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Der Abschied zweier Altgedienter

Eigengewächse Jonas Frank und Benjamin Röhrle sagen beim Handball-Drittligisten aus dem Murrtal Servus

Eine Ära geht zu Ende. Jonas Frank und Benjamin Röhrle tragen am Samstag (19 Uhr, Gemeindehalle) im Drittliga-Heimspiel des HC Oppenweiler/Backnang gegen die TGS Pforzheim ein letztes Mal den grünen Dress. Mehr als ein Jahrzehnt waren Röhrle und Frank wichtige Spieler. Ein großer Abschlussapplaus ist den beiden Eigengewächsen sicher.

Blicken zufrieden auf viele Jahre in Oppenweiler und ihrem morgigen Abschied entgegen: Benjamin Röhrle (links) und Jonas Frank.Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Blicken zufrieden auf viele Jahre in Oppenweiler und ihrem morgigen Abschied entgegen: Benjamin Röhrle (links) und Jonas Frank.Foto: A. Becher

Von Alexander Hornauer

Benjamin Röhrle (30) sagt: „Ich habe ein bisschen Bammel. Das wird sehr emotional. Ich habe meine ganze Handballzeit hier verbracht, war nur ein Jahr weg.“ Jonas Frank (32) geht es ähnlich. Er, der einige Jahre aus beruflichen Gründen in Norddeutschland verbrachte und zeitweise durch die ganze Republik flog, um für seinen Verein zu spielen. „Aus handballerischen Gründen war ich nie weg. Kein Trainer, kein Betreuer, niemand ist so lange dabei wie wir. Über ein Jahrzehnt hat es den Alltag bestimmt, mehrmals in der Woche in die Gemeindehalle zu fahren. Wenn 500 Leute in der Halle sind, kennen wir 450 beim Namen.“

Die statistischen Zahlen beeindrucken. Benjamin Röhrle: 13 Spielzeiten in der Ersten, 311 Einsätze, 1431 Tore, davon 268 Siebenmeter. Jonas Frank: 12 Runden, 250 Einsätze, 1320 Tore, davon 483 Siebenmeter. Werte, die in der Klubgeschichte Plätze in den Spitzengruppen einbringen. Aber sie sind nur Indizien für Aspekte, die wichtiger sind: Aus zwei Jungs aus Oppenweiler wurden prägende Persönlichkeiten des TVO und HCOB. Sie sind Identifikationsfiguren, die entscheidend daran beteiligt waren, dass heute Dritte Liga gespielt wird. Vorhersehbar war Letzteres nicht zu jeder Zeit.

Als Frank und Röhrle 2005 und 2006 in die erste Mannschaft kamen, stand der TVO vor einer ungewissen Zukunft. Nach 17 Jahren in der Regionalliga war das Team in die Oberliga abgestiegen. Akteure wie Bernhard Scheib und Jürgen Buck hatten aufgehört. Eine Garde junger Kräfte rückte auf, darunter: Jonas Frank, schwerpunktmäßig auf Rückraum Mitte, und Benjamin Röhrle, im Rückraum meist auf den Halbpositionen. Skeptiker befürchteten ein weiteres Abrutschen. Doch Trainer Manuel Diederich hatte die Talente in der Jugend bestens vorbereitet. Das haben ihm diese nicht vergessen. „Manuel hat uns außergewöhnlich geprägt“, sagt Benjamin Röhrle. Und Jonas Frank ergänzt: „Er hat einen unglaublichen Aufwand für uns betrieben. Das war unser großes Glück.“ Die Spieler selbst taten aber auch viel. „Wir haben da manchmal in der A-Jugend trainiert, dann bei der Zweiten und danach noch bei der Ersten“, erinnert sich Röhrle.

Für beide lief es im Aktivenbereich jedenfalls sofort. Von wegen Abstiegskampf in der Oberliga. Trainer Gerhard Warstat war der richtige Mann im richtigen Moment. „Er ist leider etwas in Vergessenheit geraten, aber er hatte einfach richtig Lust, mit einer jungen Mannschaft zu arbeiten“, sagt Jonas Frank und erklärt: „Wir durften Fehler machen und in der Woche darauf trotzdem wieder spielen.“ Das Team etablierte sich im Mittelfeld, zählte in den Jahren danach zeitweise zur erweiterten Spitzengruppe. Für mehr haperte es damals aber noch an den Strukturen. „In dieser Phase hat im Verein die letzte Konsequenz gefehlt, der Fokus lag nicht ausreichend auf dem sportlichen Erfolg“, erklärt Röhrle und bekommt von Frank Unterstützung: „Da ist zu wenig passiert – vielleicht hätten wir Spieler mehr Druck machen müssen.“ Mittlerweile „haben wir ganz andere Möglichkeiten“, sagt Frank. Röhrle bestätigt: „Es hat sich im Umfeld viel getan, vieles ist professioneller geworden.“

