Der DHB ordnet Pause in der Dritten Liga an

Die nächsten drei Spiele des Handball-Clubs Oppenweiler/Backnang sind abgesetzt. Zumindest bis 15. November geht nichts.

Begrüßt die vorläufige Pause für die Dritte Liga: Die HCOB-Handballer um Teammanager Jonas Frank (links). Foto: A. Becher

© Alexander Becher

Begrüßt die vorläufige Pause für die Dritte Liga: Die HCOB-Handballer um Teammanager Jonas Frank (links). Foto: A. Becher

Von Alexander Hornauer

Zum Schluss blieben von neun Drittliga-Partien am Wochenende drei übrig. Die anderen Spiele, darunter auch das Duell des HC Oppenweiler/Backnang bei der TGS Pforzheim wurden verlegt. Mittlerweile hat der Deutsche Handball-Bund den Spielbetrieb in den Dritten Ligen wird bis 15. November ausgesetzt.

Am Freitagabend trafen sich die Verbandsoberen zu einer Videokonferenz. Hernach teilten sie den 132 Drittligisten – 72 Männer-, 60 Frauenteams – mit: Der Spielbetrieb wird vom 2. bis 15. November ausgesetzt. „Das verschafft uns Zeit, um die Verordnungen der jeweiligen Länder einschätzen zu können“, sagt Mark Schober, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Handballbunds. 16 verschiedene Länder, 16 verschiedene Ordnungen – es gilt, den größten gemeinsamen Nenner zu finden. Letztlich geht es – ähnlich wie in der Fußball-Regionalliga – um die Frage, ob die Dritte Liga dem Profi oder dem Amateursport zugerechnet wird, und zwar nicht nur an einem Standort oder in einem Bundesland, sondern deutschlandweit. Absehbar ist, dass eine eindeutige Antwort schwierig wird. Zu verschieden sind die Strukturen der Vereine. Zu sehr unterscheiden sich auch die handelnden Personen in den Klubs in ihrer individuellen Risikoabwägung.

Einige Einschätzungen: Für Matthias Ecker, den sportlichen Leiter der HG Saarlouis ist „die Dritte Liga eine Semi-Profi-Liga und zählt damit nach unserer Einschätzung zum Profisport“. Die Saarländer, die nach vielen Jahren in Liga zwei strukturell so aufgestellt sind, dass tagsüber trainiert werden kann, wollen weitermachen. Uli Roth, Gesellschafter der SG Leutershausen, sagt dagegen: „Wir zählen uns ganz klar zu den Amateursportlern. Gut 90 Prozent aller Drittliga-Handballer sind berufstätig und betreiben den Sport nur nebenher.“ Jonas Frank, Teammanager des HC Oppenweiler/Backnang, ist inhaltlich bei Ex-Nationalspieler Roth: „Wir können die Augen vor der Realität nicht verschließen. Unsere Spieler leben nicht in einer Blase, sondern arbeiten, zum Teil in systemrelevanten Berufen.“

Noch gibt es viele offene Fragen,
die der Verband mit der Politik
und mit seinen Klubs klären muss.



DHB-Funktionär Mark Schober – einst Manager der Kornwestheimer Handballer und aus der Zeit im Großraum Stuttgart als umsichtiger Denker anerkannt – hatte schon kurz nach Bekanntwerden der Berliner Beschlüsse mitgeteilt, dass er nur zwei Optionen sieht. Variante eins: Pausieren, bis sich die Lage gebessert hat. Bleiben die Fragen: Wann wird das sein? Wer bewertet es? Ist das Ende des November-Lockdowns relevant? Oder muss man auf lokale Infektionszahlen schauen? Variante zwei: Spielen unter gleichen Bedingungen wie in den Ligen eins und zwei, sprich: ohne Zuschauer, aber mit umfangreichen Coronatestverfahren. Offene Fragen: Ist das bei 132 Vereinen organisatorisch zu lösen? Ist es finanzierbar? Ist das indirekt damit verbundene Quarantänerisiko vertretbar?

Der Verband will neben der Klärung der leidigen Profi-Amateur-Frage auf politischer Ebene auch mit seinen Vereinen darüber diskutieren, wie wieder trainiert und gespielt werden kann. Dazu soll es in den nächsten Tagen Videokonferenzen geben. Absehbar ist bereits: So, wie die Runde einstmals geplant war, kann sie nur schwerlich zu Ende gebracht werden. Die DHB-Spielkommission für die Dritte Liga denkt über folgendes Modell nach: Die Vorrunde soll nach und nach zu Ende gespielt werden. Danach gibt es drei Gruppen mit je sechs Teams, die um den Aufstieg, um Platzierungen und gegen den Abstieg spielen. Statt mit 34 Spieltagen käme man mit 22 durch. Das würde – Stand heute – etwas Luft verschaffen.

Info

Welche HCOB-Spiele sind offiziell abgesetzt? Definitiv vom Spielplan genommen sind die Begegnungen gegen den SV Salamander Kornwestheim (6. November), beim TSB Horkheim (8. November) und gegen HaSpo Bayreuth (14. November).

Wie sieht es auf Verbands- und Bezirksebene aus? Die Sportler der SG Weissach im Tal, der HSG Sulzbach-Murrhardt und alller HCOB-Mannschaften außer dem Drittliga-Team haben wenigstens Planungssicherheit. Kein Training vom 2. bis zum 30. November. Die Spiele Anfang Dezember sind noch nicht offiziell abgesetzt. Dass der Spielbetrieb wieder aufgenommen wird und die bis dahin ausgefallenen Spiele einfach so nachgeholt werden können, sieht aber nicht jeder als realistisch an. Darum sollen Alternativvorschläge bis zum Verbandstag des Handballverbands Württemberg erarbeitet werden. Der ist am 28. November geplant. Eine denkbare Variante: Aus einer „ganzen“ wird eine „halbe“ Runde. Sprich: nur die Vorrunde wird gespielt.

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Erstellt:
2. November 2020, 06:00 Uhr

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