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Den VfB erfasst tiefe Trauer

Der Tod des Vaters von Christian Gentner im Stadion erschüttert den Bundesligisten – Ob der Kapitän in Wolfsburg spielt, ist offen

Tragödie - Der VfB Stuttgart beginnt das Bundesligaspiel gegen Hertha BSC am Samstagnachmittag mit einer Gedenkaktion – am Ende steht dann ein Sieg, aber auch ein tragischer Vorfall.

Stuttgart Am Tag danach herrscht noch immer Stille. Kein Spieler will reden. Auch kein Verantwortlicher des VfB Stuttgart will sich öffentlich äußern. Nicht zum Spiel und schon gar nicht zu dem tragischen Vorfall, der sich im Stadion unmittelbar nach dem 2:1-Sieg gegen Hertha BSC ereignet hat. ­Dabei gäbe es nach dem Erfolg über die Berliner viel zu sagen über dessen Bedeutung für den abstiegsbedrohten Fußball-Bundesligisten. Doch der Tod von Herbert Gentner, dem Vater von Christian Gentner, drängt den Sport in den Hintergrund – und stürzt den VfB in tiefe Trauer.

Die Mannschaft ist bestürzt, seit sie nach dem Abpfiff noch in der Kabine von dem medizinischen Notfall erfährt, ebenso wie der gesamte Verein. Schwer hängen die Wolken am Sonntag über dem Gelände an der Mercedesstraße, und noch schwerer drückt das Drama auf die Stimmung. Denn Christian Gentner ist nicht irgendein VfB-Spieler. Er ist seit Jahren Kapitän, ein Repräsentant des Clubs in guten wie in schlechten Zeiten. Und noch während der 33-Jährige nach seiner 357. Pflichtpartie für die Stuttgarter am Spielfeldrand erste Fernsehinterviews gibt, da er eine starke zweite Hälfte hingelegt hat, ringt im Businessbereich der Mercedes-Benz-Arena sein Vater mit dem Tod.

Herzinfarkt, ein Arzt wird gesucht, verzweifelte Reanimationsversuche. Thomas Gentner eilt in die Kabine, um seinen Bruder Christian zu informieren. Mit Teamarzt Raymond Best und dem Finanzvorstand Stefan Heim rennt dieser sofort nach oben zu den Logen. Fast zeitgleich läuft in den Katakomben die Pressekonferenz mit Trainer Markus Weinzierl. Er erhält die bedrückende Nachricht erst danach. Zu diesem Zeitpunkt herrscht noch Hoffnung. Letztlich kommt für den 66-Jährigen aber jede Hilfe zu spät – und der VfB steht vor einer Ausnahmesituation: Wie soll der Verein damit umgehen, dass im eigenen Stadion der Vater eines wichtigen Spielers verstorben ist?

Die Stuttgarter entscheiden sich für eine Kommunikationsstrategie aus angemessener Zurückhaltung und nötiger Informationspflicht. Die fragenden Medienvertreter, die so ein Bundesligaspiel mit sich bringt, erhalten genug Auskünfte zum Arbeiten. Alles in einer ersten Abstimmung mit der Familie, da sich kaum ein Profi seiner öffentlichen Rolle so bewusst ist wie Christian Gentner. Details werden aus Rücksicht auf die direkt Betroffenen nicht genannt. Michael, Christian Gentners zweiter Bruder, arbeitet seit vielen Jahren im Nachwuchsbereich des VfB. Die Mutter ist ebenfalls im Stadion, denn seit ihr Christian mit gerade 14 Jahren erstmals das Trikot mit dem Brustring trug, leben die Gentners mit dem Club.

Die Gentners aus Beuren haben nicht nur ihren Jungen dort aufwachsen und groß werden sehen, sondern auch dessen Kumpel Mario Gomez. Nun wird die Familiengeschichte auf ewig mit dem Verein für Bewegungsspiele von 1893 in Verbindung stehen. Um kurz vor halb acht am Samstagabend bestätigt der Bundesligist auf seiner Internetseite, was die ersten Augenzeugen im Stadion schon wussten und viele andere befürchteten: den Tod von Herbert Gentner. Bereits eine Stunde zuvor hatte eine beruhigende Stimme über Lautsprecher die Besucher aufgefordert, die Arena zu verlassen. Zum Feiern war niemand zumute, und auch die Journalisten sollen gehen. Nichts an Spekulationen soll durchsickern, die Macht der Bilder ist zudem gegenwärtig – ein Leichenwagen vor dem Stadion soll weder gefilmt noch fotografiert werden.

Vielmehr ist VfB-Präsident Wolfgang Dietrich darum bemüht, der Familie einen ersten Raum zum Trauern zu geben. Sie soll unter sich sein, während er die letzten Gäste verabschiedet. „Der VfB Stuttgart ist in diesen schweren Stunden mit seinen Gedanken ganz bei der Familie Gentner“, schreibt der Verein. Daniel Didavi, Timo Baumgartl und Chadrac Akolo sind die ersten Mitspieler, die ihre Anteilnahme über die sozialen Netzwerke ausdrücken – nach einem Spiel, das der VfB mit einer Gedenkaktion für den verstorbenen Ex-Profi Bernd Martin begann und mit Trauerflor bestritt.

Am Sonntagvormittag weilt Christian Gentner weiter im Kreis der Familie, während die Startelfspieler im Kraftraum eine Regenerationseinheit absolvieren und die Ersatzspieler draußen einige Runden drehen. Mehr Bilder wird es von diesem öffentlichen Training nicht geben. Alle Medienaktivitäten für die nächsten Tage werden abgesagt. Das betrifft sowohl den TV-Auftritt von Manager Michael Reschke, der am Abend in der SWR-Sendung „Sport im Dritten“ eingeplant war, als auch die eigentlich obligatorische Pressekonferenz an diesem Montag vor der nächsten Begegnung. Am Dienstag tritt der VfB beim VfL Wolfsburg an. Ob Gentner in ­dieser schwierigen Situation auflaufen wird, ist offen. Darüber wurde mit dem Mittelfeldspieler noch nicht gesprochen. Grundsätzlich will der VfB mit der Begegnung in Niedersachsen aber wieder in die sportliche Normalität zurückfinden.

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Erstellt:
17. Dezember 2018, 03:14 Uhr

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