Olympische Winterspiele
Die Königin und ihr Knie: Vonn elektrisiert die Ski-Welt
US-Star Lindsey Vonn träumt vom glänzenden Karriereabschluss in Cortina d'Ampezzo. Trotz ihres Sturzes vor wenigen Tagen will sie um eine Medaille kämpfen - und das mit einem Kreuzbandriss.
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Sorgen ums Knie: Vonn stürzte vorigen Freitag in Crans-Montana. (Archivbild)
Von Christoph Lother, dpa
Cortina d'Ampezzo - Lindsey Vonn wäre nicht Lindsey Vonn, hielte nicht auch die letzte Etappe ihrer bemerkenswerten Reise noch so manches Drama parat. Die Ski-Königin ist zurück an ihrem Sehnsuchtsort - und verkündete direkt aufsehenerregende Nachrichten: Sie hat nach eigenen Angaben einen Kreuzbandriss erlitten, will bei Olympia aber unbedingt starten. "Ich weiß, meine Chancen sind nicht mehr so groß wie vorher. Aber solange es eine Chance gibt, werde ich es versuchen", sagte die sichtlich bewegte Vonn bei einem Pressetermin in Cortina d'Ampezzo.
Dort, wo sie so viele prägende Erlebnisse hatte und niemand so oft gewonnen hat wie sie, wollte die Amerikanerin ihre ohnehin schon schillernde Karriere endgültig veredeln. Die Gold-Aussichten wurden nun erheblich getrübt. Kann Vonn trotz des Handicaps der ganz große Star dieser Olympischen Winterspiele in Italien werden? Erste Voraussetzung ist, dass das Knie hält.
Heftiger Sturz am vergangenen Freitag
Sie gebe ihr "Bestes" hatte die 41-Jährige nach ihrem Sturz im schweizerischen Crans-Montana zuletzt wissen lassen. Die Ski-Welt hatte den Atem angehalten, als die langjährige Speed-Queen in der letzten Abfahrt vor den Spielen vom 6. bis 22. Februar zu Fall gekommen und in ein Fangnetz gerauscht war. Vonn war zwar noch auf Skiern ins Ziel gerutscht, anschließend aber per Helikopter abtransportiert worden. Sie sei am linken Knie verletzt, teilte sie daraufhin mit.
Wie schwer, das verriet sie allerdings erst später. Neben einem Kreuzbandriss habe sie auch Knochenprellungen erlitten, erklärte Vonn. Das Knie sei aber nicht geschwollen. Sie sei auch schon wieder etwas Ski gefahren und zuversichtlich.
Genug Stoff für die nächste mögliche Heldinnen-Story ist also vorhanden. Vonn, die Kämpferin. Schlägt sie nach ihrem famosen Weltcup-Comeback nun ein weiteres Mal zurück? Auf der größten Bühne des Weltsports. Hält das Knie, ist sie in der Olympia-Abfahrt am Sonntag (11.30 Uhr) zumindest eine Mitfavoritin. Auch Starts im Super-G und in der Team-Kombination schloss sie nicht aus.
Speed-Queen überstrahlt sogar Shiffrin
Zwölf Siege hat Vonn in Cortina d'Ampezzo bereits gefeiert. Dass sie die Strecke so gut kenne, gebe ihr Selbstvertrauen, erklärte sie. Als sie sich im Januar 2002 zum ersten Mal im Weltcup die berühmte Piste Olimpia delle Tofane hinunterwagte, war so manche ihrer heutigen Konkurrentinnen wie die deutsche Hoffnungsträgerin Emma Aicher (22) noch gar nicht geboren.
2004 raste Vonn als Drittplatzierte bei der Abfahrt in den Dolomiten erstmals auf das Podest. Ein einschneidendes Erlebnis, wie sie berichtete. Ab da sei sie wirklich überzeugt gewesen, mit den Besten der Welt mitfahren zu können - und wurde für lange Zeit selbst die Beste. Olympia-Gold 2010 in Kanada, zwei WM-Titel, vier Gesamtweltcup-Siege - Vonn, die Dominatorin.
Ihre bislang 84 Weltcup-Erfolge wurden von Landsfrau Mikaela Shiffrin (108) zwar übertroffen. Ihre Strahlkraft aber nicht. Vonn, der Superstar. Mehr als 2,5 Millionen Follower bei Instagram, hoch dotierte Werbeverträge, eine Titelgeschichte im "Time"-Magazin. Vonn elektrisiert. Und sie polarisiert.
Neureuther schwärmt von der "Göttin"
Als sie im Dezember 2024 nach fast sechs Jahren Pause in den Weltcup zurückkehrte, musste die Amerikanerin viel - und von so manchem Experten durchaus grenzwertige - Kritik einstecken. Belastend sei das gewesen, erklärte Vonn. Aber auch ein Ansporn. Spätestens als sie im letzten Rennen der Vorsaison in Sun Valley Zweite wurde, war klar: Die Speed-Queen ist zurück.
Und wie. In diesem Winter präsentierte sich Vonn, zu deren Trainerstab auch der frühere norwegische Topfahrer Aksel Lund Svindal gehört, bislang in bestechender Form. In Abfahrt und Super-G raste sie zu zwei Siegen und fünf weiteren Podestplätzen. Sie sei eine "Göttin", entfuhr es dem begeisterten Ex-Skistar Felix Neureuther nach Vonns Triumphfahrt in St. Moritz Mitte Dezember.
Fünfte Winterspiele für Vonn
Nun, kurz vor der Eröffnung der Spiele am Freitag, also der Rückschlag. Die in ihrer Karriere von vielen Verletzungen geplagte Vonn fährt ja ohnehin schon mit einer Teilprothese im Knie. Dem rechten allerdings. Diesmal geht's ums linke. Lässt es ihren Traum vom krönenden Karriereabschluss womöglich platzen?
Sie hätte ihr viel beachtetes Comeback wohl gar nicht gewagt, wenn die Spiele - es sind bereits ihre fünften - nicht in Cortina d'Ampezzo stattfinden würden, ließ Vonn wissen. Dieser malerische Ort in den Dolomiten sei für sie eben ganz speziell, erklärte die älteste Weltcup-Siegerin der Alpin-Historie. Irgendetwas ziehe sie immer dorthin zurück. In diesem Fall womöglich auch ein bisschen Genugtuung. Ganz sicher aber die Gier nach Gold. Und sei es mit kaputtem Knie.
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Spannendes Duo: Aksel Lund Svindal (r.) gehört zu Vonns Trainerteam. (Archivbild)
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Bei den Winterspielen im Fokus: US-Skistar Lindsey Vonn.
