrhardt eine Ära prägen würde. Jahrzehnte, über die sie am Ende überzeugend und lächelnd sagt: „Ich habe keine Sekunde bereut.“

Seit 1952 Mitglied im TVM

Seit 1952 ist Barbara Hirzel Mitglied beim TVM, bei dem sie nicht nur Sport trieb, sondern sich auch früh schon als Helferin und Übungsleiterin in der Turnabteilung des TVM engagierte. Ab 1894 war sie zudem technische Leiterin der Turner.

Im Gesamtverein war sie von 1982 bis 1985 Beisitzerin im Vorstand und war zudem ab 1983 für die Geschäftsstelle zuständig. 1990 übernahm sie dann den Vorsitz, den sie bis zum 6. Juli dieses Jahres ununterbrochen innehatte.

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Erstellt:
28. Juli 2021, 11:30 Uhr

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