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DFB setzt auf Zuckerbrot und Peitsche

Finanzielle Anreize für schwäbisch-sparsame Fußball-Drittligisten wie die SG Sonnenhof, Strafen für wirtschaftliche Wagnisse

Die Dritte Liga ist auf Erfolgskurs. Weil aber nicht alle Klubs so schwäbisch-sparsam wirtschaften wie die SG Sonnenhof Großaspach, die sich grundsätzlich rund um die schwarze Null bewegt, sorgt sich der DFB um die Entwicklung mancher Vereine. Bei der Vorstellung des Saisonreports 2017/18 zeigte sich: Die Drittligisten geben in der neuen Runde im Schnitt deutlich mehr Geld für Fußballer und Trainer aus. Der DFB setzt bei der Therapie auf Zuckerbrot und Peitsche.

Obwohl Aspach anders als mancher Drittliga-Rivale auf finanzielle Abenteuer verzichtet, schafft es Sportchef Joannis Koukoutrigas immer wieder, ein schlagkräftiges Team zu basteln. Foto: A. Becher

© Sportfotografie Alexander Becher

Obwohl Aspach anders als mancher Drittliga-Rivale auf finanzielle Abenteuer verzichtet, schafft es Sportchef Joannis Koukoutrigas immer wieder, ein schlagkräftiges Team zu basteln. Foto: A. Becher

Von Harald Pistorius

und Steffen Grün

Zwischen knapp zwei und über sechs Millionen Euro spreizen sich die Personalkostenetats. Mit ungefähr zwei Millionen Euro bewegt sich die SG Sonnenhof auch in ihrer mittlerweile fünften Drittliga-Runde im letzten Drittel. Im Schnitt machen die 20 Vereine für die Gehälter der Profis und des Trainerteams in der laufenden Spielzeit rund 3,7 Millionen Euro locker.

„Das sind etwa 20 Prozent mehr als in der Vorsaison – und das ist zu viel. Einige Klubs haben nicht den Willen zum positiven Ergebnis“, so Manuel Hartmann, beim DFB als Abteilungsleiter Spielbetrieb zuständig für das Zulassungsverfahren. Der Blick auf die vergangene Runde bestätigt ihn: Nur vier Vereine schlossen sie mit positivem Ergebnis ab, darunter Aspach. Bei 662000 Euro lag das durchschnittliche Minus, und elf Vereine wiesen ein negatives Eigenkapital aus – eine Gefahr für die wirtschaftliche Existenz, die Rot-Weiß Erfurt und der Chemnitzer FC unabhängig vom sportlichen Abstieg verloren. Nichts trübt das attraktive sportliche Image der Dritten Liga mehr als Berichte über wirtschaftliche Schieflagen bis zur Insolvenz. Dabei kann sich die Liga gerade in dieser Saison sehen lassen: Der Zuschauerschnitt lag nach elf Spieltagen bei 8300 (Vorjahr: 6132), die TV-Präsenz ist so hoch wie nie, der sportliche Wettkampf eng und reizvoll.

DFB-Direktorin Heike Ulrich sieht einen „deutlichen Schub nach oben“, und sie verweist auf viele sportliche Überraschungen. Erstmals könnte die deutsche Dritte Liga ihr englisches Pendant im Zuschauerschnitt überholen. Bei Liveübertragungen der ARD-Regionalsender schalten im Schnitt 330000 Leute ein, die Telekom meldet bei Topspielen über 100000 Zuschauer. Der Einstieg der Telekom steigerte die TV-Erlöse um 25 Prozent. Jeder Verein erhält vom DFB aus Zentralvermarktung und Fördergeldern in dieser Saison 1,28 Millionen Euro. Darin enthalten sind TV- und Marketingerlöse sowie die gerade eingeführten Sondermaßnahmen Financial Fairplay und Nachwuchsfördertopf. Das bedeutet im Vergleich zur Auftaktsaison 2008/2009 eine Steigerung um 135 Prozent, im Vorjahr gab es 937000 Euro pro Klub. „Auf dieser Basis mit einem durchschnittlichen Etat von 7,5 Millionen Euro ist es definitiv möglich, Profisport zu betreiben“, betont DFB-Vertreter Hartmann, „und es ist möglich, in der Dritten Liga positive Saisonergebnisse zu erzielen.“

Mit Zuckerbrot und Peitsche will der Verband die Vereine in die richtige Richtung lenken. Dem am DFL-Modell orientierten Zulassungsverfahren folgt eine enge Begleitung während der Saison – mit Beratung, mit Strafen bis hin zum Punktabzug sowie ab dieser Saison mit Bonuszahlungen für gutes Wirtschaften. 550000 Euro, die mit Zustimmung der Vereine aus den Erlösen der Zentralvermarktung abgezweigt wurden, werden am Ende der Saison unter den Klubs aufgeteilt, die mit einem positiven wirtschaftlichen Ergebnis abschließen und ihre Planzahlen erfüllen. „Das ist sehr positiv, weil es in den vergangenen Jahren die eine oder andere Insolvenz gab. Positives Wirtschaften wird belohnt“, freut sich Thomas Deters, Vorstandsmitglied der SG Sonnenhof. Das Financial Fairplay soll nur ein erster großer Schritt sein. Weitere Maßnahmen sollen folgen und werden mit den Vereinen im „Arbeitskreis Finanzen“ ausgetüftelt.

