Die Grenzen des Körpers überwinden

Der Allmersbacher David Klingler tritt mit Partner Mike Pelz bei der offenen Hyrox-EM an und kämpft ums Ticket zur Weltmeisterschaft. Seine Leidenschaft möchte er nun auch zum Beruf machen.

Beim Wall Ball wird der Medizinball gegen eine Zielscheibe geworfen. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Beim Wall Ball wird der Medizinball gegen eine Zielscheibe geworfen. Foto: Alexander Becher

Von Carolin Aichholz

In der Crossfit-Box in der Wilhelmstraße in Backnang absolviert David Klingler seine letzten Trainingseinheiten, ehe er am Freitag mit seinem Sportpartner Mike Pelz nach Wien fliegen wird. Dort treten beide am Samstag gemeinsam in der bisher noch nicht allzu bekannten Event- und Fitnesssportart Hyrox an (siehe Infotext).

Der 31-Jährige trainierte nach seinem Schulabschluss in der Leichtathletikabteilung des VfB Stuttgart, wo er den Langstreckenlauf für sich entdeckte. Nach seinem „persönlichen Tiefpunkt“ im Jahr 2021 traf er seinen früheren Bekannten Adrian Zucker wieder, der mittlerweile die Crossfit-Box in Backnang leitete. Mit seiner Hilfe fand er zurück ins Training. Und er wollte wieder Sport auf Wettkampfbasis machen. Er begann auch wieder dementsprechend zu trainieren. Also täglich, entweder vor oder nach der Arbeit. Sein Trainer machte ihn auf Hyrox aufmerksam. Die Mischung aus Ausdauersport, der Klingler ohnehin liegt, und Kraftsport, den er sich im Training aneignete, war verlockend.

Der erste Wettkampf war ernüchternd

Hyrox kam damals erst langsam auf. Die Wettkämpfe fanden deshalb als Event für alle statt und es benötigte keine Qualifikation. Die Zahl der Teilnehmer war noch nicht so groß, „da steckte viel Potenzial drin“, erinnert sich Klingler. Sein erster Wettkampf im Mai 2022 war eine einschneidende Erfahrung. „Ich hatte nur acht Wochen Zeit, um mich richtig darauf vorzubereiten. Und nach den ersten drei Runden waren meine Kraft- und Ausdauerreserven eigentlich aufgebraucht.“

Doch der Wille durchzuhalten war enorm groß und der Sportler lernte etwas sehr Entscheidendes: „Wenn du so fertig bist, aber dein Kopf dich trotzdem am Leben erhält, wird dir bewusst, dass diese Grenze dich nicht aufhält und du noch einen Gang höher schalten kannst.“ Der Kopf mache für ihn beim Sport sehr viel aus, denn „alle Grenzen, die dir von anderen gesetzt werden, sind nur ihre eigenen Grenzen, aber nicht deine“.

So quälte sich Klingler durch den ersten Wettkampf, fing aber trotz allem sofort Feuer. Viele Wettkämpfe folgten darauf, bevor er sich mit Mike Pelz zusammenschloss, den er ebenfalls in der Crossfit-Box in Backnang kennenlernte.

Nun treten die beiden gemeinsam als Doppel an. Das bedeutet: Die zu laufenden Strecken müssen zusammen zurückgelegt werden, nur wenige Sekunden Unterschied sind erlaubt. Die Stationen dürfen sie sich untereinander frei aufteilen – und damit von den individuellen Stärken gegenseitig profitieren. Klingler trainiert weiterhin im Murrtal, Pelz in seinem neuen Wohnort Frankfurt. Sie telefonieren mindestens einmal im Monat miteinander, um ihre Fortschritte auszutauschen oder über Probleme zu sprechen. Bereits nach ihrem ersten gemeinsamen Wettkampf im vergangenen Jahr zählen die beiden zu den besten 9,2 Prozent im weltweiten Ranking.

Eine Verletzung verzögerte Vorbereitung

Das Schöne an dem Sport sei, dass es auch Hobbysportlern mögich ist, an einer Europameisterschaft teilzunehmen, da man sich für eine Teilnahme nicht qualifizieren muss. Für die WM, die noch in diesem Jahr im französischen Nizza stattfindet, wäre ein gutes Abschneiden bei der EM allerdings Voraussetzung. „Wir werden auf jeden Fall unser Bestes geben. Wenn es für die Qualifikation reicht, fahren wir gerne nach Nizza und freuen uns auf jeden Fall darüber.“

Allerdings ist Klingler selbst verletzungsgeplagt. Im Sommer fiel er viereinhalb Monate wegen einer Verletzung an der Achillessehne aus. Erst im November konnte er wieder mit dem Training beginnen. Die Absage der EM-Teilnahme kam für seinen Partner und ihn aber nicht infrage. „Im Wettkampfsport läuft es nicht immer optimal. Wichtig ist, trotzdem den Ehrgeiz beizubehalten und das Beste zu geben, auch wenn man nicht in Topform ist.“

Erfreulich ist für ihn, dass er schon innerhalb weniger Wochen große Verbesserungen in den Wettkämpfen erzielen kann. Das nächste Event folgt bereits im März in Karlsruhe. Auch darauf ruht nun die Hoffnung. Privat stellt sich Klingler ebenfalls voll auf Crossfit und Hyrox ein. Er möchte sich zum Trainer ausbilden lassen und bei Zucker arbeiten. „Dort sehe ich mich künftig als Athlet und Coach, da ich damit meinen Profisport optimal leben kann – in jeglicher Art und Weise“, sagt David Klingler.

Hyrox – das „Fitnessrennen für jedermann“ wurde in Hamburg gegründet

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Erstellt:
6. Februar 2024, 10:30 Uhr

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