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Degenkolb nicht mehr in der Chefrolle - Hoffen auf 2020

dpa Harrogate. Das WM-Rennen in Yorkshire ist eigentlich wie maßgeschneidert für John Degenkolb. Doch der Klassikerspezialist wartet seit gut 32 Wochen auf einen Sieg. Auch wenn er nicht mehr alleiniger Kapitän ist, freut sich der Thüringer auf den England-Trip.

Blickt auf eine lange Zeit ohne Sieg zurück: John Degenkolb. Foto: Arne Dedert

Blickt auf eine lange Zeit ohne Sieg zurück: John Degenkolb. Foto: Arne Dedert

Vor dem „megageilen“ WM-Highlight hatte John Degenkolb erst einmal ganz andere Aufgaben. Ein Besuch beim chinesischen Konsulat stand an, das Visum für den Start bei der unbedeutenden Tour of Guangxi musste her.

„Meine Abschiedstour“, wie der einstige Roubaix-Champion sagt. Es dokumentiert den Schlusspunkt von drei recht unbefriedigenden Jahren beim Team Trek-Segafredo, wo er doch eigentlich die Nachfolge des großen Fabian Cancellara antreten sollte.

Nur fünf Siege holte Degenkolb in dieser Zeit, was er früher zu besten Zeiten in einer großen Rundfahrt mal eben abräumte. In dieser Saison ist er gar seit gut 32 Wochen ohne Erfolg. Das hat auch Folgen für das Nationalteam. Auch nach dem Ausfall von Maximilian Schachmann ist Degenkolb nicht mehr in der klaren Chefrolle für das Straßenrennen bei der WM in Yorkshire am Sonntag. „Wir haben vor der Vuelta telefoniert. Ich habe ihm gesagt: 'Hau mal richtig einen raus. Versuche eine Etappe zu gewinnen.' Er hat es versucht, das hat nicht geklappt. Dann kann man nicht auf einer Position beharren, die man nicht inne hat“, sagte Bundestrainer Jens Zemke.

Dabei wäre das Straßenrennen am Sonntag eigentlich wie maßgeschneidert für den 30-Jährigen. Das miese Wetter („Finde es cool, wenn es regnet“), der schwere Kurs, die lange Distanz über 285 Kilometer - eigentlich alles so, wie es Degenkolb liebt. Bedingungen, die er aus vielen Frühjahrsklassikern kennt, in denen er seine größten Erfolge gefeiert hat. Wie etwa 2015, als er innerhalb weniger Wochen Mailand-Sanremo und Paris Roubaix gewann.

Es sei „in Ordnung“, nicht mehr alleiniger Kapitän zu sein, meint Degenkolb, der sich trotzdem auf England freut. „Ich glaube, es wird megageil. Ich bin in London 2012 und beim Tour-Start 2014 dort gefahren. Das war bombastisch. Nach Olympia hatten wir im Ziel einen Tinnitus wie nach einem Disco-Besuch. Das war eine Dauerbeschallung.“

Der zweifache Familienvater tritt aber nicht nur der Stimmung wegen die Reise nach England an. Dafür ist er zu ehrgeizig. Natürlich hat Degenkolb Ambitionen, und die Form gebe ihm Hoffnung. Bei der Spanien-Rundfahrt ist er „die schwerste Grand Tour meiner Karriere“ gefahren, davon habe er sich gut erholt. „Ich gehe nicht mit einem mulmigen Gefühl zur WM.“ Ein zweiter Platz beim Grand Prix von Isbergen soll dabei als Mutmacher dienen. Und die Endschnelligkeit werde beim Finale in Harrogate nicht so entscheidend sein.

Wenn auch nicht als Siegfahrer, kann Degenkolb der Mannschaft mit seiner Rennerfahrung auf jeden Fall weiterhelfen. Schließlich gibt es in Nils Politt oder Nikias Arndt weitere Optionen. Oder gar Topsprinter Pascal Ackermann, sollte es zum Sprint kommen, was Degenkolb „als Traumszenario“ bezeichnet.

2020 soll alles besser werden. Beim belgischen Team Lotto-Soudal fährt er dann nicht mehr gegen, sondern mit Ex-Weltmeister Philippe Gilbert. „Ich freue mich auf den Wechsel, auf neue Aufgaben“, sagt Degenkolb und schiebt nach: „Aber noch ist die Saison nicht vorbei.“

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Erstellt:
26. September 2019, 09:35 Uhr

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