Neuer Nachwuchsfördertopf:

Einsatz von U-21-Spielern

wird mit Zuschüssen belohnt

Knapp drei Millionen Euro stehen aus DFB-Mitteln zur Verfügung, um den Beitrag der Dritten Liga zur Nachwuchsförderung zu honorieren. Die Vereine, die ein Nachwuchsleistungszentrum haben, kriegen 100000 Euro, hier geht Aspach bisher leer aus. Zudem werden auch Zuschüsse für den Einsatz von U-21-Spielern ausgeschüttet. Ein Beispiel aus den Reihen der SG Sonnenhof: Für jede Minute, die Makana Baku mitmischt, gibt es etwa 15 Euro. Noch etwas mehr wäre es, hätte ihn der Verein aus dem Fautenhau in der eigenen Jugend ausgebildet. Diese Gelder dürfen jedoch wiederum nur für den gemeinnützigen Teil der Vereine verwendet werden.

Die Dritte Liga bleibt ein schwieriges Feld, denn die Kluft zur Zweiten Bundesliga ist trotz der Steigerungsraten, die der DFB am Mittwoch in Frankfurt verkündete, gewachsen. Aber der DFB hat die Dritte Liga stärker im Blick als noch vor einigen Jahren und tut viel, um den Klubs eine Perspektive zu geben. Eine Perspektive, die auch eine dauerhafte Existenz in dieser Spielklasse lohnenswert macht und nicht alleine dominiert wird von einem gefährlichen Rattenrennen um die Aufstiegsplätze zur Zweiten Bundesliga.

Am Sonntag bei den Löwen: Aspach wird von über 300 Fans nach München begleitet Info Bei einem Neuling sind Großaspachs Drittliga-Fußballer am Sonntag um 13 Uhr gefordert – das klingt zunächst einmal nach einer der unspektakuläreren Auswärtsfahrten im Laufe der Runde, doch es ist alles andere als das. Für die SG Sonnenhof geht es nämlich ins altehrwürdige Stadion an der Grünwalder Straße, in dem es der Verein aus dem Fautenhau bislang nur mit den Reserven des FC Bayern München und des TSV 1860 München zu tun hatte. Dieses Mal wartet dagegen die Erste der Löwen, die nach dem Zweitliga-Abstieg im Sommer 2017 sowie dem einer andauernden Finanzmisere geschuldeten Durchreichen in die bayerische Regionalliga zumindest auf Anhieb den Aufstieg in die Dritte Liga geschafft hat. Das liebe Geld ist beim Klub aus dem Stadtteil Giesing nach wie vor ein beherrschendes Thema, für die laufende Saison rechnen die Verantwortlichen schon wieder mit einem Minus von über zwei Millionen Euro. Es liegt also wohl abermals an Investor Hasan Ismaik, ob sich der deutsche Meister von 1966 im Winter verstärken und vielleicht noch ins Aufstiegsrennen eingreifen kann. Derzeit sieht es nicht unbedingt danach aus, denn die Löwen belegen mit 16 Punkten lediglich Platz zwölf und rangieren damit direkt vor Aspach (14 Zähler). Der Rückstand auf Tabellenführer Osnabrück beträgt sieben Punkte, sechs sind es auf den Zweiten aus Münster sowie auf Uerdingen auf dem Relegationsplatz. Immerhin stoppte das Team von Trainer Daniel Bierofka zuletzt die Negativserie von fünf sieglosen Spielen (drei Remis, zwei Niederlagen) und schlug Braunschweig zu Hause mit 2:0. Torjäger Adriano Grimaldi (vier Treffer, wie Aspachs Philipp Hercher) handelte sich allerdings seine fünfte Gelbe Karte ein und fehlt im Heimspiel gegen die SG Sonnenhof. Die Gäste werden am Sonntag von etwa 300 Fans in Bayerns Hauptstadt begleitet, die im Stadion an der Grünwalder Straße allerdings eine absolute Minderheit sein werden. Obwohl es gestern noch einige Restkarten gab, sind wohl wieder 15000 Zuschauer und damit ein ausverkauftes Haus zu erwarten.

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Erstellt:
26. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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