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Der Außenminister

Die Leistungen von Andreas Beck werden oft von einem Grummeln begleitet, doch seine Bedeutung für die VfB-Mannschaft ist groß

Bundesliga - Auch Trainer Markus Weinzierl vertraut auf das solide Spiel von Andreas Beck. Jetzt winkt dem 32-jährigen Verteidiger beim VfB Stuttgart eine Vertragsverlängerung.

Stuttgart Aus gutem Grund wird Andreas Beck am Samstag wieder seinen Platz auf dem Rasen einnehmen. Rechts hinten. Es gibt ja keinen besseren auf dieser Position beim VfB Stuttgart, und seit Kurzem verfügt der 32-Jährige sogar über ein Alleinstellungsmerkmal: Er ist offiziell konkurrenzlos. Das liegt daran, dass Pablo Maffeo ausgemustert wurde. Und die anderen, die den Posten gegen Bayer Leverkusen einnehmen könnten, gelten als Notlösungen (Ozan Kabak, Timo Baumgartl). Beziehungsweise empfindet Markus Weinzierl die weltmeisterliche Alternative (Benjamin Pavard) innen als zu wichtig, als dass sie der Trainer nach außen ziehen will.

Dieser Mangel an Konkurrenzdruck wäre in vielen Fällen sicher ein Problem – aber nicht bei Andreas Beck. Als „absoluten Profi“, bezeichnet ihn Weinzierl – wie es auch schon seine Vorgänger Tayfun Korkut und Hannes Wolf getan haben, seit der Abwehrspieler im Sommer 2017 in die Bundesliga zurückgekehrt ist. Ein wenig seltsam mag diese Klassifizierung klingen, wenn es jemand ohnehin nur mit Berufsspielern zu tun hat. Doch die Fußballlehrer drücken kurz und knapp ihre Wertschätzung aus.

Verlässlichkeit, Berufseinstellung, taktisches Verständnis – Beck bietet dieses Paket an Eigenschaften in guten wie in schlechten Zeiten auf kon­stant solidem Niveau an. Und gerade sind es in Stuttgart mal wieder besonders unruhige Zeiten. In diesen tut Becks ruhige Art der Mannschaft gut, auf und außerhalb des Platzes. Denn obwohl seine Leistungen häufig von einem Grummeln im Publikum begleitet werden, vertraut auch Weinzierl dem Routinier – was die gelegentliche Kluft in der Wahrnehmung offenbart.

Die Anhänger sehen in Beck den Verteidiger, der nach vorne kaum Impulse setzt, der das Spiel immer wieder verlangsamt und dessen Flanken häufig knapp neben dem gewünschten Adressaten landen. Die Trainer sehen in ihm jedoch den Mann, der über ein sicheres Stellungsspiel verfügt, der seine Zweikämpfe gewinnt, dem wenige Fehler unterlaufen und der auch in der Spieleröffnung zu gebrauchen ist.

Defensivqualitäten gegen Offensivdefizite – eine Frage der Kernkompetenzen. Doch was muss ein Außenverteidiger eigentlich alles können? Das Anforderungsprofil ist in den vergangenen Jahren komplex geworden und der Markt schwierig, wie der Fall Maffeo zeigt: Zehn Millionen Euro brauchte es, um das Talent nach Stuttgart zu holen. Ein in der Szene viel beachteter Transfer. Zunächst. Es hat sich jedoch ebenso gezeigt, dass der junge Maffeo auf der Außenbahn nicht an dem alten Beck vorbeikam. Und vielleicht sind die Fähigkeiten des 32-Jährigen noch nie so wertvoll für den VfB gewesen wie jetzt.

Beck gehört in den Wirren des Abstiegskampfes zu den wenigen Persönlichkeiten, die das Team von innen heraus führen und nach außen immer stärker vertreten. So gibt er aktuell den Außenminister – diplomatisch im Ton, aber sachlich und kritisch in der Analyse. Die gewachsene Bedeutung ist auch den Vereinsverantwortlichen nicht verborgen geblieben. Weshalb einiges nun darauf hindeutet, dass der im Sommer auslaufende Vertrag verlängert wird – um ein Jahr, am liebsten in der ersten Liga.

Entsprechende Signale hat Sportchef Thomas Hitzlsperger bereits gesandt. „Priorität hat jetzt aber erst einmal der Klassenverbleib“, sagt Beck, der sich auch ein Engagement im Ausland vorstellen kann. Erst nach der Saison will er sich jedoch konkret mit seiner weiteren Karriere beschäftigen. Ohne jede Hektik. „Jeder weiß, dass ich eine besondere Beziehung zum VfB habe“, sagt der Abwehrspieler. Mit den Stuttgarter A-und-B-Junioren wurde er jeweils Meister, mit den Profis ebenfalls.

Aus Erfahrung weiß Beck zudem, dass so ein Wechsel innerhalb weniger Stunden über die Bühne gehen kann. Die Stuttgarter haben ihn am letzten Transfertag für zweieinhalb Millionen Euro von Besiktas Istanbul verpflichtet, als stabilisierende Soforthilfe, wie der damalige Manager Michael Reschke immer betont hat – und nicht als Investition in die Zukunft. Diese sollte Maffeo verkörpern und Beck rechts hinten verdrängen. Doch der Masterplan ist nicht aufgegangen, wie sich stellvertretend nicht nur an diesem Beispiel der Personalpolitik zeigt. Deshalb gibt es ja gute Gründe, warum der Mann mit den blonden Haaren und der Rückennummer 32 am Samstag seinen Außenposten wieder einnimmt.

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Erstellt:
11. April 2019, 03:12 Uhr

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