Der kurzzeitige Abstieg in die Württembergliga war unerfreulich, aber irgendwie auch eine Trendwende. Und die zwei Sportler sind sich einig: Es sei ein großartiges Erlebnis gewesen, bei den Aufstiegen in die Oberliga (2013) und Dritte Liga (2015) mitwirken zu können. Besonders schön war, dass viele Akteure im Team waren, mit denen beide schon in der Jugend zusammenspielten. Beide wissen zu gut: Dass Oppenweiler/Backnang nun in seine fünfte Saison als Drittligist geht, ist keine Selbstverständlichkeit. „Der Sprung von der Oberliga in die Dritte Liga ist sehr hoch“, sagt Frank. „Die Qualität und Intensität in dieser Klasse ist enorm“, ergänzt Röhrle.

Das ging auch an die körperliche Substanz. Beide hatten einen Kreuzbandriss. Jonas Frank setzte angesichts anhaltender Knieprobleme ein Jahr ganz aus. Benjamin Röhrle verpasste drei Viertel dieser Runde. Die war insgesamt vom Verletzungspech geprägt. Jonas Frank erinnert an Jakub Strýc. „Wir haben eine Vorbereitung damit verbracht, ihn als wertvollen Spieler einzubinden, und dann war die Saison für ihn nach einer Begegnung und zehn Minuten rum, das war für uns alle hart.“ Der Fehlstart mit 0:10 Punkten war die Folge und ließ Sorgenfalten aufkommen. Dass der Klassenverbleib am Ende frühzeitig eingetütet wurde, erfüllt beide mit Freude – auch, weil sie wesentlich dazu beigetragen haben. Jonas Frank lieferte gegen Pfullingen und Kornwestheim klasse Leistungen ab. Benjamin Röhrle zog in Dansenberg eine beeindruckende Zehntoreshow ab. Röhrle muss rückblickend etwas schmunzeln: „Coach Matthias Heineke hat mich beim Aufwärmen gefragt, ob ich auch mal richtig aufs Tor werfen kann.“ Es hat dann im Spiel gut funktioniert. Zehn Versuche, zehn Tore, und am Ende die Vorarbeit für das Siegtor.

Dass der Abschluss gegen Pforzheim ohne Zittern abgehen kann, freut beide riesig. Jonas Frank sagt: „Als für mich klar war, dass ich nach dieser Runde aufhöre, hatte ich drei Wünsche.“ Erstens: Gute Spiele abliefern. Das ist gelungen. Zweitens: Verletzungsfrei durchkommen. Das klappte zumindest halbwegs. „Die Ursprungsverletzung am Knie hat mir jedenfalls nie Sorgen bereitet.“ Und drittens: Keine Zitterpartie bis zum Ende. Das ist geschafft. Und: Das Duo sagt entsprechend zufrieden Servus, wobei Benjamin Röhrle am Ball bleibt, wechselt er doch zum Oberligisten Weinsberg. Jonas Frank freut sich dagegen zunächst einmal auf mehr Freizeit. Dem Handball bleibt er allerdings dennoch erhalten. In welcher Form, das wird sich zeigen.

Hintergrund
Zwei von einer insgesamt guten TVO-Generation

Jonas Frank debütierte am 15. Januar 2005 im Regionalliga-Spiel gegen den VfL Waiblingen in der Ersten. Amüsant: Sein Zwillingsbruder Sebastian, jetzt HCOB-Co-Trainer, lief damals für den Rivalen auf.

Benjamin Röhrle absolvierte sein erstes Punktspiel in der ersten Mannschaft 2006 gegen die SG Heddesheim in der Oberliga.

Aus der A-Jugend von 2004 schafften auch Tobias Hold, Kai Sonnenburg, Alexander Henze, Sven Schröder und Marcel Wolf den Sprung in die Erste. Julian Hold und Hannes Belz waren lange wichtige Spieler der Zweiten. Ebenfalls zu dieser Generation zählen Philipp Nentwich und Sebastian Forch.

Jonas Frank war zwischendurch für den Lübecker Club ATSV Stockelsdorf aktiv. Benjamin Röhrle spielte ein Jahr beim HV Stuttgarter Kickers. „Menschlich und sportlich topp, aber das Ende...“ Dem Mäzen ging die Kohle aus, der Gerichtsvollzieher stand auf der Matte, Röhrle kehrte zum TVO zurück.

Jonas Frank spielte mit seinen Brüdern Sebastian und Florian gemeinsam, auch Benjamins Bruder Sascha Röhrle gehörte einige Jahre zur ersten Mannschaft.

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Erstellt:
3. Mai 2019, 06:00 Uhr

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