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„Die Halle wird auf jeden Fall brennen“

Das Interview: TSG-Turnerin Emelie Petz fiebert der am Freitag beginnenden WM in Stuttgart entgegen und hat klare Ziele

Es ist ein großer Vertrauensbeweis von Bundestrainerin Ulla Koch: Emelie Petz von der TSG Backnang, mit 16 Jahren das Küken im fünfköpfigen deutschen Frauenteam, ist bei der am Freitag beginnenden Weltmeisterschaft in Stuttgart neben Elisabeth Seitz die einzige Turnerin, die an allen vier Geräten eingesetzt wird. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir das packen“, sagt die Allmersbacherin im Interview über das vorrangige Ziel, das Olympia-Ticket für Tokio zu lösen.

Emelie Petz hofft, dass bei der Heim-WM in Stuttgart auch das Publikum in der Schleyer-Halle kopfstehen wird. Foto: Baumann

© imago images / Pressefoto Bauman

Emelie Petz hofft, dass bei der Heim-WM in Stuttgart auch das Publikum in der Schleyer-Halle kopfstehen wird. Foto: Baumann

Von Steffen Grün

Für Ihren Vereinskameraden Sebastian Krimmer kam die Heim-WM in Stuttgart 2007 zu früh, die jetzige zu spät. Sie sind mit 16 Jahren dabei, können Sie Ihr Glück schon fassen?

Wir haben mit dem Podiumstraining am Montag einen kleinen Vorgeschmack bekommen, weil wir da schon in der Wettkampfhalle waren und bereits etwas die Hallenluft schnuppern durften. So richtig fassen kann ich es trotzdem immer noch nicht, aber so langsam ist es an der Zeit, es zu realisieren, weil es am kommenden Freitag ja auch schon losgeht.

Wie viele Eintrittskarten für die HannsMartin-Schleyer-Halle mussten Sie für die Familie und Ihre Freunde denn besorgen?

Mein Vater meinte, dass wahrscheinlich rund 30 Familienmitglieder und Freunde kommen werden. Die Unterstützung wird auf alle Fälle groß sein und ich freue mich schon megakrass darauf, vor dem Heimpublikum hier in Stuttgart zu stehen. Das ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl.

Sie hatten öfter mit Verletzungen zu kämpfen. Sind Sie derzeit 100-prozentig fit?

Ja, das bin ich definitiv. Als ich vor einem Jahr meine Fußoperation hatte, hätte ich nicht gedacht, dass ich es schaffen würde, bei der Heim-WM dabei zu sein. Deshalb ist es umso schöner, dass es geklappt hat.

Wie sehen die letzten Tage vor der WM aus und wie würden Sie Ihre Form einschätzen?

Wir trainieren und machen unsere Übungen, damit wir uns stabil fühlen und für den Freitag bereit sind. Das Podiumstraining war bei uns allen ganz gut, nur am Barren und Schwebebalken hatten wir noch kleine Fehler, aber wirklich kleine. Daher war es gut, noch einmal einen Test vor dem Wettkampf gehabt zu haben.

Das deutsche Team ist im Hilton-Hotel im Neckarpark in unmittelbarer Nähe zur Halle untergebracht. Kommt Ihnen das zugute?

Wir sind die einzige Nation, die hier untergebracht ist, und es sind für uns maximal fünf Minuten zu Fuß zur Schleyer-Halle, das ist perfekt. Die anderen sind in einem Hotel in der Nähe vom Flughafen und müssen quer durch die Stadt, da haben wir auf alle Fälle den Heimvorteil.

Sorgt die Tatsache, Ihre erste Weltmeisterschaft in der Heimat zu turnen, eher für riesigen Druck oder zusätzliche Motivation?

Eindeutig für zusätzliche Motivation – weil es einfach schön ist, dass das Heimpublikum in der Halle ist, uns alle anfeuert und unterstützt, wie es nur geht. Das ist einfach richtig, richtig cool.

Welche Rolle spielen Sie in einem Team mit Routiniers wie Elisabeth Seitz und Kim Bui und wie bewerten Sie es, dass Sie zur deutschen Riege gehören und die Weltmeisterin Pauline Schäfer nur die Ersatzturnerin ist?

Ich bin zwar die Jüngste, aber das ändert nichts an meinem Stellenwert. Wir sind ein Team und haben alle unterschiedliche Stärken, das Team ist richtig gut zusammengestellt. Wir unterstützen uns alle gegenseitig, auch Pauline Schäfer als Ersatzturnerin motiviert und unterstützt uns sehr. Sie ist natürlich auch im Wettkampf unten bei uns und sollten wir irgendwie Probleme haben, helfen wir uns gegenseitig. Im Team passt es einfach.

Am Freitag steht die Qualifikation an, dann geht es für Deutschland schon um das Olympia-Ticket. Reicht es für einen der ersten zwölf Plätze und damit für Tokio 2020?

Ich denke, dass wir auf einem richtig guten Weg dorthin sind und dass wir das auch schaffen werden, weil wir alle echt ziemlich fit sind. Ich habe keine Zweifel daran, dass wir das packen. Wir sind alle so gut drauf und so motiviert und haben so hart gearbeitet in den letzten Wochen, dass eigentlich nichts schiefgehen kann.

Die besten acht Nationen ziehen zudem ins Teamfinale der WM ein. Ist Deutschland dabei und wenn ja, was wäre dann drin?

Das ist unser Traum und das zweite Ziel, das wir neben dem Olympia-Ticket erreichen wollen. Es wird schwer, weil die anderen Teams auch stark aufgestellt sind, aber einen Traum darf man immer haben.

In der Qualifikation geht es auch um den Einzug ins Mehrkampffinale und in die Geräte-Finals. Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Bei mir geht das Team erst einmal klar vor. Ich bin ja auch erst 16 und habe da noch nicht so die großen Chancen. Auf alle Fälle hat Elisabeth Seitz am Barren eine Finalchance und wir versuchen, sie auf diesem Weg so gut es geht zu unterstützen. Und wer weiß, vielleicht springt auch noch für eine andere von uns ein Finale heraus, das wäre grandios.

Hat die Heim-WM einen ganz hohen Stellenwert oder ist es letztlich doch nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach Tokio?

Eine Heim-WM hat natürlich einen sehr großen Stellenwert. Wir kriegen es hier schon mit, was alles vorbereitet wurde – das Event wird richtig, richtig cool. Die Halle wird in den kommenden Tagen auf jeden Fall brennen. An Tokio denken wir erst, wenn wir es geschafft haben.

Info
Der Zeitplan

Fünfzehn Goldmedaillen holte Emelie Petz bei deutschen Jugendmeisterschaften, zweimal Silber und einmal Bronze gab es bei ihrem Debüt im Aktivenbereich vor knapp zwei Monaten in Berlin. Der bisherige Höhepunkt ihrer Karriere ist aber die Heim-WM in Stuttgart, die für die deutschen Frauen am Freitag beginnt.

Von 13.30 Uhr bis 15.30 Uhr bestreitet das Team mit Petz sowie Elisabeth Seitz, Kim Bui, Sophie Scheder und Sarah Voss die Qualifikation. Wenn die letzten Nationen am Samstag dran waren, ist klar, ob die Deutschen eines von zwölf Olympia-Tickets und einen von acht Plätzen im WM-Teamfinale (Dienstag, 8. Oktober, 14.30 bis 17 Uhr) ergattert haben. Die Finals an den Geräten steigen am Samstag und Sonntag, 12. und 13. Oktober.

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Erstellt:
2. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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