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Deutlich mehr als nur ein bisschen Show

Teams des Vereins Wild Thing Cheerleading sind im Mix aus Akrobatik, Tanz und Turnen bei Meisterschaften erfolgreich unterwegs

Für manche sind sie nur eine nette Randerscheinung bei den Heimspielen der American Footballer Backnang Wolverines. Dabei steckt hinter dem Verein Wild Thing Cheerleading wesentlich mehr. „Wir betreiben das richtig leistungsmäßig“, erklärt Vorstandsmitglied Nadine Uhl ihren Sport, der sich als ein Mix aus Akrobatik, Tanz und Turnen präsentiert.

Will kommendes Wochenende bei der deutschen Meisterschaft im Cheerleading hoch hinaus: Das Frauenteam der Wild Things. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Will kommendes Wochenende bei der deutschen Meisterschaft im Cheerleading hoch hinaus: Das Frauenteam der Wild Things. Foto: A. Becher

Von Uwe Flegel

Wer sich durch ein Backnanger Veranstaltungsjahr bewegt, dem sind die jungen Frauen und Mädels bekannt. Bei Ereignissen wie dem Straßenfest, dem Gänsemarkt oder der Sportparty sind die Wild Things oft mit von der Partie. Vor allem Besucher der Wolverines-Heimspiele kennen die in den Stadtfarben blau und gelb gewandete Gruppe, die mal auf der Marktplatz-Bühne, mal auf der des Bürgerhauses oder in der Halbzeit eines Footballspiels für Kurzweil sorgt. Die Wild Things sind viel unterwegs, präsentieren sich und ihren Sport.

Ein Hobby, hinter dem mehr steckt, als nur hübsch an der Seite zu sitzen oder zu stehen. Los ging es mit Cheerleading im Murrtal vor rund 15 Jahren. Damals war es ein Bestandteil der Wolverines. „Seit 2010 sind wir ein eigenständiger Verein“, erzählt Julia Hettich, die seit zwei Jahren der sogenannte Head-Coach der Seniors ist. Die Begriffe machen schnell klar, dass der Ursprung des Sports in den USA liegt. Und in der Tat ging es in den Anfangsjahren vor allem darum, Footballteams zu unterstützen. Zunächst von Männern, dann übernahmen die Frauen die Regie. Und rund 120 Jahre nach dem ersten Cheerleading ist es vorwiegend ein selbstständiger Wettkampfsport, bei dem die Mannschaften, sogenannte Squads, an nationalen und internationalen Meisterschaften teilnehmen. So wie die im Murrtal beheimateten Wild Things.

Die mischen in allen drei Altersklassen bei den Wettkämpfen mit. Bei der baden-württembergischen Meisterschaft in Ulm in diesem Jahr gab es Platz vier für die Jüngsten sowie Rang sieben für die Jugend und die Erwachsenen. Besonders die Frauen freuten sich über ihre Platzierung, haben sie sich damit doch zum ersten Mal für die deutsche Meisterschaft der Cheerleadervereinigung Deutschland qualifiziert, die nun am kommenden Wochenende in Koblenz stattfindet.

Zweieinhalb Minuten haben Julia Hettich, Nadine Uhl und ihre Mitstreiterinnen Zeit, die Wertungsrichter mit tollen Pyramiden, möglichst schwierigen Hebefiguren, mit Spagaten und Sprüngen zu überzeugen. Begleitet wird das alles von Musik, die sich die Wild Things selbst zusammengestellt und geschnitten haben. „Für einzelne Elemente gibt es darauf abgestimmte Musik“, erzählt Hettich.

Zweimal pro Woche trainieren die drei Mannschaften in Backnang dafür, dass alles möglichst perfekt passt und gelingt. Jeweils zwei Stunden dauert die Übungseinheit bei den Erwachsenen. Vor die Meisterschaften gibt es zusätzliche schweißtreibende Stunden, in denen die 22 Frauen hart im Nehmen sein müssen. Schließlich kommt es durchaus vor, dass der Arm der Teamkollegin im Gesicht landet, wenn die nach einem Sprung oder einer Hebefigur aufgefangen wird. Loslassen ist dann aber trotzdem keine gute Lösung, schließlich soll die Freundin ja weich in den eigenen Armen landen und nicht hart auf den Boden knallen. Vertrauen in die Gruppe ist gefragt und zimperlich sollte eine Cheerleaderin möglichst auch nicht sein. „Bei uns muss die Gruppe enger zusammenhalten als in anderen Sportarten“, ist sich Julia Hettich sicher und erklärt: „Bei uns muss es funktionieren.“ Ansonsten kann es schmerzhaft werden. Wird es zumindest bei den Wild Things allerdings nicht allzu oft. „Für das, was wir machen, ist bislang kaum etwas passiert“, sind sich Julia Hettich und Nadine Uhl einig.

Für die 27-jährige Trainerin und ihre 24-jährige Mitstreiterin, die sich im Vorstand zudem um die Finanzen kümmert, ist das nichts Neues. Beide sind seit vielen Jahren dabei. Davor haben sie Volleyball sowie Basketball gespielt. „Ich bin mal mit einer Freundin mitgegangen und fand es sofort cool“, erklärt Julia Hettich, wie sie dazu gekommen ist. Bei Nadine Uhl war es die Suche „nach einem konträren Sport zum Basketball“. Als sie dann beim Straßenfest einen Cheerleading-Auftritt sah, hatte sie ihn gefunden.

Beiden ist bewusst, dass nicht jeder gleich erkennt, was hinter ihrem Sport steckt. Blöde Sprüche wie „das sind doch die mit den Puscheln“ und „gib mir ein A“ haben auch sie schon hören müssen. Vielleicht hätten die beiden ja mit einer Einladung zum Training kontern können, dann wäre den Spöttern rasch klar geworden: Cheerleading ist was anderes als nett an der Seite zu stehen, wenn sich andere um einen Ball oder ein Ei balgen.

Info
Drei Wild-Thing-Teams

Im Cheerleading gibt es drei Altersklassen. Die Jüngsten sind die sogenannten Peewees (bis 12 Jahre). Danach kommen die Juniors (12 bis 17) und die Seniors (ab 17).

Die Peewees trainieren am Mittwoch (ab 17.30 Uhr, Taus-Grundschule) und Donnerstag (18 Uhr, Reisbachschule Waldrems). Die Jugend übt am Mittwoch und Donnerstag ab 18 Uhr in der Halle des Tausgymnasiums und in der Reisbachschule. Die Erwachsenen sind im Taus am Mittwoch ab 20 Uhr (Gymnasium) sowie am Freitag ab 19 Uhr (Grundschule) dran.

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Erstellt:
15. Mai 2019, 06:00 Uhr

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